Landtagswahl

Rechte verlieren Hochburg Kärnten

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Gerhard Dörfler (li., FPÖ) gratulierte dem künftigen Landeshauptmann von Kärnten, Peter Kaiser (SPÖ).

Wien/Klagenfurt - Überraschung im ehemaligen Jörg-Haider-Land: Statt von Rechtspopulisten werden die Kärntener künftig von Sozialdemokraten regiert.

Nach Korruptionsskandalen strafen die Wähler die FPK auf bisher in Österreich beispiellose Weise ab.

Die Erben des österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider müssen in ihrer Hochburg Kärnten die Macht abgeben. Die bisher mit knapp 45 Prozent regierende rechte FPK stürzte bei der Landtagswahl am Sonntag nach dem vorläufigen Endergebnis in Österreich bisher beispiellos auf 17,1 Prozent ab. Zahlreiche Korruptionsskandale aus der Ära des 2008 tödlich verunglückten Haider hatten in Österreichs südlichstem Bundesland die Koalition aus FPK und konservativer ÖVP brechen lassen und zu vorzeitigen Neuwahlen geführt. Klarer Wahlsieger ist die sozialdemokratische SPÖ.

In Niederösterreich bleibt dagegen alles beim Alten. Der konservative Landeshauptmann (Ministerpräsident) Erwin Pröll (66) konnte mit seiner konservativen ÖVP die absolute Mehrheit verteidigen. Der seit etwa zwei Jahrzehnten regierende Agrarökonom kam mit seiner ÖVP auf 50,8 Prozent. Die SPÖ erreichte mit einem Minus von 3,9 Punkten 21,6 Prozent, die rechte FPÖ verlor 2,2 Punkte und lag bei 8,2 Prozent, die Grünen legten mit 8 Prozent leicht zu. Der 80-jährige Milliardär Frank Stronach holte mit seiner neuen Partei 9,8 Prozent.

Der erstmals angetretene Gründer des Autoteilezulieferers Magna kam mit seinem „Team Stronach“ aus dem Stand in beiden Ländern auf um die 10 Prozent und ist damit in beiden Landtagen vertreten. Mit der Beteuerung von Wirtschaftskompetenz und Werten wie Ehrlichkeit sowie Euro-Skepsis zog er vor allem Protestwähler an. Stronach selbst will aber nicht als Abgeordneter im Parlament sitzen.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) betonte, er fürchte nach dem Ergebnis die Konkurrenz von Stronach bei der Bundeswahl im Herbst nicht. „Es ist für mich niemand, der die Zukunft Österreichs gestalten sollte.“ Stronach hatte immer wieder mit sehr emotionalen Interviews und teils widersprüchlichen Aussagen für Aufsehen gesorgt.

In Kärnten setzten die Wähler mit einer Wahlbeteiligung von 71,4 Prozent nach 14 Jahren unter rechtspopulistischer Regierung ein klares Zeichen für einen Wechsel: Nach einem Plus von 8,4 Punkten wird die SPÖ mit 37,14 Prozent den künftigen Landeshauptmann stellen. Auf Platz zwei liegt mit 17,1 Prozent die FPK. Die ÖVP fiel um 2,6 Punkte auf 14,2 Prozent zurück. Die Grünen verbesserten sich um 6,7 Punkte auf 11,8 Prozent, Stronach holte 11,3. Die FPK-Abspaltpartei BZÖ kommt mit 6,5 Prozent knapp in den Landtag.

Bereits am Wahlabend zeichnete sich in Kärnten eine mögliche Rot-Schwarz-Grüne Koalition unter dem neuen SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser ab. Der eher zurückhaltend auftretende 54-jährige Klagenfurter kündigte an, mit allen Parteien Gespräche führen zu wollen. Ein Bündnis mit der FPK schloss er allerdings aus. „Es war für mich in dem Ausmaß schon eine positive Überraschung“, sagte er zu seinem Sieg. Als vorrangige Themen für Kärnten nannte Kaiser Abwanderung, Armut und Arbeitslosigkeit.

In beiden Ländern wird die Regierung - anders als in Deutschland - nach dem Proporzsystem gebildet. Das bedeutet, dass Parteien ab einer bestimmten Zustimmung Anspruch auf einen Ministerposten haben. In Kärnten erhält die SPÖ den Berechnungen nach drei Regierungssitze; FPK, ÖVP, Grüne und Stronach erhalten je einen. In Niederösterreich hat die ÖVP 6 Ministerposten, die SPÖ zwei und Stronach holt sich den bisherigen Sitz der FPÖ.

dpa

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