Republikaner in Not, Obama im Aufschwung

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Barack Obama kann auf einen erneuten Wahlerfolg hoffen.

Washington - Erstmals seit langem erholen sich Barack Obamas Popularitätswerte. Die Republikaner dagegen haben sich beim Finanzgeschacher ins Abseits gestellt. Im Wahlkampf scheint plötzlich wieder alles offen.

So lässig, so locker hat sich Barack Obama schon lange nicht mehr gezeigt. Ohne Jacket und mit TV-Kameras im Schlepptau zieht er los zum Weihnachts-Shopping. Ein paar Videospiele für die Töchter Sasha und Malia, ein paar Witzchen fürs Fernsehen mit strahlendem Lächeln - das ist fast der alte Obama.

Obama als Hoffnungsträger

Friedensnobelpreis: Obama als Hoffnungsträger

Der charismatische Barack Obama. Er schenkt der Welt neue Hoffnung auf dauerhaften Frieden. Auch wenn er bis jetzt noch nicht alle Ziele erreicht hat, setzten Menschen aus aller Welt auf ihn. © DPA
Barack Obama ist der erste schwarze US-Präsident. Bereits seine Kandidatur um das höchste Amt im Land galt als Zeichen, dass die Rassenschranken in den Vereinigten Staaten immer niedriger werden. © DPA
In seiner bisherigen Amtszeit hat er sich vor allem für eine Welt ohne Atomwaffen stark gemacht und sich bemüht, das Verhältnis zu den Muslimen zu verbessern. © DPA
Obama wurde am 4. August 1961 als Sohn eines schwarzen kenianischen Austauschstudenten und einer weißen Amerikanerin auf Hawaii geboren. © DPA
Dort wuchs er die ersten Jahre auf. Nach der Trennung der Eltern heiratete die Mutter einen Indonesier, die Familie zog nach Jakarta, wo Obama bis 1971 auf die Schule ging. Danach wuchs er bei seinen weißen Großeltern in Hawaii auf. © DPA
Nach einem Politikstudium in New York, Sozialarbeit in Chicago und einem Jurastudium an der Eliteuniversität Harvard lehrte Obama an der Universität von Chicago Rechtswissenschaft - und bereitete sich auf seine politische Karriere vor. © DPA
1996 schaffte er den Sprung in den Senat des Bundesstaates Illinois, 2004 in den US-Senat in Washington. © DPA
Bereits im Februar 2007 kündigte Obama seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur an. Zunächst galt er als hoffnungsloser Außenseiter. © DPA
Wahlexperten waren überzeugt, dass Obama gegen die ehemalige First Lady Hillary Clinton keine Chance habe. Doch er überzeugte mit rhetorischer Brillanz, die die Menschen fesselte. Seine Botschaft war eingängig: “Hoffnung“, “Wandel“ und “Versöhnung“. © DPA
Am 20. Januar 2009 wurde Obama in Washington als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. In seiner ersten Rede schwor er seine Landsleute auf einen Neuanfang in Amerika ein und forderte „eine neue Ära“ von Verantwortung und Frieden. © DPA
Obama gilt als nachdenklicher, pragmatischer links-liberaler Politiker, der vor allen den ritualhaften Parteistreit un den Politikstil in Washington überwinden will. © DPA
Ein weiteres, wichtiges Ziel ist die Beschränkung des Einflusses der Lobbyisten und höhere Steuern für die Reichen. © DPA
Obama will die ZS-Truppen aus dem Irak zurückziehen, von den Europäern erwartet er aber ein stärkeres Engagement in Afghanistan. © DPA
Bei seinen Reden wirkt er überzeugend. © DPA
Seine charismatische Ausstrahlung fasziniert Menschen rund um den Globus. © DPA
Obama privat. Hier mit seiner Frau nach dem Essen zum 17. Hochzeitstag. © DPA
Obama spricht viel mit seinen Händen. Eine liebevolle Eigenschaft, die seine Worte oft unterstreicht. © DPA
Mit wenigen Worten bringt er die Umstände auf den Punkt. © DPA
Wenn Obama spricht ist alles still. © DPA
Er versteht es zu Reden. © DPA

Tatsächlich kann sich der US-Präsident derzeit über ein Weihnachtsgeschenk freuen, mit dem er nicht gerechnet haben dürfte. Beim Finanzgeschacher im US-Kongress hat die Opposition ein Eigentor geschossen. Ausgerechnet die Republikaner, die ansonsten stets für Steuer- und Abgabensenkungen eintreten, blockierten im Abgeordnetenhaus beinahe blindwütig einen Gesetzentwurf, der die Geldbörsen der Amerikaner beschützt.

Erst am Donnerstagabend (Ortszeit) knickten die Republikaner unter starkem Druck aus dem Weißen Haus, aus den eigenen Reihen und vor allem aus der Öffentlichkeit ein. Vor den Augen der Nation musste der Chef der Konservativen im Abgeordnetenhaus, John Boehner, eingestehen, “politisch vielleicht nicht die schlaueste Sache in der Welt“ unternommen zu haben. Hätte sich seine Partei nicht doch noch bewegt, wären für 160 Millionen Amerikaner zum 1. Januar die Sozialabgaben gestiegen. Im Durchschnitt um 1000 Dollar pro Jahr (760 Euro) - mit drohenden Negativfolgen für die dahindümpelnde US-Konjunktur.

Eine bessere Steilvorlage für Obama könnte es im Wahlkampf kaum geben. Auch die Medien sind sich einig: Die Republikaner haben einen schweren Fehler begangen. Selbst das ansonsten dem Präsidenten nicht gerade wohlgesinnte “Wall Street Journal“ sprach von einem Fiasko der Opposition und meinte, “dies könnte mit der Wiederwahl Obamas enden“. Spätestens nach diesem Editorial war innerhalb der “Grand Old Party“ Panik ausgebrochen - der Blockadekurs war nicht mehr zu halten.

In dem neuesten Streit um die Staatsfinanzen ließ Obama keine Möglichkeit aus, die Republikaner wie widerspenstige Schüler abzustrafen, die sich nicht zu benehmen wissen. Ganz staatsmännisch schrieb er ihnen noch wenige Stunden vor ihrer Aufgabe mit ernster Miene ins Stammbuch: “Dies ist kein Spiel! Genug ist genug!“. Schließlich gehe es um das Geld der kleinen Leute, die kaum mehr über die Runden kommen, um die Mittelschicht, die so sehr unter der Krise leidet.

Erstmals seit Monaten kann sich Obama, der lange von schlechten Wirtschaftsdaten und der fundamental-Opposition der Republikaner gebeutelt war, im Aufwind fühlen. Von einem “klaren Sieg“ des Präsidenten und seinen Demokraten sprach am Freitag die “New York Times“. Er habe es geschafft, das Bild von der US-Politik zu ändern: Nicht mehr ein Obama, der zu schnell nachgibt, sei das Problem in Washington, sondern die republikanischen Blockierer.

Das Wahlvolk scheint das auch so zu sehen: Immerhin 49 Prozent der Amerikaner stimmen in einer neusten Umfrage der “Washington Post“ Obamas Politik zu - der beste Wert seit März, von einem Mini-Hoch nach dem Tod von Terrorchef Osama bin Laden abgesehen. Dagegen finden lediglich 20 Prozent die Politik der Republikaner im Parlament gut.

Wichtiger noch: Die Hälfte der Amerikaner sehen den Präsidenten als “Beschützer der Mittelschicht“, nur 35 Prozent würden das den Republikanern zutrauen. “Middle class“ ist zur magischen Formel im US-Wahlkampf geworden. Zum Mittelstand zählt, wer ein eigenes Haus besitzt und die Kids aufs College schicken kann. Ob Obama oder seine möglichen Konkurrenten Mitt Romney und Newt Gingrich - kein Politiker kann ohne die Stimmen der “Otto-Normalbürger“ die Wahl gewinnen. Die Frage ist, wem sie am Ende am meisten vertrauen.

dpa

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