Wahlkampf in den USA

Republikaner besser für die Deutschen

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Mitt Romney wäre als Präsident der USA für Deutschland strategisch vermutlich besser - auch wenn der bei den Bundesbürgern weit weniger beliebt ist, als Barack Obama.

Berlin - Viele Deutsche haben in der Geschichte demokratische US-Präsidenten in ihr Herz geschlossen. Strategisch lagen sie damit aus Expertensicht nicht immer richtig.

Trotz ihrer Sympathien für die US-Demokraten haben die Deutschen aus Sicht des Bonner Politologen Thomas Speckmann bisher mehr von republikanischen Präsidenten profitiert. „Mir persönlich ist die Obama-Euphorie, die wir 2008 erlebt haben, zwar menschlich sehr verständlich gewesen nach den Bush-Jahren“, sagte Speckmann der Nachrichtenagentur dpa. Aber gerade der amtierende US-Präsident Barack Obama sei ein gutes Beispiel für einen Demokraten, der in den meisten Fällen eher nicht im Sinne Europas gehandelt habe. Speckmann lehrt am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn und hat zahlreiche Aufsätze und Artikel zur Geschichte und Politik der USA veröffentlicht.

Obama habe zum Beispiel den Einsatz von Kampfdrohnen und Spezialeinheiten gegen Terrorverdächtige massiv ausgeweitet. „Völkerrechtlich ist das hoch umstritten. Dennoch unterschreibt Obama regelmäßig die entsprechenden Tötungsbefehle.“ Hätte sein Vorgänger, der Republikaner George W. Bush, dies in einem ähnlichen Ausmaß getan, hätten ihn die meisten Deutschen vermutlich als „Schlächter im Weißen Haus“ bezeichnet, meinte Speckmann. Obama hingegen bleibe für sie trotz allem der „Charming Boy“.

US-Wahlkampf in Schnappschüssen

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Auch in der Eurokrise sei Obama gerade für Deutschland keine Hilfe: Der Demokrat fordere, die europäische Wirtschaft mit einem großen staatlichen Hilfsprogramm anzukurbeln - und dies auf Pump. „Die Mehrheit der Deutschen hält diese Politik nicht für richtig, dies schadet aber Obamas Sympathiewerten in Deutschland nur wenig.“

Republikanische US-Präsidenten hätten dagegen oft zu Unrecht einen schlechten Ruf in Deutschland: Die umstrittene, massive Aufrüstung des Republikaners Ronald Reagan habe der Sowjetunion im Rüstungswettlauf der Supermächte ökonomisch den Todesstoß versetzt, erkläre Speckmann. Reagan habe damit einen wichtigen Grundstein für die deutsche Wiedervereinigung gelegt, die dann George W. Bush senior - ebenfalls Republikaner - entscheidend unterstützt habe.

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Warum sind den meisten Europäern die Demokraten dennoch sympathischer? „Die Republikaner haben nicht selten Präsidenten gestellt, die auf viele Menschen in Europa rhetorisch aggressiv wirkten“, erklärte Speckmann. „Die Demokraten hingegen verhalten sich in ihren Sprachmustern eher wie europäische Politiker. Da die Demokraten politisch unsere Sprache zu sprechen scheinen, glauben wir, sie besser verstehen zu können als die Republikaner.“

An dieser Tatsache dürfte sich auch nach der Präsidentschaftswahl im November nichts ändern, glaubt der Politologe. „Obama ummantelt zum Beispiel seine Anti-Terror-Politik mit einer für unsere Ohren etwas bekömmlicheren Rhetorik als die Republikaner. Romney hätte hier sicherlich einen martialischeren Tonfall.“ Allerdings: „Unter den Demokraten waren und sind zwar brillante Redner, die wunderbar politische Versprechen aufbauen können, aber deren Fallhöhe dann auch enorm groß ist.“

dpa

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