Rücktritt erwartet

Revolte gegen Australiens Regierungschefin

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Julia Gillard

Sydney - Bei einer parteinternen Revolte haben die Abgeordneten der australischen Labor-Partei überraschend Premierministerin Julia Gillard (51) das Vertrauen entzogen.

Mit dem dramatischen Befreiungsschlag reagierte die Regierungspartei am Mittwoch auf die schlechten Umfragewerte vor der Wahl Anfang September. Nach der parteiinternen Niederlage wurde erwartet, dass Gillard wie zuvor angekündigt als Regierungschefin zurücktritt.

Gillards Nachfolger als Labor-Vorsitzender ist ihr Vorgänger und Dauerwidersacher Kevin Rudd (55). Er gewann die Kampfabstimmung mit 57 zu 45 Stimmen. Rudd könnte aus Sicht von Kommentatoren das Amt des Regierungschefs übernehmen und die Wahlen auf Anfang August vorziehen. Das fordert auch Oppositionsführer Tony Abbott: „Die Australier wollen jetzt selbst bestimmen, wer die Regierung stellt und Premierminister ist. Das geht nur mit einer Wahl.“

Der Labor-Partei, die ohnehin nur mit Unterstützung mehrerer Unabhängiger regieren kann, droht nach Umfragen der Verlust der Hälfte ihrer 71 Sitze. Nach Gillards Niederlage traten aus Protest gegen Rudds Schachzug fünf Minister zurück. Gillard hatte vor der Kampfabstimmung angekündigt, sie werde sich bei einer Niederlage aus der Politik zurückziehen.

Gillard führte als erste Frau die Regierungsgeschäfte in Australien. Sie war nie beliebt. Konservative Wähler stießen sich daran, dass sie mit ihrem Partner ohne Trauschein zusammenlebt und sich offen als Atheistin bekennt. Ein Grund für die schlechten Umfragewerte war auch, dass die Partei den Eindruck erweckte, sich auf interne Grabenkämfe und nicht die Politik zum Wohl des Landes zu konzentrieren.

Kevin Rudd hat die Menschen im Land mehr mitgerissen. Der Ex-Diplomat mit fließendem Mandarin gibt sich volksnah. Er wude 2006 Parteichef und machte die Labor-Partei nach elf Jahren in der Opposition wieder mehrheitsfähig. Er gewann die Wahlen 2007 haushoch. Keine drei Jahre später wurde er in einer parteiinternen Revolte gestürzt: von Julia Gillard.

dpa

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