Romneys Steuersatz sorgt für Erstaunen

+
Mitt Romneys Steuersatz soll bei von rund 14 Prozent liegen.

Washington - Lange hat er sich gesträubt, seine Steuererklärung öffentlich zu machen. Jetzt wagt Mitt Romney im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur doch den delikaten Schritt - und sorgte für massives Erstaunen.

Amerikas Reiche werden immer reicher, während die Mittelschicht zwischen Maui und Manhattan wirtschaftlich einfach nicht vom Fleck kommt: Die wachsende Ungleichheit in der US-Gesellschaft ist eines der Reizthemen des Wahlkampfs - kein Wunder, dass Mitt Romney als einer der Favoriten im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur sich lange sträubte, seine Steuererklärung zu präsentieren. Am Ende tat er es doch - und legte unfreiwillig ein Paradebeispiel für allfällige Ungerechtigkeit vor.

Für sein Einkommen von fast 22 Millionen Dollar (17 Millionen Euro) im Jahr 2010 zahlte er Medienberichten zufolge gerade einmal 3 Millionen Dollar (2,3 Millionen Euro) an den Fiskus - ein Steuersatz von rund 14 Prozent. Die Zahlen stammen aus einem Steuervergleich, den die “New York Times“ am Dienstag aufstellte.

Die Republikaner suchen den Super-Kandidaten

Die Republikaner suchen den Super-Kandidaten

Mitt Romney gilt als Favorit für die Präsidentschaftskandidatur © dpa
Nur noch vier Politiker wetteifern darum, bei der Präsidentschaftswahl am 6. November gegen den demokratischen Amtsinhaber Barack Obama anzutreten, Mitt Romney eingeschlossen. © dpa
Mitt Romney (64) gilt wegen seines Sachverstandes in Sachen Wirtschaft und Finanzen als gefährlichster möglicher Gegner von Präsident Obama. © dapd
Romneys schärfster Konkurrent ist der für seine nicht immer parteikonformen Ansichten bekannte Kongressabgeordnete Ron Paul (76). © dapd
Ron Paul präsentiert sich als echte Alternative zu seinen Konkurrenten. Die libertären Positionen des Frauenarztes aus Texas klingen teilweise bizarr: Er ist gegen den Wohlfahrtsstaat, in der Finanzpolitik will er zurück zum Goldstandard - und die mächtige US-Notenbank soll abgeschafft werden. © dpa
Sein Credo: Der Staat bedroht die Freiheiten der Bürger, daher solle die Macht des Staates konsequent beschränkt werden. Paul lehnt viele Sicherheitsmaßnahmen gegen Terrorismus ab. Die Regierung fache die Ängste an, „so dass es Kriegsrecht geben kann“. © dpa
Auch Rick Santorum macht sich Hoffnungen, gegen Barack Obama antreten zu dürfen. © dpa
Rick Santorum, ehemaliger Senator aus Pennsylvania, steht mit seiner klaren Ablehnung des Rechts auf Abtreibung für die christlichen Konservativen. © dpa
Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich (68) mit seiner Frau Callista, wirft seinen Hut ebenfalls in den Ring. Gingrich ist immer wieder für Überraschungen gut, mit denen er selbst im eigenen Lager Kopfschütteln auslöst. © dpa
So bezeichnete der gelernte Historiker, der seine akademischen Weihen gern selbst betont, die Palästinenser jüngst als „erfundenes“ Volk. Überhaupt sei er bereit, Wahrheiten zu sagen, die sonst niemand auszusprechen wage. © dpa
Die US-Grenze zu Mexiko will er von Drohnen und Zehntausenden Soldaten überwachen lassen. US-Soldaten sollten länger in Afghanistan bleiben - und dort härter vorgehen. © dpa
Rick Perry (61) ging als Senkrechtstarter ins Rennen, stürzte dann aber tief. Der Gouverneur aus Texas zog seine Kandidatur überraschend zurück. © dapd
Er ist für die Todesstrafe (in keinem Staat gibt es mehr Hinrichtungen als in Texas) und für das Recht auf Waffentragen (er hat selbst beim Joggen eine dabei). © dapd
Perrys schwacher Punkt: Bei Debatten kommt er ins Schwimmen. Er will künftig seinen bisherigen Konkurrenten Newt Gingrich unterstützen. © dpa
Auch Michele Bachmann (55) hat ihre Kandidatur zurückgezogen. Sie gilt als die neue Ikone der strikt-konservativen Tea-Party-Bewegung. Die populistische Kongressabgeordnete aus Minnesota nennt sich selbst „konsequente Konservative“: © dpa
Sie ist radikale Abtreibungsgegnerin, lehnt Homo-Ehen ab und steht der wissenschaftlichen Evolutionstheorie kritisch gegenüber. Religion sollte im öffentlichen Leben stärker betont werden. © dpa
Innenpolitisch kämpft sie gegen „Big Government“, für niedrigere Steuern und tritt für eine kompromisslose Linie gegen illegale Einwanderer ein. So will sie einen undurchdringlichen Grenzzaun zu Mexiko. © dpa
Der Diplomat und frühere Gouverneur von Utah, Jon Huntsman, war bereits zuvor aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner ausgestiegen. © dpa
Huntsman will künftig Mitt Romney bei dessen Bewerbung unterstützen. © dapd
Der zeitweise zu den Favoriten gezählte Geschäftsmann Herman Cain stolperte über Skandale und Patzer und warf das Handtuch. © dpa

Der Grund: Romneys Einkommen stammt laut “Washington Post“ komplett aus Investments, Dividenden und Zinseinkünften. Und die werden deutlich geringer besteuert als Arbeitslohn, nämlich mit 15 Prozent. Der US-Spitzensteuersatz liegt unterdessen bei 35 Prozent.

Zum Vergleich: Präsident Barack Obama zahlte laut “New York Times“ fast 27 Prozent Steuern, Romneys schärfster Konkurrent im Rennen um die Kandidatur, Newt Gingrich, sogar mehr als 32 Prozent.

Für Obamas Gesamteinkommen von 1,7 Millionen Dollar (1,3 Millionen Euro) seien 460 000 Dollar (355 000 Euro) Steuern fällig geworden. Denn fast 400 000 Dollar (308 000 Euro) seines Einkommens seien Lohn gewesen - das Präsidentengehalt. Gingrich zahlte laut “New York Times“ von seinen 3 Millionen Dollar (2,3 Millionen Euro) Gesamteinkommen eine Million Dollar (770 000 Euro) Steuern, weil er 450 000 Dollar (347 000 Euro) Lohneinnahmen hatte.

Erst im November hatte Obama die Republikaner mit Plänen für eine Reichensteuer herausgefordert und verärgert. Bürger mit einem Jahreseinkommen von mehr als einer Million Dollar (770 000 Euro) sollen demnach einen Mindestsatz von 30 Prozent zahlen. Ein Viertel aller US-Millionäre zahle niedrigere Steuersätze als Millionen Bürger in der Mittelschicht, kritisierte er.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neue Corona-Regel: RKI verkürzt Genesenen-Status
POLITIK
Neue Corona-Regel: RKI verkürzt Genesenen-Status
Neue Corona-Regel: RKI verkürzt Genesenen-Status
Corona-Tests bald radikal beschränkt? Gesundheitsminister diskutieren neue Strategie - Entwurf sickert durch
POLITIK
Corona-Tests bald radikal beschränkt? Gesundheitsminister diskutieren neue Strategie - Entwurf sickert durch
Corona-Tests bald radikal beschränkt? Gesundheitsminister diskutieren neue Strategie - Entwurf sickert durch
Trump-Chaos: Beraterin enthüllt irre Details aus Zeit als US-Präsident - „Ohne Witz“
POLITIK
Trump-Chaos: Beraterin enthüllt irre Details aus Zeit als US-Präsident - „Ohne Witz“
Trump-Chaos: Beraterin enthüllt irre Details aus Zeit als US-Präsident - „Ohne Witz“
Corona: Gesundheitsminister diskutieren Änderung der Teststrategie – das ist geplant
POLITIK
Corona: Gesundheitsminister diskutieren Änderung der Teststrategie – das ist geplant
Corona: Gesundheitsminister diskutieren Änderung der Teststrategie – das ist geplant

Kommentare