Unionspolitiker fordern Rückkehr von zu Guttenberg

Berlin - Nach dem Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg wegen der Plagiatsaffäre mehren sich Stimmen, die auf sein baldiges Comeback hoffen. Außerdem will die CSU-Spitze den ehemaligen Verteidigungsminister vom Mandatsverzicht abhalten.

Auch nach seinem Rücktritt sorgt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg für Zwietracht. Während SPD-Chef Sigmar Gabriel Guttenberg vorwarf, die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit enttäuscht zu haben, forderten Unions-Politiker keine 24 Stunden nach Guttenbergs Rücktrittserklärung vom Dienstagmorgen bereits das Comeback des CSU-Politikers. Dagegen reagierte die Wissenschaft erleichtert auf Guttenbergs Demission.

"Copy, paste, delete": Das schreibt die Presse über Guttenberg

Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
Das “Wall Street Journal“ schreibt: “Guttenbergs Rücktritt bedeutet ernsthaften Ärger für Merkel, deren Partei von Guttenbergs Popularität unter den deutschen Wählern profitiert hat. © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
Ihre Christdemokraten stehen am 27. März vor schweren Wahlen in Baden-Württemberg und Guttenberg, Mitglied der verbündeten Christsozialen im benachbarten Bayern, war ein wichtiger Aktivposten.“ © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
Ähnlich sieht es die “New York Times“: “Sein Rücktritt ist ein herber Rückschlag für Kanzlerin Angela Merkel, für die Guttenberg in sechs wichtigen Regionalwahlen eine tragende Rolle spielen sollte. © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
Angesichts der vernichtenden Niederlage der Christdemokraten bei der Wahl in Hamburg vor zehn Tagen verließ sich die Partei darauf, dass Guttenberg Wahlkampf macht, sobald sich der Skandal einmal beruhigt hat.“ © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
Aus “NZZ-Online“: “Der Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenbergs ist richtig, doch er kommt viel zu spät. Jetzt muss er nicht nur die Notbremse ziehen, sondern den Rückwärtsgang einlegen. © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
Indem er aber auf Feld Eins zurückkehrt, tut er sich und Deutschland den größten Gefallen.“ © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
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Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
“Daily Mail“: “Dr Googleberg tritt als Verteidigungsminister zurück.“ © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
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Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
“Der kampfbereite einstige 'golden boy' der konservativen Politik legte heute Morgen sein Amt nieder.“ © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
“The Daily Telegraph“: “Die Deutschen haben Recht, wenn sie die akademischen Ehren ernst nehmen.“ “Die Nachricht des Rücktritts ist zu begrüßen.“ © dpa
"Dernières Nouvelles d'Alsace": “Ein Minister, der zurücktritt: Diesmal handelt es sich nicht um Frankreich, sondern um Deutschland, wo eine Doktorarbeit, die bis zu 70 Prozent aus Plagiaten bestehen soll, dem aufsteigenden Stern am politischen Himmel, Karl-Theodor zu Guttenberg, seinen Posten und womöglich seine Karriere kostet. © dpa
Der Fall von “KT“ sorgt für gewisse Zufriedenheit und sogar Schadenfreude, auch in seinen eigenen Reihen! (...) © dpa
Die "Neue Zürcher Zeitung" titelt "Ende Gutt, alles gut?" und schreibt: © dpa
“Vielleicht liegt die tiefere Tragik des Falles Guttenberg, der die deutschsprachige Öffentlichkeit seit zwei Wochen in Atem gehalten hat, darin, dass man erst jetzt, nach dem Rücktritt des deutschen Verteidigungsministers, auch so etwas wie Respekt für die Hauptperson empfinden kann. (...) © dpa
"La Repubblica" bemängelt: “Es treten immer die Minister der anderen zurück. Als erstes denkt ein anständiger Italiener jetzt dieses: Liebe deutsche Freunde, gebt uns euren (Ex-)Verteidigungsminister, der abgeschrieben hat, und nehmt euch dafür unseren (Verteidigungsminister) Ignazio La Russa, der nicht abschreibt. © dpa
"Copy, paste, delete": So titelt die "Basler Zeitung und meint: “Der Rücktritt von Verteidigungsminister Guttenberg in der Copy- Paste-Affäre ist der Sturz eines jugendlichen Helden. (...) Der Rücktritt ist ferner das Märchen eines adeligen Schönlings, der finsteren Mächten und bösen Neidern zum Opfer fällt." © dpa
Für "nicht abgeschrieben" hält die russische Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" zu Guttenberg: © dpa
(...) "Letztenendes war die politische Karriere von Karl-Theodor zu Guttenberg eine Fehlzündung. Doch er ist erst 39 Jahre alt, und der Baron ist in konservativen Kreisen nicht abgeschrieben, nicht nur in seinem Heimatland Bayern.“ © dpa
Die Turiner Tageszeitung “La Stampa“ meint am Mittwoch zum Rücktritt: “In Deutschland kann kein Minister ungestraft lügen, auch nicht in einer (scheinbar) privaten Frage. © dpa
Dabei hat Kanzlerin Angela Merkel im Zuge dieser ganzen Sache keine “bella figura“ gemacht. Durchgesetzt hat sich vielmehr der Protest eines wesentlichen Teils der Zivilgesellschaft und der Medien. Die Regierung scheint erschüttert, steckt das aber ein: So funktioniert eine Demokratie.“ © dpa

Der Minister hatte wegen der offensichtlichen Plagiate in seiner Doktorarbeit seinen Rücktritt erklärt und will nach Zeitungsberichten auch auf sein Bundestagsmandat verzichten. 

Guttenberg will nicht nur seine politischen Ämter, sondern auch sein Bundestagsmandat zurückgeben. Er habe Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bereits eine entsprechende Erklärung übermittelt, hieß es am Dienstagabend in Parteikreisen. Für die CSU würde dies wahrscheinlich den Verlust des Sitzes bedeuten, da Guttenberg Direktkandidat ist und die CSU mehrere Überhangmandate im Bundestag hat.

SPD dankt Guttenberg-Kritikern in der Union

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Die Rücktrittserklärung Guttenbergs im Wortlaut

Gabriel begrüßt Rücktritt und attackiert Merkel

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Gabriel lobte die Kritik aus der Union an Guttenberg. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe so getan, als sei es für ein politisches Amt ohne Bedeutung, wenn ein Minister für seine Doktorarbeit geistiges Eigentum stehle. Man müsse sich bei den CDU-Politikern bedanken, die nicht zugelassen hätten, dass dieses unwürdige Spiel weitergeht. Politiker wie Kurt Biedenkopf, Wolfgang Böhmer oder Annette Schavan hatten Guttenberg öffentlich kritisiert. Gabriel sagte, es gebe eine Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit und Geradlinigkeit in der Politik. Viele hätten diese Sehnsucht auf Guttenberg projiziert. “Sie alle hat er enttäuscht, weil er offensichtlich gelogen hat und noch nicht einmal den Mut hatte, das wirklich einzugestehen“, sagte Gabriel. “Er hat sich eine Rolle zurechtgelegt, die er nicht ausfüllen konnte.“ 

CSU hofft auch baldige Rückkehr

Karl-Theodor zu Guttenberg bei seiner Rücktrittserklärung.

Der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), sagte zu Guttenberg: “Ich hoffe, dass er uns als Politiker erhalten bleibt und die Rückkehr so bald wie möglich stattfinden kann.“ Die politische Klasse in Deutschland habe nicht so viele Talente, als dass man auf Guttenberg verzichten könne. “Es gab Fälle, in denen sehr viel mehr kriminelle Energie bei Politikern vorhanden war, die dann zurückgekehrt sind, als bei Guttenberg“, sagte Uhl.

Guttenberg: Aufstieg und Fall einer Lichtgestalt

Die Karriere von Karl-Theodor zu Guttenberg kannte bisher nur einen Weg: nach oben. © dpa
CSU-Parteichef Horst Seehofer beförderte den bis dato eher unbekannten Bundestagsabgeordneten, der sich in der Außenpolitik und den Beziehungen zu den USA einen Namen machte, 2008 zunächst zum Generalsekretär der Christsozialen. © dpa
Dann wurde Guttenberg 2009 überraschend Nachfolger des amtsmüden Bundeswirtschaftsministers Michael Glos (CSU). © dpa
Zu Beginn seiner Ministerzeit in Berlin überzeugte der 39-jährige Freiherr aus dem Fränkischen besonders mit seinen rhetorischen Fähigkeiten. © dpa
Schnell stieg er in Umfragen zu einem der beliebtesten Politiker Deutschlands auf. Zusammen mit seiner Ehefrau Stephanie wurde er zum Polit-Glamour-Star der Boulevardpresse. © dpa
Ob im Bundestag oder vor Wirtschaftsvertretern in New York: Sein Deutsch und sein Englisch sind perfekt, seine Antworten scheinen immer wohlüberlegt. © dpa
Stets trat der zweifache Familienvater jung, dynamisch, korrekt gekleidet und frisch frisiert auf. © dpa
Guttenberg entstammt einem altem christsozialen Adel. Er ist der Spross eines Geschlechts oberfränkischer Großgrundbesitzer - aus dem gleichnamigen Ort Guttenberg. © dpa
Schon sein Großvater war CSU-Politiker. Nur der Vater Enoch schlug aus der Art - er wurde lieber Dirigent. © dpa
Zu einem Schlüsselereignis wurde der Fall Opel. Als im Kanzleramt um Staatshilfen für den Autobauer gerungen wurde, drohte der frisch gekürte Wirtschaftsminister mit Rücktritt. © dpa
Das verschaffte ihm öffentlich das Image des Querdenkers, der für seine Überzeugungen eintritt. © dpa
Nach der Bundestagswahl 2009 wechselte Guttenberg, der seinen Wehrdienst bei den Gebirgsjägern absolviert hatte, ins Verteidigungsministerium. © dpa
Die Soldaten liebten seine direkte Art. © dpa
Mit Fotos in Cargohosen und mit cooler Sonnenbrille lieferte Guttenberg Titelbilder von seinen Besuchen der Bundeswehr in Afghanistan. © dpa
Guttenbergs weiterer Aufstieg schien unaufhaltsam zu sein. Er wurde als künftiger CSU-Parteichef und möglicher Kanzlerkandidat gehandelt. © dpa
Dann kam wie aus dem Nichts die Affäre um seine Doktorarbeit. © dpa
Der sonst so selbstsichere Freiherr geriet ins Straucheln... © dpa
... und warf mit seinem Krisenmanagement immer neue Fragen auf. © dpa
Anfangs sprach Guttenberg von abstrusen Vorwürfen, dann räumte er Fehler ein und verzichtete vorübergehend auf den Titel. © dpa
Schließlich versuchte er den Befreiungsschlag und bat die Uni Bayreuth um die Rücknahme seines Jura-Doktortitels... © dpa
... für den er einst die Bestnote summa cum laude erhalten hatte. © dpa
Doch der Druck war angesichts immer neuer Fundstellen von kopierten Fremdtexten zu groß: Am 1. März folgte der Rücktritt. © dpa

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer (CDU), sagte, Guttenberg habe in kurzer und schwieriger Zeit zwei Ministerien überaus erfolgreich geführt und dabei große Verdienste in und für Deutschland erreicht. “In einer offenen Gesellschaft hat jeder eine zweite Chance verdient“, sagte Pfeiffer.

Der Generalsekretär der baden-württembergischen CDU, Thomas Strobl, sagte: “Man soll doch niemals nie sagen! Dafür gibt es eine hinreichende Anzahl von Beispielen.“ Guttenberg sei ein außerordentlich beliebter und begabter Politiker. 

Uni Bayreuth sieht sich nicht mehr so stark unter Druck

Dagegen sagte der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen: “Es wäre schlimm gewesen, wenn sich der Eindruck verfestigt hätte, dass es in der Wissenschaft mit Lug und Trug zugeht und dass dies ohne weitere Konsequenzen für die berufliche Laufbahn bleibt.“ Kempen beklagte, dass das systematische Abschreiben für die Doktorarbeit in der öffentlichen Debatte auf eine Ebene mit Lausbubenstreichen gestellt worden sei.

Der Präsident der Universität Bayreuth, Rüdiger Bormann, sagte, der Rücktritt Guttenbergs nehme einigen Druck von der Universität und der Kommission zur wissenschaftlichen Selbstkontrolle. “Wir müssen die Fakten, die im Internet veröffentlicht und uns von anderer Seite zugetragen wurden jetzt detailliert prüfen und aufarbeiten“, sagte Bormann. Dieser Prozess werde noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Bormann sagte, ihm sei bewusst, dass das Ergebnis der Prüfung auch für die Staatsanwaltschaft von Interesse sein wird. Die Universität erwarte, dass Guttenberg seine Ankündigung wahr mache, er wolle sich an der Aufklärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe beteiligen.

Das sagt der Auslöser der Plagiatsaffäre

Der Auslöser der Plagiatsaffäre, der Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano, wollte Guttenbergs Rücktritt nicht bewerten. “Mir ging es immer darum, dass an Guttenberg die selben wissenschaftlichen Maßstäbe angelegt werden wie bei anderen Forschern auch. Und das musste den Verlust seines Doktortitels zur Folge haben“, sagte Fischer-Lescano. Er hatte die ersten abgeschriebenen Textstellen in Guttenbergs Doktorarbeit entdeckt und das Werk als “dreistes Plagiat“ kritisiert. Guttenbergs Rücktritt forderte Fischer-Lescano aber nie. “Ich habe Guttenberg immer aus der Perspektive kritischer Rechtswissenschaft betrachtet. Die politischen Schlussfolgerungen müssen andere ziehen“, fügte er hinzu.

dapd/dpa

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