Rücktritt von Horst Köhler: Das sagt die Presse

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Das sagt die Presse.

Berlin - Der Rücktritt von Horst Köhler schockt Deutschland. Die Presse ist bei der Bewertung seiner Amtszeit unterschiedlicher Meinung. Ein Blatt bezeichnete ihn gar als einen der schwächsten Bundespräsidenten.

"Münchner Merkur"

Auch ein Bundespräsident muss Kritik ertragen können. Erst recht, wenn man sich als „Bürgerpräsident“ in die Tagespolitik einmischt, wie es Köhler wieder und wieder mit erkennbarer Genugtuung getan hat, die bisweilen die Grenze zur Wichtigtuerei berührte. Am Ende entsprang Köhlers Wunsch, aus dem hohen Amt zu fliehen, wohl eher der Furcht, ihm nicht gerecht werden zu können.

"Märkische Oderzeitung"

Horst Köhler war einer der schwächsten Bundespräsidenten. Manche populistische Äußerung verhalf ihm zu vordergründiger Beliebtheit, aber Spuren hat er nicht hinterlassen. Seine Präsidentschaft war das erste Projekt von Angela Merkel und Guido Westerwelle in Oppositionszeiten, wie ein Menetekel kracht es ihnen gerade jetzt vor die Füße.

"Lübecker Nachrichten"

 Die Kluft zwischen Kanzleramt und Schloss Bellevue ist zuletzt immer größer geworden. Köhler war über den holprigen Start der bürgerlichen Koalition höchst verärgert und er hat in dieser Frage aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht. Auch vorher schon war er kein Abnicker von politischen Entscheidungen, kein Unterschriften leistender Präsidenten-Automat, sondern immer ein wacher, kritischer Geist. Der Rücktritt Köhlers ist nach dem angekündigten Rückzug von Roland Koch vor einer Woche ein weiterer herber Verlust für die Kanzlerin.

"The European"

Das ist der Beginn des Endes von Angela Merkel: Die Bundeskanzlerin wird nun einem innerparteilichen Fanal ausgesetzt sein. Sie hat den Bundespräsidenten am Wochenende, als seine Aussage zum Einsatz der Bundeswehr in der Kritik stand, nicht unterstützt. Sie kommentiere die Aussagen Köhlers nicht weiter, ließ sie verlauten. Horst Köhler war auf Betreiben Frau Merkels und Herrn Westerwelle 2004 zum Bundespräsidenten gewählt worden. Schutzlos war der Bundespräsident, der seit seinem Amtsantritt der politischen Klasse, auch den Parteien, die ihn ins Amt gehoben hatten, auf die Füsse getreten war. Jeder durfte ihn mal kritisieren.

"Eßlinger Zeitung"

Vor einem Scherbenhaufen steht die Bundeskanzlerin: Den Querelen, Unsicherheiten und Wendemanövern der Monate seit der Bundestagswahl ist mit dem Abgang des Staatsoberhaupts die Krone aufgesetzt. Merkels Widersacher wittern nicht erst seit der Wahl in Nordrhein-Westfalen und der Rücktrittsankündigung Kochs Morgenluft. Neben der Frage, wer Präsident wird, gewinnt die Frage, ob sich die Kanzlerin halten kann, immer mehr an Bedeutung.

"Ostsee-Zeitung"

Deutschland erlebt ein Wechselbad der Gefühle: Gerade noch in der Lena-Euphorie ist das Land nun entsetzt und ratlos über den unerwarteten Rücktritt des Bundespräsidenten Horst Köhler. Denn der Mann war im wahrsten Sinne des Wortes ein Bürgerpräsident, einer zum Anfassen, einer, der sich auch mal mit der politischen Klasse anlegte, der die Auswüchse des weltweiten Finanzkapitalismus als Monster geißelte.

"Mittelbayerische Zeitung"

Das Scheitern von Köhler ist auch eine Niederlage für Merkel und Westerwelle. Sie regieren heute und werden von ihrem damaligen Ränkespiel in einem denkbar ungünstigen Moment wieder eingeholt.

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