Sparpaket ist Griechenland zu drastisch

Samaras: Zwei Jahre mehr Zeit zum Sparen

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Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras

Athen - Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras will für sein Land zwei Jahre mehr Zeit zum Sparen herausschlagen. Beim Institut der deutschen Wirtschaft stößt er damit auf Verständnis.

Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras hat um zwei Jahre Aufschub bei den drastischen Sparauflagen für sein pleitebedrohtes Land gebeten. Das rund 11,5 Milliarden Euro schwere Sparprogramm könne leichter „geschluckt werden“, wenn es auf vier statt bislang zwei Jahre angelegt werde, sagte Samaras der „Washington Post“ vom Samstag. „Wir sprechen von einer Streckung bis 2016.“

Beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) stößt Samaras auf Verständnis. Die Aufgabe, vor der Griechenland stehe, brauche ein Jahrzehnt, sagte der Chef des arbeitgebernahen Instituts, Michael Hüther, der „Wirtschaftswoche“. „Das hat man bei der Transformation osteuropäischer Länder gesehen. Im Grunde geht es hier um einen ähnlichen Entwicklungsprozess.“

Vergleichbar mit 180-Milliarden-Euro-Sparpaket in Deutschland

Die Sparziele für Griechenland seien riesig, sagte Hüther. „Minus 17 Prozent bei den Primärausgaben sind nicht ohne - das entspräche bei uns Einsparungen von 180 Milliarden Euro. Jetzt kommen nochmals 11,5 Milliarden Einsparungen dazu.“ Allerdings brachte Hüther im Gegenzug zu zeitlichen Zugeständnissen eine intensivere Aufsicht Athens ins Gespräch. Dabei würden EU-Beamte permanent in Athen die Regierung überwachen und für die Durchsetzung von Sparbeschlüssen sorgen.

Griechenland hängt seit mehr als zwei Jahren am internationalen Finanztropf und hat schon zwei Hilfsprogramme zugesagt bekommen. Die im Gegenzug verlangten Einsparungen verschärfen die jahrelange Rezession und sorgen im Land für wachsenden Widerstand. Das jüngste Sparpaket ist auch innerhalb der Regierungskoalition umstritten und deswegen immer noch nicht in Kraft.

Griechen müssen mehr als einen Monat auf Hilfszahlungen warten

Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker hatte die Griechen deswegen am Freitag beim Finanzministertreffen im zyprischen Nikosia mit ermahnt, sich „so schnell wie möglich“ zu einigen. Die Verabschiedung des Sparpakets ist Voraussetzung für ein positives Zeugnis durch die Geldgeber-„Troika“, das wiederum für die Freigabe der nächsten Hilfszahlung erforderlich ist.

Auf neue Hilfskredite werden die Griechen laut Juncker noch mehr als einen Monat warten müssen. Die Europartner und der Internationale Währungsfonds (IWF) denken indes inzwischen selbst über eine Streckung der Sparziele nach. Damit würden sie dem Wunsch von Samaras entgegenkommen.

dpa

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