Sarrazin vergleicht Merkel mit Honecker

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Sarrazin hat Kanzlerin Merkel mit Erich Honecker verglichen.

Berlin - Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin reiht sich in die Schar der Euro-Kritiker ein und greift Bundeskanzlerin Angela Merkel frontal an.

Sein neues Buch, das am Dienstag erscheint, trägt den Titel: “Europa braucht den Euro nicht.“ Mit dieser These stellt sich der frühere Berliner SPD-Finanzsenator ausdrücklich gegen Merkels Aussage: “Scheitert der Euro, dann scheitert Europa.“ In seinem 464-Seiten-Buch konstruiert der Autor zudem einen Zusammenhang zwischen dem Holocaust und der Euro-Krise.

Das Dilemma Deutschlands sei “das anhaltende Gefangensein in der Schuld der Nachkriegszeit“, behauptet Sarrazin. Ohne die “moralische Last der Nazi-Zeit“ sei die “in Deutschland seit sechs Jahrzehnten besonders ausgeprägte Begeisterung für Europa“ nicht zu erklären. Das deutsche Schuldbewusstsein dürfe aber nicht Entscheidungen prägen, “die besser auf der Grundlage ökonomischer Vernunft und sorgfältiger Interessenabwägung getroffen würden“.

Sarrazin attackiert zudem die Befürworter von gemeinsamen europäischen Staatsanleihen aus SPD, Grünen und Linkspartei. Sie seien “getrieben von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben“.

“Wunschdenken vieler Politiker“

Indirekt vergleicht Sarrazin Kanzlerin Merkel mit dem früheren DDR-Partei- und Staatschef Erich Honecker: “Diejenigen, die jede Diskussion um den Euro oder einen Austritt Griechenlands mit einem 'Scheitern Europas' in Verbindung bringen, argumentieren letztlich wie Erich Honecker, der kurz vor dem Fall der Mauer sagte: 'Vorwärts immer, rückwärts nimmer'“.

Das “Wunschdenken vieler Politiker“ habe die Europäische Union in die Euro-Krise geführt. “Deutschland hat sich in die Lage gebracht, zu hohen Kosten und mit wachsenden Risiken eine gemeinsame Währung zu verteidigen, die selbst dann, wenn sie funktioniert, dauerhaft weder Wohlstand noch Beschäftigung erhöht“, schreibt Sarrazin.

“Wette auf Kosten deutscher Interessen“

Der frühere CDU-Kanzler Helmut Kohl habe sich mit dem Euro auf eine “unklare Wette auf Kosten deutscher Interessen“ eingelassen. “Mit der Vorleistung der gemeinsamen Währung ging die deutsche politische Klasse eine Wette darauf ein, dass die politische Union kurz danach quasi mit Naturgesetzlichkeit folgen werde, weil sonst die Währungsunion nicht stabil sei. Die Wette ist gescheitert“, argumentiert Sarrazin und macht sich dabei einen allgemein anerkannten Geburtsfehler des Euro zu nutze.

Merkel, die in die Rettung Griechenlands eingestiegen sei, “ohne einen Überblick zu haben und das Ende absehen zu können“, habe Kohls Erbe angenommen und sich als dessen “würdige politische Tochter“ erwiesen. Auch die CDU-Chefin sei “offenbar Gefangene jenes deutschen Nachkriegs-Denkstils, wonach nur ein letztendliches Aufgehen Deutschland in Europa Deutschland vor sich selbst und die Welt vor Deutschland retten könnte“.

“Zur nationalen Währung zurückkehren“

Der Euro sei von Anfang an ein politisches Projekt gewesen. Der Vertrag von Maastricht habe dann den Praxistest nicht bestanden, da sich die meisten EU-Staaten “nicht gewillt waren, sich daran zu halten“. Belegbare ökonomische Vorteile - also mehr Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung habe der Euro für Deutschland nicht gebracht, wohl aber Nachteile für die Südländer, deren Wettbewerbsfähigkeit “deutlich geschädigt“ worden sei - mit der Folge wachsender antideutscher Ressentiments.

Sarrazin vertritt schließlich die These, eine Rückabwicklung des Euro sei machbar: “Wenn ein Land unter der Disziplin der gemeinsamen Währung nicht leben kann oder will, so soll es jederzeit frei sein, zu seiner nationalen Währung zurückzukehren.“

Bereits mit seinem Buch “Deutschland schafft sich ab“ hatte Sarrazin eine heftige Debatte ausgelöst. Seine provokanten Thesen zur Integration stießen bundesweit auf Empörung, brachten das Werk aber an die Spitze der Bestsellerlisten.

dapd

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