Schiedsgericht spricht sudanesischer Regierung Ölfeld zu

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Die sudanesische Regierung bei der Verhandlung in Den Haag.

Den Haag - Im Streit um die sudanesische Region Abyei hat ein internationales Schiedsgericht der Regierung in Khartum den Zugriff auf ein reiches Ölfeld zugesprochen.

Ein sudanesischer Regierungsvertreter wertete die Entscheidung am Mittwoch als Sieg, die halbautonome Region Sudan versprach, sich an den Schiedsspruch zu halten. Das Schiedsgericht in Den Haag ließ die Nordgrenze der Region Abyei so, wie beide Konfliktparteien es in ihrem Friedensabkommen vereinbart hatten. Die Grenzen im Osten und Westen wurden dagegen neu gezogen.

Damit fällt das Heglig-Ölfeld und die Nil-Ölpipeline unter die Kontrolle von Khartum. Die Annahme des Schiedsspruches gilt als wichtiger Test für die Umsetzung des Friedensabkommens von 2005. In dem Vertrag blieb der Status von Abyei ausgeklammert, da sowohl die Regierung in Khartum als auch die damaligen Rebellen im Süden des Landes das Gebiet für sich beanspruchten.

“Wir begrüßen die Tatsache, dass die Ölfelder, besonders das von Heglig, nun von der Region Abyei herausgenommen werden“, sagte der Delegationsleiter der sudanesischen Regierung, Dirdeiri Mohamed Ahmed. Die Gegenseite, die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA), zeigte sich versöhnlich. “Die Entscheidung ist ausgewogen. Wir verpflichten uns, sie zu respektieren“, sagte der stellvertretende SPLA-Chef Riek Machar Teny der Nachrichtenagentur AP. “Es ist ein Sieg für das sudanesische Volk und für den Frieden.“

Der Leiter der UN-Delegation im Sudan, Ashraf Qazi, erklärte, die Entscheidung zeige, dass beide Seiten auch in schwierigsten Fragen eine Lösung fänden, wenn sie vertrauensvoll zusammenarbeiteten.

Erdöl und Weideland

Abyei verfügt über reiche Ölvorkommen und gutes Weideland, das von Nomaden im Nord und Süden benutzt wird. Seit dem Friedensabkommen von 2005 kam es in der Region immer wieder zu Gewaltausbrüchen. Im Mai 2008 wurden bei einer Schlacht 22 Soldaten des Nordens getötet, die Stadt Abyei ging größtenteils in Flammen auf und 50.000 Bewohner flohen. Daraufhin baten die beiden Konfliktparteien das Schiedsgericht in Den Haag, die Grenzziehung ein für allemal zu regeln.

Die Bewohner der Region Abyei sollen 2011 in einem Referendum darüber entscheiden, ob sie sich dem Norden oder dem Süden anschließen. Im gleichen Jahr gibt es zudem im Südsudan eine Volksabstimmung, ob man sich vom Sudan abspaltet. Das Heglig-Ölfeld wurde 1996 erschlossen. Betreiber ist die Greater Nile Petroleum Operating Company. Mehrheitseigner ist Sudan, weitere Anteile besitzen China, Malaysia und Indien. Nach Angaben von Experten hat die Produktion in dem Feld aber bereits ihren Zenit überschritten.

AP

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