Schrumpft Bundeswehr auf unter 150.000 Soldaten?

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Soldaten des Logistikbataillons 172 üben in Beelitz in ihrer Grundausbildung das Leben im Gelände und infanteristische Grundlagen.

Berlin - Wie viele Soldaten wird die Bundeswehr künftig haben? Laut einem Bericht prüft das Verteidigungsministerium, die Gesamtzahl unter 150.000 zu drücken. Das Ministerium spricht von Spekulation.

Das Verteidigungsministerium prüft einem Bericht zufolge eine weitere Verkleinerung der Bundeswehr auf weniger als 150 000 Soldaten. Das “Handelsblatt“ schrieb am Donnerstag, die Zahl der Berufs- und Zeitsoldaten solle auf 145 000 sinken, dazu komme eine noch unklare Zahl Freiwilliger, die unter der bisher geplanten Stärke von 15 000 liege. Das Ministerium bezeichnete den Bericht als Spekulation. Fest steht indes, dass die ersten Prämien für Freiwillige bereits von April an gezahlt werden sollen.

Der Bundestag hatte vor einer Woche die historische Aussetzung der Wehrpflicht beschlossen. Damit wird die Bundeswehr zur Freiwilligenarmee. Nach dem Kabinettsbeschluss sind bis zu 185 000 Berufs- und Zeitsoldaten vorgesehen, darunter 15 000 Freiwillige. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte am Donnerstag, diese Zahl seien nach wie vor gültig. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa aus Fraktionskreisen handelt es sich bei der Zahl von 145 000 bisher nur um einen Prüfauftrag. Derzeit sind es 228 000 Soldaten.

Soldat oder Zivi: Was die Promis machten

Bund oder Zivildienst. Diese Frage stellt sich allen jungen Männern, sobald der Musterungsbescheid ins Haus flattert. Jetzt wurden beide Dienste auf sechs Monate verkürzt. Wir zeigen, welcher Promi Soldat war und wer als Zivi diente. © dpa
Harald Schmidt leistete seinen Zivildienst im Pfarrbüro der Kirchengemeinde Nürtingen (Baden-Württemberg). Auf die Frage, warum er nicht zum Bund gegangen sei antwortete Schmidt: Weil Zivildienstleistende nicht mit der Waffe töten dürfen, versuchen sie es mit Essen auf Rädern.  © dpa
Michael "Bully" Herbig dagegen leistete seinen Werhdienst mit der Waffe in der Hand beim Bund. © dpa
Der Terminator als Zivi? Absurde Vorstellung. Deswegen diente Arnold Schwarzenegger auch als Panzerfahrer beim österreichischen Bundesheer. Für eine Bodybuilding-Meisterschaft türmte er sogar aus seiner Kaserne. © dpa
Moderator und Musiker Götz Alsmann war ebenfalls beim Bund. Seine heutige Frisur passte aber wohl nicht unter den Helm. © dpa
Tote-Hosen-Sänger Campino war dagegen Zivi. Er leistete seinen Dienst in der Rheinischen Landesklinik für Psychiatrie in Düsseldorf. © dpa
Moderator und Promi-Versteher Reinhold Beckmann war Zivi in einer Jugendbildungseinrichtung. © dpa
Entertainer Thomas Gottschalk war weder Soldat noch Zivi. Er wurde als Halbwaise ausgemustert. © dpa
Gottschalks Kollege Günther Jauch entkam dem staatlichen Zwangsdienst aus einem ganz anderen Grund: Er lebte in Berlin - die Stadt war durch das Viermächteabkommen entmilitarisiert. West-Deutsche mit Wohnsitz im Westteil Berlins wurden nicht eingezogen. © dpa
RTL-Moderator Oliver Geissen ging dagegen zum Bund und robbte mit dem Gewehr in der Hand über den Boden. © dpa
Komiker Dirk Bach leistete seinen Zivildienst in Köln. © dpa
Unser Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) diente selbstverständlich in der Bundeswehr. Er leistete seinen Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald. © dpa
Nationalspieler Lukas Podolski diente dem deutschen Staat als Zivi. Von April bis Dezember 2005 leistete Poldi seinen Zivildienst mit einer Sonderregelung für Spitzensportler von 15 Stunden pro Woche - und zwar im Olympia-Stützpunkt im heimatlichen Köln. © dpa
Auch Poldis Nationalmannschaftskollege Per Mertesacker war Zivi. Er diente in einer geschlossenen Anstalt für Geistigbehinderte. Mertesacker: "Für mich war das ein guter Ausgleich neben dem Fußball." © dpa
Der King of Rock 'n' Roll diente als G.I. für die US-Army in Deutschland. Elvis Presley leistete seinen Wehrdienst unter anderem von 1958 bis 1960 im Panzerbatallion der 3rd Armored Division in Friedberg (Hessen). © dpa
DSDS-Gewinner Alexander Klaws wurde wegen einer Wespengift-Allergie ausgemustert. © dpa
Sat1-Moderator Kai Pflaume war Soldat. Er diente in der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR. © dpa
"Isch hab' gedient", kann Hape Kerkeling sein. Und zwar als Zivi. © dpa
War ebenfalls Zivildienstleistender: Schwimmstar Paul Biedermann. © dpa
RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel kennt dagegen den Drill auf dem Kasernenhof: Er war bei der Bundeswehr. © dpa
Auch Starkoch Johann Lafer war Soldat. Er diente im österreichischen Bundesheer. © dpa
Ex-Nationalspieler Marco Bode war Zivi. Nach eigenen Angaben erfuhr er im Altenheim „wahren Wert der Gesundheit und Jugend“. © dpa
Moderator Stefan Raab leistete 1986/1987 seinen Grundwehrdienst bei der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums in Köln-Wahn ab. © dpa
Komiker Hans Werner Olm entging seiner Einberufung, indem er nach West-Berlin zog: „Ich hatte keine Lust auf Bundeswehr. Und in Berlin war man davon befreit.“ © dpa
Ex-Boxweltmeister Henry Maske war Soldat in der DDR. Er brachte es sogar zum Offizier der NVA. © dpa
Im Westen diente Moderator Jürgen von der Lippe beim Bund. Und zwar in Olivgrün. Hawaii-Hemden sind im Manöver eher unpraktisch. © dpa
Schauspieler Til Schweiger leistete kurzzeitig seinen Wehrdienst beim Bund. Dann verweigerte er den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen und wurde Zivi im Krankenhaus. © dpa
Muskelmann Ralf Möller dagegen zog seinen Wehrdienst beim Bund durch. Er berichtet: "Ich habe meinen Wehrdienst bei den Pipeline-Pionieren absolviert, von 1979 bis 1981, Bataillon 840 in Wuppertal-Elberfeld." © dpa
BAP-Sänger Wolfgang Niedecken diente als Zivi. Er wurde in der Altenbetreuung und beim Essen auf Rädern in Köln eingesetzt. © dpa
Rodel-Olympiasieger Georg Hackl war Sportsoldat bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Bischofswiesen. Er brachte es bis zum Dienstgrad eines Stabsfeldwebels. © dpa
Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) war zwar ein guter Fußballspieler und bestimmt tauglich. er wurde aber als Sohn einer Kriegerwitwe nicht eingezogen. © dpa
Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) Philipp Rösler war Sanitätsoffizier bei der Bundeswehr. © dpa
Grünen-Fraktionsvorsitzender musste nach dem Abitur zunächst zum Bund. Seine Kriegsdienstverweigerung war zunächst nicht anerkannt worden. Er klagte sich allerdings in den Zivildienst und arbeitete in einem Heim für schwer erziehbare Jungen bei Bremen. © dpa
Komiker Mike Krüger ging zum Bund. Er war Funkfernschreiber bei der Marine in Glücksburg, Flensburg sowie beim Marinefliegergeschwader 1 (MFG1) in Kropp/Jagel. © dpa
CSU-Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber sitzt auf diesem Bild zwar im Panzer. Er absolvierte seinen Grundwehrdienst aber bei der Gebirgsdivision in Mittenwald und Bad Reichenhall. © dpa
Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele diente beim Bund. Er lehnte aber die übliche Beförderung zum Gefreiten ab. © dpa
Er hatte ein Gewehr in der Hand und war ein Soldat: Komiker Bernd Stelter war in Unna-Königsborn im Nachschub-Bataillon stationiert. © dpa

Die Bundeswehrreform soll nach dem Willen von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bis Oktober festgezurrt sein. “Das Stationierungskonzept kann voraussichtlich etwa vier Monate nach den Grundlagenentscheidungen zur Neuausrichtung der Bundeswehr vorgelegt werden“, sagte ein Sprecher. Aus Koalitionskreisen hieß es, schon im Mai könne sich de Maizière zur Zahl der Soldaten äußern. Bis Juni will er die grundlegenden Festlegungen über die Truppenstärke und die Strukturen treffen.

Das Verteidigungsministerium muss bis 2015 im Zuge des Sparpakets der Regierung rund 8,3 Milliarden Euro sparen. Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte angesichts des Berichts über eine mögliche Schrumpfung auf 145 000 Berufs- und Zeitsoldaten: “Man kann die Summe von der Sparvorgabe her ableiten.“ Er warnte vor einem Kahlschlag bei der Bundeswehr. Der CDU-Verteidigungspolitiker Ernst-Reinhard Beck sagte, die Zahl von 145 000 läge weit unter dem, was benötigt werde. “Für mich wäre das nicht akzeptabel.“

Feierliches Gelöbnis vor dem Reichstag

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gibt dem ehemaligen Wehrmachtsoffizier Ewald-Heinrich von Kleist nach dessen Rede zu den Rekruten die Hand. Kleist kam in ein Konzentrationslager nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944. © dpa
Der ehemalige Wehrmachtsoffizier Ewald-Heinrich von Kleist (M), Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker (l), schreiten vor dem Reichstag in Berlin die Front der angetretenen Rekruten ab. © dpa
Soldaten marschieren am Dienstag  vor dem Reichstagsgebäude in Berlin zum feierlichen Gelöbnis auf. 66 Jahre nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 legten am Dienstagabend mehrere hundert Bundeswehrsoldaten ihr Rekrutengelöbnis ab. © dpa
Soldaten marschieren vor dem Reichstagsgebäude in Berlin zum feierlichen Gelöbnis auf. © dpa
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (r, CSU) und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker schreiten die Reihen der Soldaten ab. © dpa
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) schreitet die Reihen der Soldaten ab. © dpa
Der ehemalige Wehrmachtsoffizier Ewald-Heinrich von Kleist hält am vor dem Reichstagsgebäude in Berlin im Rahmen eines feierlichen Gelöbnisses eine Rede. Kleists Vater wurde 1945 von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Er selbst kam in ein Konzentrationslager nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, r) geben am Dienstag vor dem Reichstag in Berlin dem ehemaligen Wehrmachtsoffizier Ewald-Heinrich von Kleist nach dessen Rede zu den Rekruten die Hand. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (r, CDU), der ehemalige Wehrmachtsoffizier Ewald-Heinrich von Kleist und Frau sowie Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, l) sitzen vor dem Reichstagsgebäude zusammen. © dpa
Ewald-Heinrich von Kleist (r) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) unterhalten sich. © dpa
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hält vor dem Reichstagsgebäude eine Rede. © dpa
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (M, CSU) und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker (l) schreiten die Reihen der Soldaten ab. © dpa
Soldaten stehen vor dem Reichstagsgebäude in Berlin im Rahmen eines feierlichen Gelöbnisses bereit. © dpa
Bundeswehrsoldaten werden vor dem Reichstagsgebäude in Berlin im Rahmen eines feierlichen Gelöbnisses vereidigt. © dpa
Bundeswehrsoldaten werden vor dem Reichstagsgebäude in Berlin im Rahmen eines feierlichen Gelöbnisses vereidigt. © dpa
Rekruten leisten vor dem Reichstag in Berlin ihren Fahneneid. 66 Jahre nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 legten am Abend mehrere hundert Bundeswehrsoldaten ihr Rekrutengelöbnis ab. © dpa

Die Bundeswehr werde nicht zu einer Schrumpfarmee, sagte der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, in Kiel. Es müsse aber gelingen, genug Nachwuchs zu gewinnen. Dazu sollten nicht nur Prämien für Freiwillige und ein ordentliches Gehalt gezahlt werden, auch Unterbringung, Planungssicherheit und technische Ausstattung seien wichtig. “Die Strukturreform wird erstmal kein Sparprogramm werden. Sie wird eine Anschubfinanzierung benötigen.“

Das Verteidigungsministerium strebt eine Auszahlung der Prämien für Freiwillige ab Anfang April an. Für den Freiwilligendienst sei ab dem ersten Monat ein Zuschlag von 16,50 Euro pro Tag zum Wehrsold geplant, der sich bis zum 23. Dienstmonat auf 26,50 Euro erhöhe. Am 4. April werden 1494 Freiwillige bei der Bundeswehr antreten, teilte das Ministerium mit. Bereits seit März geht niemand mehr gegen seinen Willen zur Armee.

dpa

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