Absturz des CIA-Chefs

Eifersuchtsdrama brachte Petraeus zu Fall

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US General David H. Petraeus mit seiner Frau Holly im Jahr 2011. Damals schien noch alles in Ordnung.

Washington - Zwei Frauen, ein mächtiger Mann: Nach dem Rücktritt von Petraeus wird immer mehr darüber bekannt, wie es zum Absturz des CIA-Chefs kam. Washington ist geschockt.

Die außereheliche Affäre, die zum Rücktritt von CIA-Chef David Petraeus führte, flog anscheinend durch ein Eifersuchtsdrama auf. Nach Medienberichten begann die Bundespolizei FBI mit Untersuchungen, nachdem sich eine Frau über E-Mails mit Drohungen der Petraeus-Biografin Paula Broadwell beschwert hatte. Welche Beziehung die zweite Frau zu Petraeus hatte, war demnach zunächst unklar. Aber die beiden Frauen hätten wohl um die Gunst oder gar Zuneigung des pensionierten Vier-Sterne-Generals gewetteifert.

Der Rücktritt des CIA-Chefs am Freitag nach nur gut einem Jahr auf dem Posten hatte Washington und die Nation geschockt. Der über Parteigrenzen hinweg als Kriegsheld gefeierte Petraeus galt als ein Mann der Disziplin und Geradlinigkeit. Er war auch ein Hauptakteur der Regierung im Anti-Terror-Kampf, bei dem die CIA eine zunehmend aktive Rolle übernommen hat.

Präsident Barack Obama wurde Medienberichten zufolge am vergangenen Mittwoch über die Affäre informiert - einen Tag nach seiner Wiederwahl. Experten werten es als schweren Schlag für Obama, dass er sich ausgerechnet in dieser Phase nicht mehr auf die Erfahrung und Kenntnisse von Petraeus stützen kann. Kommissarischer Chef des Geheimdienstes ist nun Petraeus' bisheriger Stellvertreter Michael Morell.

Petraeus, früher Oberbefehlshaber im Irak und in Afghanistan, teilte in einem Schreiben an seine Mitarbeiter mit, er habe um seine Demission gebeten. „Nach über 37 Ehejahren habe ich ein extrem schlechtes Urteilsvermögen gezeigt, indem ich eine außereheliche Beziehung unterhielt“, schrieb Petraeus. „Ein solches Verhalten ist nicht zu rechtfertigen, weder als Ehemann noch als der Leiter einer Organisation wie unserer.“

Der „New York Times“ zufolge enthüllten jetzt mehrere Regierungsbeamte, dass das FBI Petraeus bei der Untersuchung der Beschwerde der zweiten Frau auf die Schliche kam. Sie hätten sich E-Mails zwischen der Biografin und dem CIA-Chef angeschaut, die auf die Affäre zwischen beiden hingewiesen hätten.

Nach Angaben der Zeitung entdeckte das FBI auch, dass sich Broadwell anscheinend im Besitz von geheimen Dokumenten befand. Die an der Untersuchung beteiligten Beamten seien aber offenbar zu dem Schluss gekommen, dass die Papiere wahrscheinlich nicht von Petraeus stammten und die Sicherheit nicht gefährdet gewesen sei.

Die Affäre begann nach Informationen des „Wall Street Journal“, nachdem Petraeus im August 2011 aus dem Militär ausgeschieden war. Sie sei seit einigen Monaten wieder vorbei. Broadwell, die verheiratet und Mutter von zwei Kindern sei, habe während ihrer Recherche für ein Buch über Petraeus viel Zeit mit ihm verbracht. Sie war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ihre Homepage im Internet wurde am Freitag abgeschaltet.

Politische Gründe für den Rücktritt wurden am Wochenende weitgehend ausgeschlossen. Der CIA war im Zusammenhang mit der Ermordung des US-Botschafters in Libyen eine falsche Informationspolitik vorgeworfen worden. Die Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses des Senats, Dianne Feinstein, versicherte, das habe aber nichts mit dem Ausscheiden von Petraeus zu tun. Die Geheimdienst-Experten des Kongresses waren vorab über das Ausscheiden von Petraeus informiert worden. Er hatte sein Rücktrittsgesuch am Donnerstag eingereicht, Obama hatte es dann am Freitag angenommen. In einer schriftlichen Erklärung würdigte Obama am Freitag Petraeus' langjährige Verdienste.

Nach dem Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi hatte die CIA Obama tagelang versichert, die Attacke sei aus einer spontanen Protestaktion erwachsen. Wie sich später herausstellte, handelte es sich aber um einen geplanten Terroranschlag von islamischen Extremisten am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001. CIA-Kreise hatten sich damit gerechtfertigt, dass ihre Angaben zum damaligen Zeitpunkt dem Kenntnisstand entsprachen. Petraeus sollte in der kommenden Woche vor einem Kongressausschuss über die Vorkommnisse in Bengasi aussagen. Diese Aufgabe wird nach Medienberichten sein designierter Nachfolger Morell übernehmen.

Petraeus hatte im Irakkrieg die 101. Luftlandedivision nach Bagdad geführt und die US-Truppen im Irak befehligt. Später übernahm er das Oberkommando in Afghanistan. Seine Ernennung zum CIA-Chef im September 2011 wurde auch von den Republikanern unterstützt.

dpa

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