Wahlkampf per Computerspiel

Drei Politiker bauen sich ihre Traumstadt

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Jimmy Schulz ( FDP), Dorothee Bär ( CSU) und Lars Klingbeil ( SPD) haben nach ihrem jeweiligen Parteiprogramm eine virtuelle Stadt im Computerspiel "SimCity" gebaut.

München – Drei Bundestagsabgeordnete, drei virtuelle Städte: Jimmy Schulz (FDP), Lars Klingbeil (SPD) und Dorothee Bär  sind in SimCity mit ihren politischen Ideen gegeneinander angetreten. Wo fühlten sich die Einwohner am wohlsten?

Ein beschauliches Städtchen, eine mittelgroße Stadt mit vielen Grünanlagen und eine Metropole mit Hochhäusern – nach vier Wochen sehen die drei Städte, die alle aus einem unbebauten Stück Land im Computerspiel SimCity entstanden sind, völlig unterschiedlich aus. Laut politischen Vorgaben aus dem jeweiligen Parteiprogramm eine Stadt aus dem Nichts aufzubauen, das war die Aufgabe bei diesem spielerischen Wahlkampf-Check, der sich die drei Bundestagsabgeordneten Jimmy Schulz (FDP), Lars Klingbeil (SPD) und Dorothee Bär (CSU) gestellt haben.

SPD-Politiker Lars Klingbeil wollte in seiner Stadt „Wäschersfelden“ natürlich sozialdemokratische Schwerpunkte setzen und ein gutes Bildungsangebot schaffen. Besonders stolz ist Klingbeil darauf, dass seine Stadt mit 100 Prozent erneuerbarer Energie versorgt wird und er Vollbeschäftigung erreicht hat. Die 35.000 Einwohner seiner Stadt danken ihm seine politischen Entscheidungen mit einer großen Zufriedenheit. Als virtueller Bürgermeister fiel es dem SPD-Politiker manchmal schwer, die Situation „nicht zu überreizen – die Balance zu halten zwischen nicht zu stark wachsen und nicht zu viele Schulden machen“.

Für FDP-Politiker Jimmy Schulz hatte bei dem Spiel ebenfalls Priorität, dass sich die „Schwofberg“-Einwohner „ in meiner Stadt wohlfühlen.“ Nach vier Wochen zeigt sich: In der Kleinstadt mit rund 8000 Einwohnern lässt sich offenbar gut leben. Der FDP-Politiker hat die Steuern für alle Schichten der Bevölkerung und das Gewerbe einheitlich mit 10 Prozent recht niedrig gesetzt. Dadurch fehlt aber auch das nötige Kleingeld in der Stadtkasse, um große Investitionen tätigen zu können. Dass er im Vergleich zu seinen beiden Mitspielern die kleinste Stadt gebaut hat, nimmt Schulz gelassen: „Mein Hauptziel war es nicht, das Spiel zu gewinnen, sondern nach außen zu signalisieren, Computerspiele können auch zur Bildung beitragen.“ Bei diesem Spiel etwa lerne man, wie Politik funktioniere, welche Entscheidungen ein Bürgermeister treffen müsse.

Das zumindest optische Gegenteil von „Schwofberg“ ist „Bärcity“. Die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär ist besonders stolz darauf, dass sie eine kleine Metropole geschaffen hat. Über 100.000 Einwohner leben hier, überwiegend in Hochhäusern. Familienfreundlich und sozial gerecht soll es in „Bärcity“ zugehen – und das in Wolkenkratzern? Dorothee Bär nimmt die Kritik mit Humor: „Dort haben die Kinder besonders viele Spielkameraden.“ Doch die Hochhäuser seien auch ein Zeichen für den Wachstum und Erfolg ihrer Stadt. Das hohe Technologielevel, das Bär in ihren Industrieunternehmen gesetzt hat, bietet viele Arbeitsplätze für gut ausgebildete Arbeitskräfte. Doch die weniger gut ausgebildeten Bürger bleiben dabei auf der Strecke.

Frustrierte Bürger von „Bärcity“ sollen deshalb in „Wäschersfelden“, der Stadt von SPD-Politiker Lars Klingbeil gewütet und Brände gelegt haben. „Dass ausgerechnet die CSU zum Sicherheitsrisiko wird, hätte ich auch nicht gedacht“, scherzt Klingbeil über die Entwicklung im Verlauf des Computerspiels. Ein Vorwurf, den Dorothee Bär natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann. „Das ist überhaupt nicht möglich, denn meine Bürger sind wesentlich gebildeter.“ Die schwierigste Entscheidung, die sie als virtuelle Bürgermeisterin treffen musste? „Wenn man Steuern erhöhen muss, fühlt man sich sogar in einem Computerspiel schlecht.“

Die größte Zufriedenheit bei den Einwohnern hat zum Schluss der SPD-Politiker Lars Klingbeil erreicht. Ob es am sozialdemokratischen Parteiprogramm oder an seinen strategischen Spielzügen liegt, sei dahingestellt. Insgesamt ziehen die drei Abgeordneten zwar ein positives Fazit aus dem spielerischen Vergleich ihrer politischen Vorstellungen, doch „in einem Computerspiel ist kein reiner Wahlkampf möglich“, so Bär. Es bleibe immer noch ein Spiel, bei dem es um Spaß und originelle Ideen gehe. „Man kann zwar seine politischen Schwerpunkte setzen“, räumt Lars Klingbeil ein, „doch den klassischen Wahlkampf mit Hausbesuchen und Info-Ständen kann man dadurch nicht ersetzen.“

Um was geht es bei SimCity:

Das Computerspiel SimCity von Electronic Arts (EA) ist eine Städtebausimulation und seit 1989 auf dem Markt. Auf einem unbebauten Gebiet erbauen die Spieler eine virtuelle Stadt. Dabei treffen sie Entscheidungen zur Infrastruktur wie Energieversorgung, Müllentsorgung und Verkehr, aber auch zur Bebauung mit Wohn- und Gewerbegebieten. Diese Entscheidungen wirken sich dann auf die gesamte Region aus. Die aktuelle Version ermöglicht es, zusammen mit anderen zu spielen. So können die Spieler ihre Fortschritte mit ihren Wettbewerbern vergleichen und herausfinden, wer etwa die reichste Metropole oder die schmutzigste Stadt aufgebaut hat.

Kerstin Lottritz

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