Umfrage zeigt auf

Bundeswehrsoldaten massiv unzufrieden

Berlin -  Unmut über die Umsetzung der Bundeswehrreform herrscht in der Truppe schon länger. Nun belegt eine Umfrage, wie ausgeprägt der Frust bei den Soldaten tatsächlich ist.

Die Bundeswehrreform und die damit verbundenen Standortschließungen stoßen in der Truppe auf breite Ablehnung. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Bundeswehrverbandes unter Führungskräften der Armee. Das Verteidigungsministerium sieht die Neuausrichtung der Streitkräfte trotz der Verunsicherung auf gutem Weg. „Insgesamt wird deutlich, dass die generelle Richtung stimmt“, sagte ein Sprecher am Freitag. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, beklagte massive Defizite bei der Vermittlung der Reform.

Die Bundeswehrreform wurde im Frühjahr 2010 vom damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf den Weg gebracht. Ab März 2011 setzte sie sein Nachfolger Thomas de Maizière (CDU) fort. Der Bundeswehrverband und die Technische Universität Chemnitz wollten am Nachmittag eine Studie zur Bewertung der Reform durch Führungskräfte der Bundeswehr vorlegen. Nach einem Bericht der ARD-„Tagesschau“ glauben neun von zehn Befragten, dass die Reform einer baldigen Korrektur bedarf und nicht von Dauer sein wird. Rund drei Viertel nehmen sie nicht als gemeinsames Projekt der Bundesregierung wahr.

„Sie sind unzufrieden, weil sie sich nicht mitgenommen fühlen"

„Die Enttäuschung ist riesig“, sagte Verbandschef Ulrich Kirsch. „Jetzt muss dringend mit den Soldaten gesprochen werden, um zu ergründen, warum sie zu einem so harten Urteil kommen.“ Bislang geschehe dies nicht in ausreichendem Maße. Dabei könne die Bundeswehr-Führung aus der Einbindung der Soldaten auch wertvolle Erkenntnisse gewinnen, woran es genau hapere und wie sinnvoll umgesteuert werden könne. Für die Studie wurden 4000 Fragebögen verschickt, rund die Hälfte kam ausgefüllt zurück.

Der Wehrbeauftragte sieht seinen Jahresbericht vom Januar durch die Umfrage bestätigt. Darin hatte Königshaus von einer massiven Umzufriedenheit in der Truppe berichtet. „Die Soldatinnen und Soldaten empfinden die interne Kommunikation als völlig unzureichend“, erklärte er am Freitag. „Sie sind unzufrieden, weil sie sich nicht mitgenommen fühlen - das trifft sowohl auf die Planung der Reform als auch auf die jetzt laufende Umsetzung zu.“ Es genüge nicht, den Führungskräften 80 Seiten Gesetze zu schicken und darauf zu vertrauen, dass sie die Sache schon richten. „Das ist eine Überforderung der Truppe.“

Jeder zweite Soldat bewertet Neuausrichtung positiv

Das Verteidigungsministerium erklärte, es sei zu erwarten gewesen, dass mit einer solch umfassenden Neustrukturierung auch ein Gefühl der Unsicherheit bei den Soldaten einhergehe. „Es muss uns aber nachdenklich stimmen, dass nur die Hälfte der Befragten die Umsetzung der Neuausrichtung als positiv bewertet und sogar größeren Handlungsbedarf als zuvor sieht.“

Die Reform gilt als eine der umfassendsten Umstrukturierungen der Bundeswehr seit ihrer Gründung. Die tiefgreifendste Veränderung war die Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011. Die Truppenstärke von einst 250.000 Soldaten soll auf höchstens 185 000 reduziert werden. Die Zahl der Zivilbeschäftigten sinkt von 76.000 auf 55.000. 31 Bundeswehrstandorte werden bis 2017 geschlossen, rund 90 teils drastisch verkleinert. Nach Umsetzung der Reform werden nur noch 264 Standorte übrig sein.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Auch interessant

Meistgelesen

Abschaffung von „Obamacare“: Debakel für Trump
Abschaffung von „Obamacare“: Debakel für Trump
Bundesfinanzminister Schäuble vergleicht die Türkei mit der DDR
Bundesfinanzminister Schäuble vergleicht die Türkei mit der DDR
„Linke Saubande“: CSU-Politiker fordern Schließung der Roten Flora 
„Linke Saubande“: CSU-Politiker fordern Schließung der Roten Flora 
Schulz wird konkret: Mit diesen zehn Punkten will er Merkel einholen
Schulz wird konkret: Mit diesen zehn Punkten will er Merkel einholen

Kommentare