Sozialpreis-Verleihung

Merkel will mehr rauen Alltag in Medien sehen

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Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Verleihung des Sozialpreises in Berlin.

Berlin - Die deutschen Medien vernachlässigen nach Meinung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Berichterstattung über soziale Missstände.

Sie wünsche sich im Fernsehprogramm „mal einen Krimi weniger und dafür was aus dem richtigen Leben“, sagte Merkel am Dienstagabend in Berlin bei der Verleihung des Deutschen Sozialpreises an vier Reporter. Vier engagierte Journalisten wurden mit Auszeichnungen für ihre Berichte über soziale Themen gewürdigt.

Merkel ermutigte Medienmacher, sich mehr an Themen wie etwa die Pflege zu wagen. Es sei kein Fehler, wenn die Arbeit von Menschen in sozialen Berufen, die spannend und interessant seien, mehr Beachtung finden würde, sagte sie. Zugleich dankte Merkel den 1,5 Millionen hauptamtlichen und 2,5 Millionen ehrenamtlich Beschäftigten in der Pflege und in der Betreuung Bedürftiger: „Es ist so wichtig, dass Menschen sich auf soziale Dienste verlassen können.“

Auszeichnungen für Berichte über Gefangene und Hungerlöhne

Zugleich verteidigte Merkel die anfangs von Sozialverbänden kritisierte Einstellung des Zivildienstes, der nun durch den Bundesfreiwilligendienst ersetzt wird. Mehr als ein Jahr nach der Einführung seien die Zweifel in gewisser Weise verflogen. „Ehrlich gesagt haben wir mehr mit der Frage zu tun, wo wir mehr Geld herbekommen für den Bundesfreiwilligendienst als mit der Frage, wo wir mehr Bewerber herbekommen.“

Der Deutsche Sozialpreis wird von den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege, zu denen etwa die Caritas und die Arbeiterwohlfahrt gehören, jährlich an Journalisten verliehen, die sich an kritische Sozialthemen wagen. Er ging in diesem Jahr in der Kategorie Printmedien an Anita Blasberg und Christian Denso, die ein viel beachtetes Dossier in der Wochenzeitung „Die Zeit“ verfassten. In dem Artikel „Unter Menschen“ beschreiben sie die schwierige Rückkehr vormaliger Sicherungsverwahrter in eine Gesellschaft, die die früheren Straftäter misstrauisch beäugt. Stellvertretend für Blasberg nahm die künftige Vize-Chefredakteurin der „Zeit“, Sabine Rückert, den Preis entgegen. Für jede Auszeichnung gibt es 5.000 Euro Preisgeld.

Dies erhält auch die Gewinnerin in der Kategorie Hörfunk: Gabriele Stötzer produzierte ein Radiofeature für MDR Figaro über ehemalige Insassinnen des DDR-Frauengefängnisses Hoheneck. Darin sprachen die Protagonistinnen teils zum ersten Mal über ihr Schicksal, das auch durch Misshandlungen geprägt war. Stötzer fand eine intensive Bindung zu ihren Protagonistinnen, da sie selbst einst in Gefangenschaft war.

Wohlfahrtsverbände loben ausgezeichnete Reporter als Türöffner

Christel Sperlich wurde in der Kategorie Fernsehen für eine RBB-Reportage ausgezeichnet. In „Hungerlohn trotz Vollzeitjob“ lässt sie drei Menschen erzählen, die zwar den ganzen Tag schuften, aber am Ende des Tages doch nicht von ihren Gehältern leben können und die Unterstützung des Staates benötigen. Der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, Johannes Stockmeier, lobte die Journalisten, die sich problematischen Themen aus ihrem Umfeld annahmen: „Es wurden durch ihre Arbeit Türen geöffnet für soziale Themen.“

Der Medienpreis wurde zum 41. Mal verliehen. Die Organisatoren erhielten diesmal 450 Bewerbungen, die von einer Jury beurteilt wurden.

dapd

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