Gratulation und Empörung: Stimmen zum Friedensnobelpreis

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Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist Chinas Staatsfeind Nr. 1

Peking - Sie war hocherfreut, zeigen konnte sie das jedoch nicht: Liu Xia, die Frau des frischen Nobelpreisträgers Liu Xiaobo, wurde von der Polizei in ihrer Wohnung bewacht.

“Ich bin glücklich, aber ich kann nicht herauskommen“, sagte Liu Xia am Telefon in ihrer Wohnung in dem von der Polizei abgeriegelten Apartmentkomplex. “Ich stecke hier fest - mit der Polizei“, sagte Liu Xia.

Chinas Regierung empört über Preisvergabe

Die chinesische Regierung hat empört auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dissidenten Liu Xiaobo reagiert und sieht das Verhältnis zu Norwegen beschädigt. “Liu Xiaobo ist ein Krimineller, der von der chinesischen Justiz wegen Verstöße gegen chinesisches Recht verurteilt wurde“, erklärte das Außenministerium am Freitag rund eineinhalb Stunden nach Bekanntgabe der Entscheidung in Oslo.

Die Auszeichung Lius “läuft völlig dem Prinzip des Preises zuwider und stellt zudem eine Schmähung des Friedenspreises dar“, kritisierte die chinesische Regierung weiter. Der Preis hätte besser für die Förderung der internationalen Völkerverständigung und der Abrüstung verliehen werden sollen.

Bundesregierung für sofortige Freilassung

Westlche Regierungen zeigten sich dagegen vom Mut des Nobelkomitees sehr angetan. Die Bundesregierung forderte die Freilassung des Preisträgers. Regierungssprecher Steffen Seibert würdigte am Freitag Lius gewaltfreies Engagement. “Liu Xiaobo fordert, den Hass abzulegen, und wenn man sieht, wie respektvoll er sich über seinen eigenen Zellenwärter äußert, dann muss einen auch das beeindrucken“, sagte der Sprecher. “Die Bundesregierung wünscht sich, dass er freikommt und diesen Preis selber in Empfang nehmen kann. Sie hat sich in der Vergangenheit für die Freilassung eingesetzt und sie wird das auch jetzt tun.“

Das sagte die Welt zu Preisträger Barack Obama

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Außenminister Guido Westerwelle sagte am Freitag in Berlin: “Ich freue mich über diese Würdigung seines Mutes und seines unablässigen Eintretens für die Freiheit und für die Menschenrechte." Das Nobelpreiskomitee habe eine “mutige und verdiente Entscheidung“ getroffen. Sie sei Ansporn und Mahnung, die Arbeit von Menschenrechtsverteidigern weltweit zu unterstützen und im Eintreten für Meinungsfreiheit nicht nachzulassen.

Kohl "nicht enttäuscht" über Ausgang

Altbundeskanzler Helmut Kohl ist nach eigenen Worten “nicht enttäuscht“, dass er nicht den Friedensnobelpreis bekommen hat. “Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt“, sagte der CDU-Politiker am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse auf die Frage, ob er nun im kommenden Jahr mit der Auszeichnung rechne. “Ich war ja nicht das erste Mal auf der Liste, also würde ich sagen, wir warten mal in Ruhe ab.“ Zur Vergabe wollte sich Kohl nicht direkt äußern. Er sei nicht im Ausschuss der Preisvergabe gewesen.

EU gratuliert: "Starke Botschaft"

Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner sagte in einer Erklärung: "Diese Entscheidung steht für die Verteidigung der Menschenrechte überall auf der Welt“. Frankreich bekräftige seinen Appell an Peking, Liu freizulassen.

Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gratulierte: Die Auszeichnung sei “eine starke Botschaft der Unterstützung für all jene in der Welt, die gelegentlich unter großen persönlichen Opfern für Freiheit und Menschenrechte kämpfen“, erklärte Barroso am Freitag in Brüssel. Dabei handele es sich um “Kernwerte der Europäischen Union“, deren Bedeutung für die ganze Welt unterstrichen werde.

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