Nach Entscheidung Ende Januar 

Studentenvertretung der Kieler Uni kritisiert Vollverschleierungs-Verbot

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Ende Januar entschied das Präsidium der Kieler Uni, Vollverschleierung in Lehrveranstaltungen zu verbieten. Die Studentenvertretung äußerte dazu nun Kritik.

Die Kieler Universität hat eine Vollverschleierung in Lehrveranstaltungen verboten. Jetzt kritisiert die Studentenvertretung der Universität diese Entscheidung. 

Update vom 20. Februar 2019: Die Studentenvertretung der Kieler Universität hat das von der Hochschulleitung verhängte Verbot der Vollverschleierung kritisiert. Seiner Ansicht nach dürfe es in einer "freiheitlich demokratischen Gesellschaft" nicht sein, Frauen wegen einer "religiös begründeten Entscheidung" den Zugang zu öffentlichen Bildungseinrichtungen zu versperren, teilte der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) am Dienstagabend in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt mit.

Das Präsidium der Universität hatte Ende Januar ein Verbot für die Vollverschleierung in Lehrveranstaltungen und Prüfungen erlassen. Dieses Verbot begründet die Kieler Uni unter anderem mit Einschränkungen bei der nonverbalen Kommunikation mittels Gestik und Mimik. Auch diesen Ansatz kritisierte der Asta. "Es stellt sich die Frage, welche Anforderungen das Präsidium an die Gestik und Mimik seiner Studierenden stellt. Der Gesichtsausdruck der Studierenden steht jedenfalls nicht zur Bewertung der Dozierenden", erklärte dieser.

CDU-Politiker für Mindestalter für Kopftuch an Schulen

Update vom 19. Februar 2019: CDU/CSU-Fraktionsvize Carsten Linnemann hat sich für ein Kopftuchverbot für Kinder an staatlichen Schulen ausgesprochen. In einem Sammelband mit dem Titel „Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland“, den er diese Woche zusammen mit dem CSU-Landtagsabgeordneten Winfried Bausback veröffentlicht hat, schreibt er: „Mädchen unter 14 Jahren müssen ohne Kopftuch in unseren Bildungseinrichtungen lernen und sich frei bewegen dürfen. Wir dürfen keine Geschlechterdiskriminierung durch die Hintertür zulassen.“ Eine entsprechende Regelung auf Bundesebene wäre möglich, erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete - „man muss sie nur politisch wollen“.

Zu den Befürwortern einer deutschen „Leitkultur“ unter den Autoren dieses Sammelbandes zählt auch der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne). Er sei zu der Überzeugung gelangt, „dass wir eine Debatte über Leitkultur im Sinne des jedenfalls weit mehrheitlich getragenen Erwartungshorizonts brauchen“, schrieb Palmer. Dies sei auch im Interesse von Geflüchteten, die „Klarheit darüber benötigen, was sie tun müssen, um in unserem Land dazuzugehören und erfolgreich zu sein“.

Auch Palmer argumentiert gegen das Kopftuch, wenn er entgegen der Auffassung vieler Parteikollegen, schreibt: „Im Zweifel tut man einer jungen Muslima nichts Gutes, wenn man sie darin bestärkt, ein Kopftuch zu tragen, oder dafür Toleranz einfordert.“ Denn sie werde mit Kopftuch auf ihrem weiteren Lebensweg in Deutschland „mit Sicherheit mehr Schwierigkeiten haben als ohne“.

Studentin will gegen Vollverschleierungsverbot an Kieler Universität vorgehen

Update vom 18. Februar 2019: Nach dem Verbot von Vollverschleierung an der Kieler Universität will die Studentin, die diese Entscheidung auslöste, juristisch dagegen vorgehen. Die Begründung sei "überzogen, symbolisch und argumentativ haltlos", sagte die junge Frau der Zeitung "Kieler Nachrichten" vom Montag. Das Grundgesetz betone persönliche Freiheit, Toleranz und Diversität, ergänzte sie.

Die Universität in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt hatte Ende Januar eine Vollverschleierungen in Lehrveranstaltungen und Prüfungen grundsätzlich verboten, nachdem es mit der Frau zuvor zu einem Konflikt gekommen war. Sie war laut "Kieler Nachrichten" vollverschleiert in einer Lehrveranstaltung erschienen, der Dozent bat die Leitung der Hochschule nach dem Vorfall um eine Klärung.

Bei der jungen Frau handelt es sich laut Zeitung um eine zum Islam konvertierte Studentin. Der Deutsche Hochschulverband hatte sich schon Anfang 2017 für ein Verbot von Ganzkörperverschleierungen in Lehrveranstaltungen ausgesprochen. Dies sei zur Identifizierung von Prüflingen und die Bedeutung nonverbaler Kommunikation vertretbar.

Kieler Uni verbietet Vollverschleierung in Lehrveranstaltungen

Kiel - „Auf dem Campus könnten Studierende aber auch eine Burka oder eine Niqab, die nur einen Augenschlitz zulässt, tragen“, sagte Uni-Sprecher Boris Pawlowski am Mittwoch. Das Präsidium beschloss das Schleierverbot in einer Richtlinie vom 29. Januar.

Zu den Mindestvoraussetzungen für die Kommunikation in Forschung, Lehre und Verwaltung gehörten nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch Mimik und Gestik, sagte Pawlowski.

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) begrüßte den Beschluss und kündigte eine Gesetzesinitiative gegen das Tragen von Gesichtsschleiern auch in den Schulen an. Zuvor hatten die „Kieler Nachrichten“ berichtet.

Lesen Sie auch: UN-Ausschuss: Verschleierungs-Verbot verstößt gegen Menschenrechte

dpa/AFP

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