Süd-SPD zwischen Frust und Trotz

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Der SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering (links) und der bayerische SPD -Landeschef Florian Pronold am 12 Juli auf dem 60. SPD -Landesparteitag in Weiden.

München - Der Süden taumelt: In kaum einem anderen der alten Bundesländer ist die Situation für die SPD so schwierig wie in Bayern und Baden-Württemberg.

Zwanzig Millionen Menschen wohnen in den beiden Bundesländern - ein Viertel der deutschen Bevölkerung. Ohne ein respektables Ergebnis im Süden kann die SPD die Wahl nicht gewinnen. Doch die Lage könnte schlechter kaum sein. Das Umfragetief von 20 Prozent, bei dem die Bundes-SPD in der vergangenen Woche bei einem Institut herumkrebste, wäre für die bayerischen Genossen eher ein Umfragehoch: Im Freistaat ist die SPD schon lange unter 20 Prozent. Auch für die Südwest-SPD scheint die Verliererstraße endlos zu sein. Und so reagieren beide Landesverbände mit einer Mischung aus Frust, Trotz und “jetzt erst recht“.

Dies ist auch dringend nötig, denn SPD-Kanzlerkandidat Frank- Walter Steinmeier versetzte ihnen jüngst einen weiteren Tiefschlag: In seinem 19-köpfigen Wahlkampfteam ist kein einziger aus Bayern und Baden-Württemberg. “Es können nicht alle 16 Landesverbände vertreten sein. Es kann auch kein Hunderter-Team aufgestellt werden“, versucht die Stuttgarter Landeschefin Ute Vogt die Gemüter zu beruhigen. Ihr bayerischer Kollege Florian Pronold betont staatsmännisch, nicht das Wahlkampfteam sei entscheidend, sondern die Mobilisierung in der heißen Schlussphase. Hinter vorgehaltener Hand fragen SPD-Strategen aber: “Wen hätte Steinmeier denn nehmen sollen?“

Bayern-SPD:12,9 Prozent - aber keine Resignation

Von Resignation will Pronold nichts wissen: “Es gibt immer Nörgler, die Haare in der Suppe finden, aber dafür habe ich keine Zeit“, sagt der niederbayerische Bundestagsabgeordnete. “Vor vier Jahren lagen wir 80 Tage vor der Wahl bei 28 zu 49 Prozent. Das haben wir in den letzten Wochen noch ordentlich umgedreht.“ Das letzte Debakel liegt noch nicht lange zurück. Bei der Europawahl stürzte die SPD in Bayern auf 12,9 Prozent ab, das schlechteste Ergebnis seit 1945. Auch die Südwest-SPD fuhr mit 18,1 Prozent einen Negativrekord ein.

“Man muss realistisch sehen, dass wir eine schwierige Situation in Bayern haben“, räumt Thomas Beyer ein, Vizechef der Bayern-SPD. Doch die Stimmung an der Basis sei besser als erwartet, sagen sowohl Beyer als auch die bayerische Generalsekretärin Natascha Kohnen: “Es ist ein unheimlich großer Wille da, noch etwas zu erreichen.“ 2005 gewann die SPD nur einen der 45 bayerischen Wahlkreise - ihr einziger Direktabgeordneter ist der Münchner Axel Berg. “Klar ist die SPD schlecht im Futter“, sagt er. “Aber die CSU ist auch nicht gut im Futter.“

Ex-Genosse Tauss sorgte für Schlagzeilen

Der Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss (früher SPD - jetzt Piratenpartei) sieht sich mit Kinderporno-Vorwürfen konfrontiert.

Bei der Südwest-SPD hat in jüngster Zeit vor allem einer für Schlagzeilen gesorgt: Jörg Tauss. Gegen den Bundestagsabgeordneten wird wegen des Verdachts auf Kinderpornografie ermittelt. Auch wenn noch nichts bewiesen ist, für die SPD war der Fall ein schwerer Schlag ins Kontor. Der frühere Generalsekretär der Landes-SPD trommelt nun für die Piratenpartei. Als Lautsprecher der Südwest-Genossen profiliert sich derweil SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel - für die CDU betreibt er “kopflose Krawall-Opposition“.

Schmiedel versucht, die SPD ins Gespräch zu bringen, während die frühere SPD-Bundesvize und jetzige Bundestagskandidatin Ute Vogt mit Durchhalteparolen in den Wahlkampf zieht: “Es ist wichtig, dass wir uns um das Thema Arbeit kümmern.“ Ob sie verzagt ist? Antwort: “Der Wahlkampf kommt ja erst auf Touren.“ Der erfahrene Wahlkampfmanager Wolfgang Drexler sieht auch die Bundes-SPD in der Pflicht. Es gebe keinen richtigen Schlachtplan, moniert er. “Wir brauchen vier, fünf Schlagwörter, mit denen wir punkten können.“

Auch ohne Mitglieder im Wahlkampfteam können die Süd-Sozis zumindest in den letzten drei Wochen vor der Wahl mit ihrer Spitze reden. Dann sollen Steinmeier und Parteichef Franz Müntefering bei vielen Großveranstaltungen dauerpräsent im Süden sein.

Von Carsten Hoefer und Henning Otte

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