Südsudan ist ein unabhängiger Staat

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Menschen feiern um Mitternacht die Unabhängigkeit von Südsudan

Juba - Die Welt hat einen neuen Staat: Der Südsudan ist ein unabhängiges Land. Die Bevölkerung jubelt, doch die Welthungerhilfe warnt vor einer drohenden Gefahr.

Offiziell wird die Teilung vom Norden am Samstagvormittag vollzogen, wenn Präsident Salva Kiir den Amtseid als erster Präsident des neuen Staates ablegt. Doch schon um Mitternacht (Ortszeit) hatten Kirchenglocken den historischen Tag eingeläutet und Trommelrhythmen den 54. Staat Afrikas begrüßt. Zur offizellen Unabhängigkeitsfeier wird auch der sudanesische Präsident Omar Al-Baschhir erwartet, der wegen Kriegsverbrechen in Darfur mit internationalem Haftbefehl gesucht wird.

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In der Hauptstadt Juba hatten die Einwohner bereits am Freitagabend mit Musik und zahlreichen Veranstaltungen ihre eigenen Unabhängigkeitsfeiern gestartet. Kleinlaster und Privatwagen waren ebenso wie Straßenlaternen mit der neuen südsudanesischen Nationalflagge geschmückt.

Auf den Straßen erklangen schon am Abend Hupkonzerte, Hotels luden zu Unanhängigkeitparties ein, und auf mancher Hausfassade prangten überlebensgroße Porträts von Salva Kiir mit seinem typischen schwarzen Cowboyhut. Plastikblumen verzierten mangels echter Blumenpracht die Hauptstraße vom Flughafen, auf dem am Freitag schon zahlreiche Ehrengäste eingetroffen waren, unter anderem UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Die Bevölkerung des Südsudans hatte im Januar in einer Volksabstimmung mit fast 99 Prozent der Stimmen für einen eigenen Staat gestimmt. Sechs Jahre nach dem Ende des blutigen Bürgerkrieges mit rund zwei Millionen Toten ist für die Menschen in einem der ärmsten und unterentwickelsten Länder der Erde der Traum von einem unabhängigen Staat Wirklichkeit geworden.

Welthungerhilfe warnt vor Bürgerkriegs-Gefahr im Südsudan

Die Welthungerhilfe warnt jedoch vor der Gefahr eines Bürgerkriegs im Südsudan. “Anzunehmen, dass die Trennung des Sudans ohne Konflikte abläuft, wäre höchst leichtfertig“, sagte die Präsidentin des Hilfswerks, Bärbel Dieckmann, der “Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagausgabe).

Die Abstimmung für die Unabhängigkeit sei zwar richtig gewesen, weil ein Konsens für einen einheitlichen Sudan nicht möglich gewesen sei. “Aber richtig ist, dass es im Moment kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet gibt“, sagte Dieckmann.

Die Lage im Südsudan sei sehr angespannt, viele Menschen hungerten. Die Welthungerhilfe schätze, dass 40 Prozent der Kinder im Südsudan unterernährt sind. Deutschland, das derzeit den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat innehat, müsse sich dafür einsetzen, “dass die gegenseitigen Angriffe aufhören“. Viel hänge davon ab, langfristige Hilfe beim Aufbau des neuen Staates zu leisten.

USA erkennen Südsudan an

Die USA haben den Südsudan formell als Staat anerkannt. “Der heutige Tag ist eine Erinnerung daran, dass nach der Dunkelheit des Krieges das Licht eines neuen Morgens möglich ist“, erklärte US-Präsident Barack Obama am Samstag. Nach dem langen Kampf der Menschen im Südsudan “begrüßen die Vereinigten Staaten die Geburt eines neuen Staates“. Er sei überzeugt, dass der “Bund der Freundschaft“ zwischen den USA und dem Südsudan sich in den kommenden Jahren weiter vertiefen werde, sagte der Präsident.

Die neuen Nachbarstaaten im Norden und im Süden des Sudans rief Obama zum friedlichen Miteinander auf. “Beide Völker müssen erkennen, dass sie in größerer Sicherheit und in größerem Wohlstand leben, wenn sie die bittere Vergangenheit hinter sich lassen und Differenzen friedlich lösen.“ Das Friedensabkommen müsse vollständig umgesetzt werden. “Durch Mut und harte Entscheidungen kann dies zum Beginn eines neuen Kapitels von mehr Frieden und Sicherheit für alle Sudanesen sein.“

dpa/dapd

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