Syrien: Weitere Gewalt gegen Demonstranten

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Gegen die Demonstranten geht die syrische Regierung mit Gewalt vor.

Damaskus - An immer mehr Orten geht die syrische Regierung mit Militärgewalt gegen Demonstranten vor. Massenverhaftungen ersetzen den Dialog. Rund 700 Zivilisten sind bereits getötet worden.

In ihrem Kampf gegen Regimegegner haben syrische Armeeverbände am Donnerstag die Kleinstadt Kafr Schams umstellt. Wie Oppositionelle berichteten, wurden alle Zugänge zu der Ortschaft 60 Kilometer südlich von Damaskus abgeriegelt. Vermutlich begann eine weitere Welle von Massenverhaftungen. Die Armee hatte in den vergangenen zehn Tagen immer wieder Städte abgesperrt, deren Bürger sich bei den Protesten gegen Präsident Baschar al-Assad hervorgetan hatten. Polizei und Geheimdienst verhafteten in der Folge hunderte mutmaßliche Kundgebungsteilnehmer und Oppositionsanhänger.

In der Großstadt Homs, wo es am Vortag Angriffe der Armee auf ein Wohnviertel gegeben hatte, sollte am Donnerstag ein Opfer der Attacke zu Grabe getragen werden. Der Trauerzug für den christlichen “Märtyrer“ war neben einer Kirche im Bezirk Al-Hamidija geplant, hieß es. Insgesamt waren nach Angaben von Menschenrechtsgruppen am Mittwoch in Homs fünf, in der südlichen Stadt Daraa 13 Menschen getötet wordern. Die Sicherheitskräfte trieben am Mittwochabend auch eine Kundgebung von Studenten in Aleppo auseinander. Es war zum ersten Mal, dass sich Studenten in der zweitgrößten Stadt des Landes den Protesten gegen das Regime anschlossen.

Blutige Proteste in Syrien

Blutige Proteste in Syrien

Menschenrechtsaktivisten berichten, dass am Donnerstag Soldaten, die von Panzern unterstützt wurden, rund um die zentralsyrische Stadt Hama aufmarschiert seien. In Aleppo im Norden des Landes gingen Anhänger der Regierung Berichten zufolge auf dem Universitätsgelände mit Stöcken bewaffnet auf 2.000 Demonstranten los

Die im Exil operierende Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter erklärte, seit Beginn der Demonstrationen Mitte März seien 683 Zivilisten getötet worden. Ein Sprecher sagte am Donnerstag: “Zählt man die getöteten Soldaten und Polizisten hinzu, kommt man auf eine Zahl von mehr als 800 Toten.“

Syrien verzichtet auf Sitz im UN-Menschenrechtsrat

Die syrische Botschaft in London hatte am Mittwochabend britische Medienberichte dementiert, wonach sich Asmaa al-Assad, die Ehefrau des bedrängten Präsidenten Assad, zusammen mit ihren Kindern nach Großbritannien abgesetzt haben soll. Die USA bezeicheten indes das gewalttätige Vorgehen der syrischen Führung als “barbarisch“ und drängten diese dazu, den Willen des Volkes zu achten. China forderte Syrien auf, im Umgang mit den Oppositionsgruppen “Blutvergießen zu vermeiden“. Differenzen sollten durch Dialog gelöst werden, sagte am Donnerstag die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, vor der Presse in Peking.

Angesichts des internationalen Drucks verzichtet Syrien nun auf den Sitz im UN-Menschenrechtsrat, der dem arabischen Land aufgrund des regionalen Zuteilungsproporzes zugestanden hätte. Man werde nicht mehr in diesem Jahr antreten, wohl aber für den Zyklus 2014 bis 2016, sagte UN-Botschafter Baschar Dschafari am Mittwoch (Ortszeit) in New York.

Jetzt übernimmt der Golfstaat Kuwait den arabischen Sitz. Damaskus habe mit dem Schachzug ein peinliches Votum verhindern wollen, sagte Peggy Hicks von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Syrien müsse aber mehr tun, nämlich seinen Kurs ändern und die Gewalt stoppen.

dpa/dapd

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