Chinakritische Amtsinhaberin kandidiert erneut

Wahlen in Taiwan beendet - Präsidentin Tsai Ing-wen mit Appell an die Weltgemeinschaft

In Taiwan fanden am Samstag Präsidentschaftswahlen statt. Amtsinhaberin Tsai Ing-wen von der Fortschrittspartei gilt auch nach Wahlschluss als Favoritin.

  • Schon vor den Präsidentschaftswahlen in Taiwan galt die derzeitige Präsidenten Tsai Ing-wen als Favoritin.
  • Tsais größter Herausforderer ist Han Kuo-yu von der China-nahen Partei Kuomintang.
  • Nach ihrem Wahl-Sieg richtete Präsidentin Tsai einen Appell an die Weltgemeinschaft

Update um 15.04 Uhr:

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen ist für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden. In ihrer Siegesrede vor ihren Anhängern am Samstag in Taipeh dankte sie allen, die sich an der Wahl beteiligt haben - egal, für wen sie gestimmt hätten. „Mit jeder Präsidentenwahl zeigt Taiwan der Welt, wie sehr wir unseren freien und demokratischen Lebensstil zu schätzen wissen“, sagte Tsai. 

In einem Appell an die Weltgemeinschaft rief Tsai Ing-wen außerdem zu mehr Anerkennung für die von China isolierte Inselrepublik auf. „Alle Länder sollten Taiwan als Partner, nicht als Problem betrachten.“ Taiwan sei ein unverzichtbares Mitglied der Weltgemeinschaft und sei bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Wahlen in Taiwan beendet - Tsai Ing-wen liegt bei Stimmauszählung vorne

Update um 14.00 Uhr: Wie zuvor bereits erwartet hat sich Tsai Ing-wen bei der Präsidentschaftswahl in Taiwan laut Hochrechnungen durchgesetzt. Wie der Fernsehsender SET TV am Samstag nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen meldete, konnte die bisherige Amtsinhaberin bei der heutigen Wahl 57,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Der Sender CtiTV gab Tsais Stimmenanteil mit 56,7 Prozent an.

Beide Hochrechnungen basieren auf der Auszählung von mehr als zehn Millionen abgegebenen Stimmen. Als Wähler registriert waren rund 19 Millionen Taiwaner.

Seit dem Amtsantritt von Tsai, einer offenen Befürworterin der pro-demokratischen Bewegung in Hongkong, im Jahr 2016 hatten sich die Spannungen zwischen Peking und Taipeh verschärft. China sieht Taiwan als abtrünnige Provinz, die - notfalls auch durch Gewalt - wieder mit der Volksrepublik vereinigt werden soll. Taiwan ist international zunehmend isoliert. Nur 15 Länder pflegen noch diplomatische Beziehungen mit Taipeh.

Wahlen in Taiwan beendet - Ergebnis zeichnet sich bereits ab

Erstmeldung vom 11. Januar, 10.46 Uhr: 

Taipeh - Die Präsidentschafts- und Parlamentswahl in Taiwan ist zu Ende gegangen. Die mehr als 17 000 Wahllokale schlossen am Samstagnachmittag um 16.00 Uhr Ortszeit (09.00 Uhr MEZ). Danach begann die Auszählung der Stimmen. Mehr als 19 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, den künftigen Präsidenten und 113 Abgeordnete im Parlament zu wählen. Bei sonnigem Wetter verlief die Wahl reibungslos.

Bereits vor der Wahl prognostizierten Umfragen einen Sieg der chinakritischen Amtsinhaberin Tsai Ing-wen von der Fortschrittspartei (DPP). Sie rief die Bevölkerung in Taiwan am Vortag der Wahl via Twitter dazu auf, wählen zu gehen. „Lasst uns der Welt zeigen, dass das Licht der Demokratie in Taiwan stark leuchtet“, schrieb sie in dem sozialen Netzwerk. 

Ihren Herausforderer schickte die größte Oppositionspartei Kuomintang ins Rennen. Han Kuo-yu tritt für eine stärkere Annäherung zu China ein.

Wahl in Taiwan: Tsai geht auf Distanz zu China

Als dritter Kandidat trat James Soong (77) von der kleinen konservativen People-First-Partei an. Dem Veteranen der taiwanischen Politik werden jedoch nur wenig Chancen eingeräumt. Es wurde erwartet, dass er vor allem dem Kuomintang-Kandidaten noch Stimmen abnehmen könnte.

Der massive Druck der kommunistischen chinesischen Führung auf Taiwan hat Präsidentin Tsai spürbar Aufwind gegeben, denn sie geht auf Distanz zu China. Peking betrachtet Taiwan nur als Teil der Volksrepublik, obwohl es nie dazu gehört hat. Es droht auch mit einer Eroberung.

Wahl in Taiwan: China will Taiwan an die Volksrepublik anschließen

Der vor einem Jahr verkündete Plan von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, Taiwan nach dem gleichen Autonomie-Modell wie in Hongkong an die Volksrepublik anschließen zu wollen, hat den Widerstand der 23 Millionen Taiwaner noch einmal mobilisiert. Xi Jinping propagiert den Grundsatz „ein Land, zwei Systeme“, wie er in Hongkong seit der Rückgabe der früheren britischen Kronkolonie 1997 praktiziert wird.

Der harte Kurs Pekings gegenüber den seit einem halben Jahr anhaltenden Demonstrationen für mehr Demokratie in der heutigen chinesischen Sonderverwaltungsregion hat die Taiwaner in ihrem Widerstand nur noch bestärkt. Vielen gilt Präsidentin Tsai Ing-wen als Garant für die Wahrung von Demokratie und Freiheit in Taiwan.

Neben den Wahlen in Taiwan stehen dieses Jahr übrigens auch Präsidentschaftswahlen in den USA an. Schon vorab sprach der ehemalige US-Präsident Barack Obama eine Warnung aus.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP / SAM YEH

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