Innenminister: Keine konkreten Hinweise auf Anschläge

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Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU)

Berlin - Vier Ziele in Berlin sollen Terroristen laut US-Geheimdienstkreise in Visier genommen haben. Bundesinnenminister de Maizière (CDU) sieht aber derzeit “keine konkreten Hinweise auf bevorstehende“ Anschläge.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht derzeit “keine konkreten Hinweise auf unmittelbar bevorstehende“ Terroranschläge in Deutschland. Der Minister sagte am Montag in Berlin, für “Alarmismus“ bestehe kein Anlass. Seit dem Frühjahr 2009 gebe es allerdings eine abstrakte Gefährdung, da es Hinweise gegeben habe, dass die Terrororganisation Al-Kaida längerfristig Anschläge in den USA und Europa plane.

Islamische Terroristen planen laut einem Bericht des US-Senders Fox News Anschläge auf prominente Ziele in Europa, darunter auch in Berlin. Dort stünden der Hauptbahnhof, der Fernsehturm und das Hotel Adlon auf einer Liste möglicher Ziele, berichtete der Sender unter Berufung auf Geheimdienstkreise. In Paris hätten die Terroristen den Eiffelturm und die Kathedrale Notre Dame ins Visier genommen. Al-Kaida habe vor, mit gleichzeitigen Attacken in Europa die Anschläge von Mumbai 2008 in den Schatten zu stellen. Nach Informationen des US-Senders CNN steckt eine Gruppe Islamisten aus Hamburg hinter Al-Kaida-Plänen, koordinierte Anschläge auf europäische Städte zu verüben.

Die Informationen über die Anschlagspläne kommen laut Fox von einem Deutsch-Pakistaner, der in einem Gefängnis in der US-Luftwaffenbasis Bagram in Afghanistan verhört werde. Ein ranghoher westlicher Geheimdienstmitarbeiter habe Fox News die Liste der Ziele weitergegeben. Ein anderer Mitarbeiter eines Nachrichtendienstes habe diese später bestätigt. Der Schutz der britischen Königsfamilie sei bereits verstärkt worden. In den vergangenen Tagen hatten Gerüchte über Anschlagspläne in Europa wiederholt für Aufsehen gesorgt. Europäische Geheimdienste haben sich nicht zu konkreten Anschlagszielen geäußert.

Nach Angaben aus Geheimdienstkreisen habe ein Deutscher afghanischer Abstammung Anfang 2009 gemeinsam mit zehn weiteren Personen, darunter zwei Frauen, Hamburg verlassen, berichtete CNN. Die Gruppe sei ins Stammesgebiet von Pakistan gegangen. Die meisten hätten sich einer Gruppe Dschihadisten - der Islamischen Bewegung Usbekistans (IMU) - angeschlossen, die gegen die Truppen der USA und deren Verbündete in Afghanistan kämpften, berichtete der Sender unter Berufung auf deutsche Geheimdienstbeamte weiter. Der Verdächtige habe US-Ermittlern gesagt, dass mindestens ein Mitglied der Gruppe aus Hamburg aktiv an der Ausführung der Anschläge beteiligt sei. Die anderen hätten bei der Planung geholfen. Der Verdächtige kooperiere mit den US-Behörden, berichtete CNN unter Berufung auf deutsche Geheimdienstkreise weiter. Jeden Tag liefere er “ein neues Stück des Puzzles“. Die deutschen Behörden erhielten allerdings erst in den nächsten Tagen Zugang zu dem Mann.

Festnahme nach Bombendrohungen in Paris

Der Eiffeltum war in den vergangenen drei Wochen nach Bombendrohungen zwei Mal geräumt worden. Die französische Polizei nahm am Montag einen Mann fest, der mehrerer Bombendrohungen in Paris verdächtigt wird. Der 53-Jährige wurde nach Behördenangaben in seiner Wohnung in Meudon südwestlich von Paris in Gewahrsam genommen. Unter anderem wird er mit einer Bombendrohung im Bahnhof Saint-Lazare in Verbindung gebracht. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht mitgeteilt. Die französischen Behörden haben im September neun Bombendrohungen in Paris registriert, darunter zwei am Eiffelturm. Sprengstoff wurde in keinem der Fälle entdeckt.

Am Mittwoch teilten Sicherheitskreise mit, Anschläge in Europa vereitelt zu haben, die in Pakistan geplant worden seien. Die Sicherheitsstufe wurde aber nicht erhöht. In Mumbai, auch unter dem früheren Namen Bombay bekannt, hatten islamische Terroristen 2008 gleichzeitig den Bahnhof, mehrere Luxushotels, ein jüdisches Zentrum und andere Ziele angegriffen. Die bewaffneten Angreifer ermordeten mindestens 166 Menschen. Die Sicherheitsbehörden in der indischen Finanzmetropole brauchten damals drei Tage, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Nach Überzeugung des Gerichts gehörten die Attentäter der pakistanischen Extremistengruppe Lashkar-e-Taiba an.

dapd

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