Ereignisse vom 6. Januar

Trump: Brisante SMS-Enthüllungen zum Kapitol-Sturm – selbst Sohn forderte Eingreifen des Ex-Präsidenten

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    VonAnna-Katharina Ahnefeld
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Bislang unveröffentlichte Textnachrichten vom 6. Januar malen ein schockierendes Bild. Selbst Trump-Sohn Donald Junior appellierte an seinen Vater.

Washington D.C. – Was ist am 6. Januar 2021 wirklich passiert? Vielen gilt die Erstürmung des US-Kapitols von Anhängern des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump als dunkler Tag der Geschichte, manchen gar als Putschversuch. Die Ereignisse haben sich in das kollektive Gedächtnis der USA eingebrannt. Am Ende standen fünf Tote, weltweite Schlagzeilen und eine erschütterte US-amerikanische Demokratie.

Seit Monaten arbeitet der neunköpfige Untersuchungsausschuss im US-Kongress an der Aufklärung. Bislang größtenteils im Verborgenen – doch neue Enthüllungen geben jetzt brisante Einblicke. Im Zentrum: Donald Trump*. Dass der Ex-Präsident mit seiner „Big Lie“, der Mär einer gestohlenen US-Wahl, zu einer Eskalation beitrug, darüber herrscht Konsens. In einem Impeachment-Verfahren wurde er aber freigesprochen. Dass Trump stundenlang nichts unternahm, um den Angriff auf das Kapitol zu beenden, ist jedoch Fakt. Erst im Sommer verklärte der Republikaner den 6. Januar und sprach gegenüber dem konservativen Fernsehsender Fox News mit blumigen Worten von „Liebe in der Luft“. Eine erneute, gefährliche Umdeutung der Fakten.

Eine Umfrage der Quinnipiac University vom Oktober 2021 zeigt derweil auf, dass zwei Drittel der Republikaner die Erstürmung des Kapitols* nicht als Angriff auf die Regierung bewerten. Und knapp 80 Prozent der Parteianhänger glaubten, dass Trump wenig bis keine Verantwortung für die Gewalteskalation trage. Neueste Informationen sprechen jedoch eine ganz andere Sprache.

Donald Trumps Rolle bei der Erstürmung des US-Kapitols: „Liebe in der Luft“

Denkt man zurück an den 6. Januar, erscheinen vor dem inneren Auge Bilder, die direkt aus einem Bürgerkrieg stammen könnten. Entfesselte, gewaltbereite Anhänger des damaligen Präsidenten, die Polizisten zusammenschlugen, durch das Kapitol, dieses Herzstück der US-Demokratie stürmten, für Fotos und Videos posierten und eine Spur der Verwüstung hinterließen.

Kontroverse Familienbeziehungen: Donald Trump Junior und Vater Donald Trump (Archivbild)

Erinnerungen, an eine regelrechte Hetzjagd auf Politikerinnen und Politiker kommen hoch. Die Schilderungen der linken demokratischen Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez, die um ihr Leben fürchtete. Der Tweet eines Reuters-Journalisten, der schrieb: „Ich habe mindestens drei verschiedene Randalierer im Kapitol gehört, die sagten, sie hätten gehofft, Vizepräsident Mike Pence* zu finden und ihn hinrichten zu lassen, indem sie ihn als Verräter an einem Baum auf dem Capitol Hill aufhängen.“ Auch Nancy Pelosi, demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, wurde mit dem Tod bedroht.

Ausgerechnet Marc Meadows, ehemaliger Stabschef von Trump, könnte zur Aufklärung der Rolle von Donald Trump* beitragen. Wie US-Medien berichteten, hat Meadows dem Gremium 9000 Seiten an Dokumenten übergeben, darunter zahlreiche SMS-Nachrichten aus dem inneren Kreis Trumps. Doch nachdem Meadows das Material bereits ausgehändigt hatte, weigert er sich nun, vor dem Untersuchungsausschuss auszusagen. Das Repräsentantenhaus stimmte daraufhin für eine Anklage gegen den ehemaligen Stabschef. Mit den Stimmen der demokratischen Mehrheit wurde der Fall am Dienstag (14. Dezember 2021) an den zuständigen Bundesstaatsanwalt verwiesen, der entscheiden muss, ob er Meadows wegen „versuchter Behinderung einer Untersuchung des Kongresses“ anklagt.

Trump: Brisante SMS-Enthüllungen zum 6. Januar – selbst Sohn forderte Eingreifen des Ex-US-Präsidenten

Doch die Schatztruhe an Dokumenten, die den Ex-Präsidenten belasten, befindet sich nun in den Händen des Gremiums. Sie sollen beweisen, dass zahlreiche Republikaner aus dem Kongress Nachrichten an Meadows, der sich im Weißen Haus aufhielt, schickten – und darin Donald Trump regelrecht panisch zum Handeln aufforderten. „Der Präsident muss das sofort stoppen“, zitierte am Montag die republikanische Abgeordnete Liz Cheney aus den Dokumenten. Das berichtete unter anderem die New York Times.

Auch Nachrichten von Donald Trump Junior befinden sich offenbar darunter. „Er muss diesen Scheiß sofort verurteilen“, schrieb der Trump-Sohn laut Politico an Meadows. „Wir brauchen eine Ansprache aus dem Oval Office. Er muss jetzt führen. Das ist alles zu weit gegangen und außer Kontrolle geraten“, heißt es darin weiter. Ein anderer Abgeordnete wurde deutlich: „Sagt ihnen, sie sollen nach Hause gehen.“ Und auch Fox-News-Moderatoren meldeten sich bei Marc Meadows. So simste etwa die Trump-Getreue Laura Ingraham: „Hey Mark, der Präsident muss den Leuten im Kapitol sagen, dass sie nach Hause gehen sollen … das tut uns allen weh … er zerstört sein Erbe.“

SMS-Nachrichten aus US-Kongress: Was wusste Donald Trump? Komitee auf der Suche nach der Wahrheit

„Hier oben auf dem Hügel ist es wirklich schlimm“, heißt es in einer anderen Nachricht. „Der Präsident muss das so schnell wie möglich stoppen“, schrieb eine weitere Person. „Bringt das jetzt in Ordnung“, forderte ein Abgeordneter. Doch erst gegen 16 Uhr veröffentlichte Donald Trump ein Video, in dem er seine Anhänger aufforderte, nach Hause zu gehen. Zu einem Zeitpunkt, als die Meute bereits seit Stunden durch den US-Kongress gewütet hatte.

Für Cheney, eine der wenigen Republikaner, die offen Trump kritisiert und im Untersuchungsausschuss tätig ist, steht die Schuldfrage fest. In ihrer Ansprache sagte sie weiter, Trump habe sich für 187 Minuten geweigert, einzugreifen – „zu einem Zeitpunkt, als das Handeln unseres Präsidenten benötigt, essentiell und durch den Eid auf unsere Verfassung, den er geleitest hatte, zwingend notwendig war.“ Und so kam sie zu einem klaren Urteil: „Das Weiße Haus wusste ganz genau, was beim Kapitol passiert. Parlamentarier, Journalisten und andere schrieben an Mark Meadows, dass ein Angriff im Gange war.“

Der Ausschuss machte am Dienstag deutlich, dass er versuche, Donald Trump eine Straftat nachzuweisen. Essentiell dafür wären unter anderem jedoch die Aussagen Marc Meadows. Er gilt als einer der wenigen Menschen, die aufklären könnten, warum Trump tatsächlich stundenlang von einem Eingreifen absah. „Hat Donald Trump durch Taten oder Unterlassen korrupt versucht, die offiziellen Verfahren des Kongresses zur Auszählung der Wählerstimmen zu behindern oder zu behindern?“, fragte Liz Cheney. Ob all das tatsächlich juristische Konsequenzen für Donald Trump haben dürfte, bleibt abzuwarten. (aka) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Douglas P. Defelice/afp

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