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Ukraine-Konflikt: Pentagon-Chef hält Russland für angriffsbereit - Putins Motive geben Rätsel auf

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Von: Christina Denk

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Seit Wochen ziehen russische Truppen an der Grenze zur Ukraine auf. Pentagon-Chef Lloyd Austin glaubt, Russland sei bereit für einen Angriff. Putins Motiv weiter unklar.

Kiew - „Sie sind nun bereit, zuzuschlagen“: Nach Angaben von US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat Russland in der Ukraine-Krise* die militärischen Voraussetzungen für einen Angriff auf die Ukraine geschaffen. „Russland hat seit Monaten seine Streitkräfte in und um die Ukraine aufgebaut, darunter auch in Belarus“, so der Pentagon-Chef am Samstag (19. Februar) in Litauen. „Sie entrollen sich“ und seien bereit. Die Truppen bewegten sich in die richtigen Positionen, um einen Angriff durchführen zu können.

Politiker befürchten baldigen Angriff Russlands auf die Ukraine - Gefahr „alles andere als gebannt“

US-Verteidigungsminister Austin sagte, er teile die Einschätzung von US-Präsident Joe Biden, wonach der russische Präsident Wladimir Putin* seine Entscheidung für eine Invasion in die Ukraine getroffen habe. Biden hatte im Ukraine-Konflikt zuletzt von einer Invasion „in den nächsten paar Tagen“ gesprochen. Die Gefahr eines Einmarsches sei „sehr hoch.“ Auch nach Einschätzung der Vereinten Nationen sind die Spannungen um die Ukraine „höher als je zuvor seit 2014.“ „In Europa droht wieder ein Krieg“, warnte auch Bundeskanzler Olaf Scholz* bei der Münchner Sicherheitskonferenz am Samstag. Die Gefahr eines Krieges in Europa sei „alles andere als gebannt“, warnte er.

Pentagon-Chef Lloyd Austin äußerte sich bei einem Besuch in Vilnius zur Ukraine-Krise. Er sieht Russland bereit für einen Angriff.
Pentagon-Chef Lloyd Austin äußerte sich bei einem Besuch in Vilnius zur Ukraine-Krise. Er sieht Russland bereit für einen Angriff. © PETRAS MALUKAS/AFP

Seit Wochen schürt ein massiver russischer Truppenaufmarsch mit nach westlichen Angaben inzwischen rund 150.000 Soldaten die Angst vor einem Einmarsch. Russland bestreitet mögliche Angriffspläne. Indes spitzt sich die Lage in der Ostukraine, wo sich die ukrainischen Streitkräfte und pro-russische Milizen seit acht Jahren bekämpfen, zu. Hier kommt es vermehrt zu Angriffen, Toten und Verletzten. Ein Friedensplan von 2015 unter deutsch-französischer Vermittlung wird nicht umgesetzt.

Ukraine-Konflikt: Politiker verständnislos über Putins Motiv - „Eigentlich will er all dies verhindern“

Die Lage ist angespannt. Dennoch betont Austin bei einem Besuch in Litauen, dass ein Konflikt „nicht unvermeidlich“ sei und Putin einen anderen Weg wählen könne. „Die Vereinigten Staaten haben ihm im Gleichschritt mit unseren Verbündeten und Partnern die Möglichkeit geboten, eine diplomatische Lösung anzustreben. Wir hoffen, dass er diese annimmt“, sagte Austin. „Wir hoffen, dass er von der Schwelle zum Konflikt zurücktritt, und wir hoffen, dass er deeskaliert“. Die diplomatischen Bemühungen sollten bis zur letzten Minute fortgesetzt werden, solange bis es nicht mehr geht, so der US-Verteidigungsminister. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte auf der Münchner Sicherheitskonferenz für diplomatische Lösungen geworben.

Unklar ist das Motiv von Präsident Putin. Für möglich wird gehalten, dass die russische Seite Ängste schüren will, um die Nato zu Zugeständnissen bei Forderungen nach neuen Sicherheitsgarantien zu bewegen. US-Außenminister Tony Blinken äußerte sich verständnislos über die Motive von Kremlchef Wladimir Putin. Alles, was Putin angeblich verhindern wollte, habe er beschleunigt, sagte Blinken der Süddeutschen Zeitung. So habe sich etwa die Mehrheit der Ukrainer von Russland abgewendet und befürworte nun eine Nato-Mitgliedschaft. Und auch die Stärkung der Nato sei allein Ergebnis der „aggressiven Maßnahmen“ Russlands. „Eigentlich will er all dies verhindern - aber nun führt er es herbei.“ Wie kam es zum Krisenmodus zwischen Ukraine und Russland*? Alle bisherigen Geschehnisse im Ukraine-Konflikt gibt es im News-Ticker. (chd/dpa/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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