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Hitzige Diskussion im russischen TV: Wladimir Putins Handlanger verzweifeln offenbar

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Von: Nail Akkoyun

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Im russischen Fernsehen erhitzen die Gemüter, als der Ukraine-Krieg diskutiert wird. Selbst Propaganda-Fachleute sehen allmählich der Realität ins Auge.

Moskau – Am Montag (9. Mai), als Russland auf dem Roten Platz in Moskau den Tag des Sieges feierte, sprach Wladimir Putin über den Krieg und wiederholte die Behauptung, das Nachbarland „vom Nazi-Dreck zu befreien, in der Zuversicht, dass der Sieg wie 1945 unser sein wird“. Putins Darstellung der Ukrainerinnen und Ukrainer als Nazis wird bereits seit Wochen propagiert, auch vom „Krieg“ ist offiziell nach wie vor nicht die Rede, sondern von einer „militärischen Spezialoperation“.

Vermutlich fand der Kreml diesen Ausdruck noch im Februar 2022 passend, ehe sich der erhoffte, fast schmerzlose Blitzkrieg, ähnlich wie bei der Annexion der Krim im Jahr 2014, zu einem blutigen Konflikt inklusive lähmender Sanktionen entwickelte. Der eigenen Fehleinschätzung zum Opfer gefallen, muss auch Moskau inzwischen eingestehen, dass man einen offenen Angriffskrieg führt – und nichts anderes.

Ukraine-Krieg: Russischer Politiker verlangt „Säuberungen“ in Russland

In der Freitagssendung (06. Mai) der russischen Talkshow „Der Abend mit Wladimir Solowjow“ argumentierte der Militäranalytiker Konstantin Siwkow, dass Russlands „derzeitiges marktwirtschaftliches System nicht geeignet ist, die Bedürfnisse unserer Streitkräfte und des gesamten Landes unter diesen Bedingungen zu erfüllen“. Wie die US-Nachrichtenwebsite The Daily Beast berichtet, plädierte Siwkow daher für „militärischen Sozialismus“: Eine Reihe von Regeln und Vorschriften, die alle strategischen Ressourcen des Landes unter die direkte Kontrolle der Regierung stellen würden. Eine letzte Möglichkeit, um den Ukraine-Krieg zu finanzieren?

Putin und Schoigu
Präsident Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu am 9. Mai. © Sergei Savostyanov/Imago Images

Moderator Wladimir Solowjow bemängelte zugleich, dass Russland mit dem scheinbar endlosen Nachschub an türkischen Bayraktar-Drohnen der Ukraine nicht konkurrieren könne. „Sie sagen uns von der Front: ‚Gebt uns Drohnen!‘ Die Leute sammeln über Crowdfunding verrückte Summen. Sie haben alles aufgekauft, was im Handel erhältlich war. Warum kann dieser Schrott nicht in Russland in Massenproduktion hergestellt werden?“, wetterte Solowjow.

„Alle schämen sich, über dieses Thema zu sprechen. Freiwillige, wie unsere gemeinsamen Partner, kaufen alles auf und transportieren es dorthin. Das ist eine Schande!“, sagte der Duma-Abgeordnete Semjon Bagdasarow, der ebenfalls Teil der Runde war.

Militärexperte: Selbst Massenmobilisierung würde im Ukraine-Krieg nicht helfen

Selbst eine Massenmobilisierung würde das Blatt im Ukraine-Krieg aus russischer Sicht derzeit nicht wenden, glaubt zumindest der pensionierte Oberst Michail Chodarjonok. In einer ebenfalls am Freitag ausgestrahlten Nachrichtensendung im russischen Fernsehen erläuterte Chodarjonok, dass es kontraproduktiv wäre, unerfahrene Massen mit veralteten Waffen in den Kampf zu schicken: „Es wäre nicht richtig, Leute mit Waffen von gestern in einen Krieg des 21. Jahrhunderts zu schicken, um gegen Nato-Waffen von globalem Standard zu kämpfen. Natürlich müssen wir unsere Verluste wieder auffüllen, aber das sollte durch Industrieunternehmen geschehen. Eine Mobilisierung würde diese Probleme nicht lösen.“ (nak)

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