Nahles noch chancenloser als Schulz?

Umfrage-Demütigung für Nahles - wird die Misere tatsächlich immer schlimmer?

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Gescheiterte Hoffnungsträger? Martin Schulz (li.) und seine Nachfolgerin Andrea Nahles neben Vizekanzler Olaf Scholz.

Die SPD kommt nicht aus ihrem Umfragetief heraus. Altkanzler Gerhard Schröder warnt seine Partei, jetzt einen bestimmten Kurs zu fahren.

Update vom 17. Dezember, 13.55 Uhr: Kurz nach der Wortmeldung von Altkanzler Gerhard Schröder (siehe unten) ist eine für die SPD ebenso bittere wie bezeichnende Umfrage publik geworden: Das Institut Forsa hat im Auftrag der Fernsehsender RTL und n-tv die Wahlchancen der neuen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in einer hypothetischen Kanzlerdirektwahl gegen verschiedene SPD-Größen abgeklopft. 

Das Ergebnis legt nicht nur nahe, dass die abgefragten SPD-Politiker durchweg chancenlos wären - sondern auch, dass die Misere der Sozialdemokraten aus Sicht der heutigen Wähler mit jeder Vorsitzenden-Generation der SPD etwas schlimmer zu werden scheint.

So würde der Umfrage zufolge die aktuelle SPD-Vorsitzende Andrea Nahles in einem Duell mit Kramp-Karrenbauer nur zwölf Prozent der Stimmen der Bundesbürger erhalten. Ihr Vorgänger Martin Schulz käme noch auf 16 Prozent der Stimmen. Dessen Vorgänger Sigmar Gabriel wiederum auf 21 Prozent.

Vor Gabriel, von Ende 2008 bis Ende 2009, war Franz Müntefering SPD-Chef - der 77-Jährige hat sich 2013 von der bundespolitischen Bühne verabschiedet und war deshalb nicht mehr Teil der Optionen in der Forsa-Umfrage. Immerhin: Nahles‘ Stellvertreter Olaf Scholz kam in der Erhebung im direkten Vergleich mit Kramp-Karrenbauer auf 20 Prozent.

Forsa hatte die Daten vom 10. bis 14. Dezember im Auftrag der Mediengruppe RTL bei 2507 Befragten erhoben.

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Ausgangsmeldung: SPD im Abwärtstrend - jetzt spricht Altkanzler Schröder ein Machtwort

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) warnt seine Partei vor einem Linksruck.

Berlin - Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat seine Partei vor einem Linksruck gewarnt und dazu aufgerufen, einen Mitte-Kurs beizubehalten. „Wenn die SPD etwas aus der Ära von Helmut Schmidt für heute lernen kann, dann ist es eines: Mehrheiten werden in der politischen Mitte gewonnen, nicht am Rand“, sagte Schröder der Deutschen Presse-Agentur anlässlich des 100. Geburtstags von Helmut Schmidt.

Der 2015 verstorbene Altkanzler Schmidt wäre am 23. Dezember 100 Jahre alt geworden. Wie auch Schröder bei seinen Wahlsiegen 1998 und 2002 konnte er gerade Wähler im politischen Zentrum überzeugen. In der SPD gibt es wegen des Umfrageabsturzes der Partei Strömungen, die in der Steuer- und Sozialpolitik nach links rücken wollen.

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Schröder fordert von der SPD mehr Wirtschaftskompetenz

„Mit seiner Politik konnte er breite Mehrheiten erreichen, weil er der SPD Kompetenz in den Bereichen Wirtschaft und innere Sicherheit verschaffte“, betonte Schröder. „Die Wählergruppe, die wir heute unter dem Begriff "Mitte" fassen, hat er bei den Bundestagswahlen 1976 und 1980 für die SPD mobilisiert.“

Schmidt habe den Menschen in seinem politischen Leben Orientierung gegeben, durch Handeln und durch Worte. „Er war auch bereit, durch konsequentes Reagieren des Staates schwierige Krisen zu meistern, zum Beispiel in Zeiten des RAF-Terrors.“ Der Hamburger hatte 1974 Willy Brandt als Kanzler abgelöst und hatte das Amt bis 1982 inne. Die SPD regierte damals in einer sozialliberalen Koalition mit der FDP. Schröder als bisher letzter SPD-Kanzler betonte, dass Schmidt prinzipientreu gewesen sei.

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Schröder: SPD solle sich Helmut Schmidt zum Vorbild nehmen

Auch wenn viele in der SPD gegen die atomare Nachrüstung mit dem Nato-Doppelbeschluss waren - so wie später bei Schröder gegen seine Hartz-Reformen - setzte sich Schmidt hier durch. In der Debatte sei er das Risiko eingegangen, seine Macht und die Unterstützung seiner Partei zu verlieren, sagte Schröder über Schmidts Unterstützung der USA gegen die Sowjetunion. „Er stellte das Wohl des Landes über das Wohl seiner Person und seiner Partei. Das war eine mutige und im Rückblick betrachtet auch richtige Entscheidung“, so Schröder.

SPD will Sozial- und Umweltpolitik neu justieren

Die SPD-Spitze hat neue Wege in der Sozialpolitik mit Alternativen zu Hartz IV beraten und will sich künftig stärker um Umwelt- und Klimathemen kümmern. „Unser Ziel ist es, und wir gehen jetzt in die Schlusskurve der programmatischen Erneuerung, auf der Jahresauftaktklausur am 10./11. Februar wirklich Entscheidungen zu treffen über die programmatische Neuaufstellung der SPD“, sagte Generalsekretär Lars Klingbeil nach einem Workshop des Vorstandes und der Bundesminister der Sozialdemokraten am Freitag in Berlin. Man habe bei 16 Regionalkonferenzen, Veranstaltungen im ganzen Land und beim Debattencamp mit knapp 3500 Leuten viele Ideen eingesammelt.

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dpa

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