Union will größere Bundeswehr als Guttenberg

Bundeswehr
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Derzeit dienen in der Bundeswehr 250 000 Soldaten.

Berlin - Nach der historischen Entscheidung der Unionsspitzen zum Aussetzen der Wehrpflicht geht es nun darum, wie groß die Truppe sein wird. Ganz so drastisch soll die Soldatenzahl aber nicht sinken.

Die Bundeswehr wird nicht so stark verkleinert wie Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit dem Abbau auf 163 500 Soldaten vorgeschlagen hat. “Wir haben gestern im Präsidium beschlossen, dass die Truppenstärke deutlich über das bisher Bekannte ausgedehnt werden muss“, sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt am Montag in Berlin. Die Zahl sei noch offen. “Aber es ist erkennbar, dass eine Truppenstärke von 163 000 Mann deutlich zu klein ist.“ Derzeit hat die Bundeswehr 250 000 Soldaten.

Soldat oder Zivi: Was die Promis machten

Soldat oder Zivi: Was die Promis machten

Bund oder Zivildienst. Diese Frage stellt sich allen jungen Männern, sobald der Musterungsbescheid ins Haus flattert. Jetzt wurden beide Dienste auf sechs Monate verkürzt. Wir zeigen, welcher Promi Soldat war und wer als Zivi diente. © dpa
Harald Schmidt leistete seinen Zivildienst im Pfarrbüro der Kirchengemeinde Nürtingen (Baden-Württemberg). Auf die Frage, warum er nicht zum Bund gegangen sei antwortete Schmidt: Weil Zivildienstleistende nicht mit der Waffe töten dürfen, versuchen sie es mit Essen auf Rädern. © dpa
Michael "Bully" Herbig dagegen leistete seinen Werhdienst mit der Waffe in der Hand beim Bund. © dpa
Der Terminator als Zivi? Absurde Vorstellung. Deswegen diente Arnold Schwarzenegger auch als Panzerfahrer beim österreichischen Bundesheer. Für eine Bodybuilding-Meisterschaft türmte er sogar aus seiner Kaserne. © dpa
Moderator und Musiker Götz Alsmann war ebenfalls beim Bund. Seine heutige Frisur passte aber wohl nicht unter den Helm. © dpa
Tote-Hosen-Sänger Campino war dagegen Zivi. Er leistete seinen Dienst in der Rheinischen Landesklinik für Psychiatrie in Düsseldorf. © dpa
Moderator und Promi-Versteher Reinhold Beckmann war Zivi in einer Jugendbildungseinrichtung. © dpa
Entertainer Thomas Gottschalk war weder Soldat noch Zivi. Er wurde als Halbwaise ausgemustert. © dpa
Gottschalks Kollege Günther Jauch entkam dem staatlichen Zwangsdienst aus einem ganz anderen Grund: Er lebte in Berlin - die Stadt war durch das Viermächteabkommen entmilitarisiert. West-Deutsche mit Wohnsitz im Westteil Berlins wurden nicht eingezogen. © dpa
RTL-Moderator Oliver Geissen ging dagegen zum Bund und robbte mit dem Gewehr in der Hand über den Boden. © dpa
Komiker Dirk Bach leistete seinen Zivildienst in Köln. © dpa
Unser Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) diente selbstverständlich in der Bundeswehr. Er leistete seinen Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald. © dpa
Nationalspieler Lukas Podolski diente dem deutschen Staat als Zivi. Von April bis Dezember 2005 leistete Poldi seinen Zivildienst mit einer Sonderregelung für Spitzensportler von 15 Stunden pro Woche - und zwar im Olympia-Stützpunkt im heimatlichen Köln. © dpa
Auch Poldis Nationalmannschaftskollege Per Mertesacker war Zivi. Er diente in einer geschlossenen Anstalt für Geistigbehinderte. Mertesacker: "Für mich war das ein guter Ausgleich neben dem Fußball." © dpa
Der King of Rock 'n' Roll diente als G.I. für die US-Army in Deutschland. Elvis Presley leistete seinen Wehrdienst unter anderem von 1958 bis 1960 im Panzerbatallion der 3rd Armored Division in Friedberg (Hessen). © dpa
DSDS-Gewinner Alexander Klaws wurde wegen einer Wespengift-Allergie ausgemustert. © dpa
Sat1-Moderator Kai Pflaume war Soldat. Er diente in der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR. © dpa
"Isch hab' gedient", kann Hape Kerkeling sein. Und zwar als Zivi. © dpa
War ebenfalls Zivildienstleistender: Schwimmstar Paul Biedermann. © dpa
RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel kennt dagegen den Drill auf dem Kasernenhof: Er war bei der Bundeswehr. © dpa
Auch Starkoch Johann Lafer war Soldat. Er diente im österreichischen Bundesheer. © dpa
Ex-Nationalspieler Marco Bode war Zivi. Nach eigenen Angaben erfuhr er im Altenheim „wahren Wert der Gesundheit und Jugend“. © dpa
Moderator Stefan Raab leistete 1986/1987 seinen Grundwehrdienst bei der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums in Köln-Wahn ab. © dpa
Komiker Hans Werner Olm entging seiner Einberufung, indem er nach West-Berlin zog: „Ich hatte keine Lust auf Bundeswehr. Und in Berlin war man davon befreit.“ © dpa
Ex-Boxweltmeister Henry Maske war Soldat in der DDR. Er brachte es sogar zum Offizier der NVA. © dpa
Im Westen diente Moderator Jürgen von der Lippe beim Bund. Und zwar in Olivgrün. Hawaii-Hemden sind im Manöver eher unpraktisch. © dpa
Schauspieler Til Schweiger leistete kurzzeitig seinen Wehrdienst beim Bund. Dann verweigerte er den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen und wurde Zivi im Krankenhaus. © dpa
Muskelmann Ralf Möller dagegen zog seinen Wehrdienst beim Bund durch. Er berichtet: "Ich habe meinen Wehrdienst bei den Pipeline-Pionieren absolviert, von 1979 bis 1981, Bataillon 840 in Wuppertal-Elberfeld." © dpa
BAP-Sänger Wolfgang Niedecken diente als Zivi. Er wurde in der Altenbetreuung und beim Essen auf Rädern in Köln eingesetzt. © dpa
Rodel-Olympiasieger Georg Hackl war Sportsoldat bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Bischofswiesen. Er brachte es bis zum Dienstgrad eines Stabsfeldwebels. © dpa
Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) war zwar ein guter Fußballspieler und bestimmt tauglich. er wurde aber als Sohn einer Kriegerwitwe nicht eingezogen. © dpa
Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) Philipp Rösler war Sanitätsoffizier bei der Bundeswehr. © dpa
Grünen-Fraktionsvorsitzender musste nach dem Abitur zunächst zum Bund. Seine Kriegsdienstverweigerung war zunächst nicht anerkannt worden. Er klagte sich allerdings in den Zivildienst und arbeitete in einem Heim für schwer erziehbare Jungen bei Bremen. © dpa
Komiker Mike Krüger ging zum Bund. Er war Funkfernschreiber bei der Marine in Glücksburg, Flensburg sowie beim Marinefliegergeschwader 1 (MFG1) in Kropp/Jagel. © dpa
CSU-Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber sitzt auf diesem Bild zwar im Panzer. Er absolvierte seinen Grundwehrdienst aber bei der Gebirgsdivision in Mittenwald und Bad Reichenhall. © dpa
Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele diente beim Bund. Er lehnte aber die übliche Beförderung zum Gefreiten ab. © dpa
Er hatte ein Gewehr in der Hand und war ein Soldat: Komiker Bernd Stelter war in Unna-Königsborn im Nachschub-Bataillon stationiert. © dpa

Die Spitzen von CDU und CSU setzten ihre gemeinsame Sitzung fort. Die Unionspräsidien hatten sich am Sonntagabend auf die historische Aussetzung der Wehrpflicht nach ihrer Einführung vor 53 Jahren geeinigt. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte, mit der Aussetzung der Wehrpflicht verliere die Union kein Markenzeichen. “Eine starke Bundeswehr ist Markenkern von CDU und CSU.“ Die Union sei für das Aussetzen der Einberufung junger Männer zum Wehrdienst, “weil wir überzeugt sind, dass wir mit den Umstrukturierungen für neue Herausforderungen - Stichwort internationale Friedenseinsätze - unsere Bundeswehr stärker machen“.

Das Verteidigungsministerium strebt nach eigenen Angaben keinen Kahlschlag bei Bundeswehr-Standorten im Rahmen der Bundeswehrreform an. Der Parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) sagte im Bayerischen Rundfunk: “Wir wollen keine Megastandorte bilden.“ Zur Forderung der Unions-Präsidien nach mehr Soldaten als 163 500 sagte er: “Das wird allerdings zu finanzieren sein.“

Über die Reform des an die Wehrpflicht gekoppelten Zivildienstes gibt es noch Differenzen in der Union. Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) und Bundesfamilienstaatssekretär Josef Hecken (CDU) gerieten am Sonntag aneinander. Haderthauer fordert mehr Geld für Freiwilligendienste in den Ländern und will Doppelstrukturen vermeiden, wenn ein neuer freiwilliger Dienst eingeführt wird.

Am Montag sagte Haderthauer: “Wir haben gestern einmütig ein Papier zum Zivildienst verabschiedet, in dem wir begrüßen, dass auch der Bund dazu beitragen wird, dass freiwilliges Engagement ausgebaut wird.“ Mehrere Präsidiumsmitglieder hätten nach Heckens Ausführungen Bedenken geäußert, dass die bewährten freiwilligen Dienste der Länder wie das Freiwillige Soziale Jahr oder das Freiwillige Ökologische Jahr unter Druck kommen könnten.

“Das wollen wir auf jeden Fall verhindern. Das war einhelliges Ergebnis der Sitzung“, sagte die Sozialministerin. Einen Konflikt mit Familienministerin Kristina Schröder (CDU) gebe es nicht. Dobrindt sagte: “Wer sich wie darum künftig kümmert, ob der Bund oder die Länder oder beide gemeinsam, ist offen.“ Bayern fordert, dass der Bund für die Jugendfreiwilligendienste der Länder die gleichen Mittel gibt wie für einen geplanten freiwilligen Zivildienst. Hecken hatte am vergangenen Freitag mehr Geld angekündigt, eine gleiche Höhe aber offengelassen.

FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger begrüßte die Entscheidung zur Wehrpflicht. “Die Wehrpflicht muss endlich ausgesetzt werden“, teilte sie mit. “Sie ist sicherheitspolitisch nicht mehr begründbar. Eine Wehr- oder Dienstgerechtigkeit ist nicht mehr gegeben.“

dpa

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