1. kreisbote-de
  2. Politik

Kapitol-Ausschuss sieht absichtliche Trump-Eskalation: „Gelogen, gemobbt, Eid verraten“

Erstellt:

Von: Andreas Schmid

Kommentare

Der Sturm auf das Kapitol: Was wusste Ex-Präsident Donald Trump?
Der Sturm auf das Kapitol: Was wusste Ex-Präsident Donald Trump? © IMAGO/Pacific Press Agency/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS/AFP

Neue Details zum Sturm aufs Kapitol: Laut U-Ausschuss forcierte Trump die Ausschreitungen am 6. Januar. „Er hat sich entschieden, nicht zu handeln.“

Washington, D.C. - Donald Trump wollte am 6. Januar 2021 offenbar unter allen Umständen seine Macht sichern. Der Untersuchungsausschuss zum Sturm aufs Kapitol rückt den Ex-Präsidenten jedenfalls in ein immer schlechteres Licht. Die neuesten Vorwürfe: absichtliche Untätigkeit und bewusste Eskalation.

Ausschuss wirft Trump absichtliche Eskalation vor: „Gelogen, Gemobbt, Eid verraten“

Der Ausschussvorsitzende Bennie Thompson sagte in der Sitzung am Donnerstagabend (Ortszeit), Trump habe nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2020 „alles in seiner Macht Stehende getan, um eine Wahl zu kippen“. Konkret: „Er hat gelogen, er hat gemobbt, er seinen Eid verraten. Er hat versucht, unsere demokratischen Institutionen zu zerstören.“ Der Abgeordnete der Demokraten sprach ferner von einem „Pfad der Rechtlosigkeit und Korruption“.

Der U-Ausschuss veröffentlichte auch Aufnahmen von Aussagen früherer Mitarbeiter des Weißen Hauses. Der damalige oberste Rechtsberater des Weißen Hauses, Pat Cipollone, sagte aus, er und andere hätten Trump aufgefordert, seine Anhänger zum Verlassen des Kapitols aufzurufen. „Ich denke, ich habe ziemlich deutlich gemacht, dass eine sofortige und eindringliche öffentliche Erklärung nötig war, dass die Leute das Kapitol verlassen müssen.“ Trump soll allerdings auch den Rat seiner engsten Vertrauten ignoriert haben.

Sturm aufs Kapitol

Die Kapitol-Erstürmung mit fünf Toten und rund 140 verletzten Polizisten sorgte weltweit für Entsetzen und gilt als „einer der dunkelsten Tage in der Geschichte unserer Nation“ (Joe Biden). Der Untersuchungsausschuss hält seit Wochen eine Reihe öffentlicher Anhörungen ab, um die damaligen Vorgänge aufzudecken. Ob Trump selbst geladen wird, ist noch unklar.

Sturm aufs Kapitol: „Trump hat sich entschieden, nicht zu handeln“

Der U-Ausschuss befasste sich mit den unmittelbaren Ereignissen am Tag der Kapitalerstürmung: Wie konnte sich ein wütender Mob bilden? Warum hat Trump nicht interveniert?

Der republikanische Abgeordnete Adam Kinzinger sagte, Trump habe sich am 6. Januar drei Stunden lang geweigert, die Angreifer auf das Kongressgebäude zurückzurufen – und damit seinen Amtseid verletzt. „Von der Behaglichkeit seines Speisesaals aus hat er Fernsehen geschaut, während der Angriff eskalierte.“ Nicht einzugreifen sei kein Versehen des damaligen Präsidenten gewesen, sagte der parteiinterne Trump-Kritiker. „Er hat sich entschieden, nicht zu handeln.“

Der „Mob“ habe mit der Erstürmung des Kapitols die Zertifizierung von Bidens Wahlsieg unterbrochen – und damit das Ziel des abgewählten Präsidenten erfüllt. „Deswegen ist er natürlich nicht eingeschritten.“ Trump habe sich erst dann entschlossen, seine Anhänger zum Verlassen des Kapitols aufzufordern, als klar wurde, dass ihre Versuche, die Bestätigung der Wahl durch den Kongress zu stören, erfolglos bleiben würden.

Trumps mögliche Kandidatur zur US-Wahl: „Er hat sich disqualifiziert“

Die neuen Vorwürfe erfolgen inmitten zunehmender Spekulationen einer Trump-Kandidatur für die US-Wahl 2024. Offiziell bestätigte der Republikaner einen erneuten Anlauf auf das Weiße Haus noch nicht, heizte die Gerüchte in der Vergangenheit jedoch mehrmals an. Trump hat innerhalb des republikanischen Lagers nach wie vor Unterstützung, gerade in konservativen Kreisen. Es mehren sich jedoch die Kritiker in den eigenen Reihen. Womöglich gibt es bald ein entscheidendes Duell mit seinem früheren Vize Mike Pence.

Liz Cheney, die republikanische stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, sprach sich am Donnerstag gegen eine erneute Trump-Kandidatur aus. Der Sturm aufs Kapitol sollte ihn von seinem Amt „disqualifizieren“. Rhetorisch fragte Cheney: „Jeder Amerikaner muss darüber nachdenken: Kann man einem Präsidenten, der bereit ist, die Entscheidungen zu treffen, die Donald Trump während der Gewalttätigkeiten am 6. Januar getroffen hat, jemals wieder eine Autoritätsposition in unserer großen Nation anvertrauen?“ (as mit Material der dpa)

Auch interessant

Kommentare