Verdacht: Tschetschenen-Präsident gab Auftrag zum Mord

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Soll laut Staatsanwaltschaft wahrscheinlich den Auftrag zur Entführung oder Tötung eines regierungskritischen Tschetschenen in Wien gegeben haben: Der tschetschenische Präsident Ramsam Kadyrow.

Wien - Der tschetschenische Präsident Ramsam Kadyrow hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft wahrscheinlich den Auftrag zur Entführung oder Tötung eines regierungskritischen Tschetschenen in Wien gegeben.

Allerdings reichten die Beweise für eine Anklage nicht aus, führte die Staatsanwaltschaft am Dienstag zum Auftakt des Prozesses um den Mord an Asylbewerber Umar Israilow aus. Menschenrechtsorganisationen messen dem Prozess große Bedeutung bei.

Der 27-Jährige Flüchtling war am 13. Januar 2009 im Wiener Stadtteil Floridsdorf in der Nähe seiner Wohnung mit mehreren Schüssen in den Rücken getötet worden. Er hatte zuvor den umstrittenen, aber vom Kreml unterstützten Präsidenten der russischen Teilrepublik vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagt. Israilow hatte sich 2001 in seiner Heimat Tschetschenien gegen die russische Besatzungsmacht engagiert und war 2003 in deren Hände gefallen. Damals soll ihn Kadyrow persönlich schwer gefoltert haben.

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Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen begann am Morgen der Prozess gegen drei Männer, die an Organisation und Ausführung der Tat beteiligt gewesen sein sollen. Als zentraler Hintermann der Tat gilt ein Tschetschene, der sich nach einer Namensänderung Otto K. nennt und ein enger Freund von Kadyrow sein soll. Staatsanwalt Leopold Bien zeigte vom Handy sichergestellte Bilder von K. und Kadyrow, die beide Männer in Freizeitkleidung in Umarmung zeigen.

Der Todesschütze, der ein tschetschenischer Auftragskiller sein soll, flüchtete nach dem Mord nach Tschetschenien und ist laut Staatsanwalt dort nun im gehobenen Polizeidienst tätig. “Man könnte meinen, er sei für seine Tat belohnt worden“, sagte Bien. Aus der ganzen Vorgeschichte sei abzuleiten, dass ein politischer Auftrag für die Tat bestand. Wegen der umfangreichen Organisation geht die Staatsanwaltschaft aber davon aus, dass Israilow zuerst hätte entführt werden sollen. Bei etwaigen Problemen sei sein Tod aber immer die Alternative gewesen.

dpa

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