Atomwaffen: USA verraten streng gehütetes Geheimnis 

+
Das Treffen in New York begann mit einem Schlagabtausch zwischen dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und US-Außenministerin Hillary Clinton (Foto).

New York - Bislang wurde die Zahl gehütet wie ein Staatsgeheimnis. Nun haben die USA in New York bei einer UN-Konferenz verraten, wie viele Atomsprengköpfe sie besitzen.

Die USA verfügen nach eigenen Angaben über 5.113 Atomsprengköpfe. Hinzu kommen Tausende, die zerstört werden sollen. Im Rahmen der UN-Konferenz zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrages veröffentlichte das Pentagon am Montag erstmals eine Statistik zu den Waffen. Bislang wurden derartige Informationen als streng geheim eingestuft.

Das Treffen in New York begann mit einem Schlagabtausch zwischen dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und US-Außenministerin Hillary Clinton. Clinton sagte vor Journalisten in New York, es sei im eigenen Sicherheitsinteresse, beim Atomprogramm so transparent wie möglich zu sein.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sank die Zahl der Atomsprengköpfe seit dem Ende des Kalten Krieges 1989 um 75 Prozent. Bei den 5.113 Sprengköpfen sind strategische - also Langstreckenwaffen - und solche für eine kurze Entfernung enthalten. Eine grobe Zählung der Atomwaffen gibt es schon seit Jahren. Neu ist die Offenheit der US-Regierung damit. Clinton sagte, der Schritt zeige, dass die Regierung von Barack Obama die Verbreitung von Atomwaffen ernsthaft stoppen und die Zahl verringern wolle.

Genaue Zahl weiter unbekannt

Bei den gut 5.000 Sprengköpfen sind aktuell verfügbare und Waffen in Depots enthalten. Tausende, die deaktiviert wurden, könnten aber theoretisch immer noch genutzt werden. Schätzungen zufolge könnten die USA insgesamt zwischen 8.000 und über 9.000 der Waffen besitzen. Mit der Veröffentlichung will die Regierung andere Länder bewegen, ebenfalls mehr Zahlen offenzulegen. So verrät China bislang sehr wenig über die Zahl seiner Atomwaffen. Experten gehen davon aus, dass es weltweit insgesamt mehr als 22.000 Atomsprengköpfe gibt.

Zu Beginn der Konferenz sorgte der iranische Präsident Ahmadinedschad mit scharfen Angriffen gegen die USA für einen handfesten Krach. Er warf in seiner Rede den Vereinigten Staaten vor, sein Land mit Atomwaffen zu bedrohen. Die US-Delegation und mehrere europäische Abordnungen verließen bei diesen Ausführungen aus Protest den Saal. “Bedauerlicherweise sind die USA nicht nur das einzige Land, das Atomwaffen eingesetzt hat, sondern drohen auch noch weiter deren Einsatz gegen andere Staaten an, darunter der Iran“, sagte Ahmadinedschad, der als einziger Staatschef an der vierwöchigen Konferenz teilnimmt. Der iranische Präsident wies erneut den Vorwurf zurück, sein Land strebe nach dem Besitz von Nuklearwaffen. Dafür gebe es “keinen einzigen glaubhaften Beweis“, sagte er.

Clinton dagegen warf dem Iran erneut die Missachtung internationaler Regeln vor und forderte eine harte Bestrafung. Zur Stärkung des 1970 in Kraft getretenen Vertrags über die Nichtverbreitung von Atomwaffen schlug die Außenministerin mit Blick auf den Iran eine automatische Bestrafung jener Vertragsstaaten vor, die das Abkommen verletzen. Bislang muss sich der Weltsicherheitsrat auf Strafmaßnahmen verständigen. Derzeit bemühen sich die USA und ihre Verbündeten um eine Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran. Die Konferenz in New York dauert bis zum 28. Mai. Ein solches Treffen zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrags findet alle fünf Jahre statt.

dapd

Auch interessant

Meistgelesen

NSU-Prozess: Plädoyer stockt - das ist der Grund
NSU-Prozess: Plädoyer stockt - das ist der Grund
Neuregelung von Obamacare: Republikaner scheitern erneut
Neuregelung von Obamacare: Republikaner scheitern erneut
Bundesfinanzminister Schäuble vergleicht die Türkei mit der DDR
Bundesfinanzminister Schäuble vergleicht die Türkei mit der DDR
So vulgär beschimpft Trumps neuer Pressechef seine Kollegen im Weißen Haus
So vulgär beschimpft Trumps neuer Pressechef seine Kollegen im Weißen Haus

Kommentare