Wechselt Roland Koch in die Baubranche?

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Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) in einem Bagger (Archivbild). Koch wechselt möglicherweise in die Baubranche.

Wiesbaden - Roland Koch hat schon immer gern gebaut. Deshalb könnten Hessens Ex-Ministerpräsident und der Baukonzern Bilfinger Berger zueinander passen. Doch es gibt auch Kritik an einem raschen Wechsel von Regierungsamt zu Wirtschaftsjob.

Notfalls kann Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch (CDU) mit Mörtel und Kelle umgehen. In den 80er Jahren mauerte der damalige Jungpolitiker einen neuen Briefkasten an seinem Haus in Eschborn - der alte Briefschlitz war zu eng für die Akten. Zwar dürfte diese Qualifikation allein kaum für den Vorstandsvorsitz bei Bilfinger Berger ausreichen, trotzdem ist Koch (52) seit Wochen bei Deutschlands zweitgrößtem Baukonzern im Gespräch.

Am kommenden Freitag will der Aufsichtsrat, geführt vom früheren Dresdener-Bank-Chef Bernhard Walter, über einen Nachfolger für den ausscheidenden Konzernlenker Herbert Bodner entscheiden. “Der ehemalige hessische Ministerpräsident ist Favorit für den Posten“, schrieb die “Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Diese CDU-Männer sind zurückgetreten

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Seit Koch im Mai überraschend seinen Rückzug aus der Politik ankündigt hatte, um in die Wirtschaft zu gehen, wurde über einen Job für ihn gerätselt. Viele erwarteten ihn als gut vernetzten Wirtschaftsanwalt einer großen Kanzlei oder in der Finanzbranche. Doch es würde zu Kochs Ehrgeiz passen, seine Managerqualitäten in der “realen Wirtschaft“ beweisen zu wollen.

Für den M-Dax-notierten Baukonzern in Mannheim erbrachten 68 000 Mitarbeiter im vergangenen Jahr Leistungen von 10,4 Milliarden Euro. Zugestanden: Die hessische Landesverwaltung mit 80 000 Landesbeamten und 45 000 Angestellten ist größer, der jährliche Etat mit 21,5 Milliarden Euro liegt höher. Dafür wird ein Vorstandsvorsitzender besser bezahlt: Nach “Focus“-Angaben soll Koch 1,5 Millionen Euro jährlich verdienen.

Schon im August hatte die “Bild“-Zeitung auf der Titelseite Koch mit Bilfinger Berger in Verbindung gebracht. Der damals noch amtierende Ministerpräsident ließ dementieren. Vergangene Woche bestätigte Walter, dass man mit Koch als einem Kandidaten spreche.

Als möglicher Hinderungsgrund für seinen Wechsel zu dem Baukonzern wird in der Branche fehlender Stallgeruch gesehen. Andererseits hat Koch als Regierungschef viel Erfahrung mit Großprojekten gesammelt. “Ein Ministerpräsident darf und manchmal muss er auch bauen“, sagte er kurz vor seinem Abschied. Das habe ihm Spaß gemacht. In seiner Amtszeit setzte er nicht nur die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen durch, er ließ seine Staatskanzlei und die Hessischen Staatsweingüter neu bauen, auch Landtag und Staatsgerichtshof bekamen neue Gebäude. Dabei sah sich Koch durchaus als Bauherr, der eigene Ideen umgesetzt sehen wollte.

Bei einigen hessischen Großbauten spielt Bilfinger Berger eine Rolle. Der Konzern betreibt die Commerzbank-Arena in Frankfurt, er baut an der neuen Landebahn des Flughafens mit. Deshalb hob die Anti- Korruptions-Organisation Transparency International mahnend den Zeigefinger; die hessischen Grünen kritisierten, der Job für Koch habe ein “Geschmäckle“. Der Flughafenbetreiber Fraport und mittelbar Bilfinger Berger hätten von der Entscheidung des Landes für den Flughafenausbau profitiert. Bei dem Milliardenprojekt ist Bilfinger Berger nach Fraport-Angaben indes nur für die 80 Millionen Euro teure Betondecke der Landebahn zuständig.

Außerdem wird es bei Bilfinger Berger zukünftig weniger ums Bauen gehen. Bodner, der Mitte 2011 ausscheidet, hat bereits angefangen, den Sektor Dienstleistungen auszubauen. Dies müsste Koch fortsetzen. Ein schwieriges Kapitel ist für den Konzern noch nicht abgeschlossen: Er steht in der Kritik wegen des Pfuschs beim Bau der Kölner U-Bahn, wo 2009 das Stadtarchiv einstürzte.

Sollten sich Koch und Bilfinger Berger füreinander entscheiden, dürfte die Spekulation entfallen, ob der bisherige CDU-Bundesvize noch einmal in die Politik zurückkehrt. Hessische Parteifreunde hoffen immer noch, er werde sich für einen leichter kündbaren Posten als Wirtschaftsanwalt entscheiden. Doch von einem Chefposten auf dem Bau verabschiedet man sich nicht mehr so einfach Richtung Berlin.

Von Friedemann Kohler

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