Viele weitere Staaten mit an Bord

Weltklimagipfel in der Verlängerung: NGOs fordern Bekenntnis von Merkel

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Eine Koalition von mehreren Staaten forderte am Freitag beim Weltklimagipfel in Kattowitz „mehr Ambition“ - auch Umweltministerin Svenja Schulze posierte für ein symbolisches Foto.

Der Weltklimagipfel in Kattowitz droht ein neuerlicher Flop zu werden. Umweltministerin Schulze will gegensteuern - offenbar ohne formale Rückendeckung der Bundesregierung.

Update vom 14. Dezember, 21.55 Uhr: Hartes Ringen und eindringliche Appelle: Wegen fortbestehender Konflikte ist die UN-Klimakonferenz in Kattowitz in die Verlängerung gegangen. Am Freitagabend verhandelten die Teilnehmer weiter über die künftige Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Ein Bündnis aus Entwicklungs- und Industrieländern, dem sich auch Bundesumweltminister Svenja Schulze (SPD) anschloss, rief die Verhandler zu mehr Ehrgeiz auf. 

Vertreter der sogenannten High Ambition Coalition (etwa Hochambitionierte Koalition) entrollten gemeinsam ein Transparent mit der Aufschrift "Zusammen für mehr Ambition". Das Bündnis habe bereits 2015 in Paris auf "ein starkes Abkommen" gedrungen, sagte Schulze. "Und heute senden wir erneut ein klares Signal."

Zum Verhandlungsstand sagte Schulze, es werde "eine sehr, sehr lange Nacht" werden, aber sie sei "optimistisch". Mit der Vorlage eines Abschlusstext-Entwurfs in der Nacht zu Donnerstag hatte Konferenz-Präsident Michal Kurtyka die Schlussrunde eingeläutet. Allerdings gab es weiterhin ungelöste Streitpunkte.

Aus Sorge vor einem Scheitern der Konferenz reiste UN-Generalsekretär Antonio Guterres zum dritten Mal seit dem Konferenzbeginn Anfang Dezember nach Kattowitz. Er versuchte die Verhandlungen mit einer Reihe bilateraler Gespräche zu unterstützen. Der maledivische Delegationsleiter und Ex-Präsident Mohammed Nasheed mahnte: "Wir haben nicht den Luxus (zu warten), wir müssen handeln und zwar jetzt."

Weltklimagipfel: NGOs fordern Bekenntnis von Merkel

Update vom 14. Dezember, 21.04 Uhr: In der entscheidenden Phase der Klimaverhandlungen in Kattowitz haben sich mehrere Umweltorganisationen in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt und ihre Unterstützung für ehrgeizige Klimaziele gefordert. Der Erfolg der 24. UN-Klimakonferenz stehe "auf der Kippe", erklärten Germanwatch, Greenpeace Deutschland, WWF Deutschland und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Freitagabend in Kattowitz. "Deshalb wenden wir uns mit einem öffentlichen Appell an Sie."

Die Organisationen verwiesen darauf, dass Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Mittwoch im Rahmen der sogenannten High Ambition Coalition mit Regierungsvertretern anderer Staaten angekündigt hatte, die nationalen Klimaschutzziele bis zum Jahr 2020 zu erhöhen. Am Freitagabend rief das Bündnis erneut zu mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderwärmung auf. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte am Donnerstagabend im ZDF gesagt, Schulze könne sich dieser Idee bei der Weltklimakonferenz in Kattowitz zwar anschließen, es entscheide aber letztlich die Bundesregierung.

Merkel müsse daher Stellung beziehen, forderten die Umweltorganisationen. "Ohne eine klare Positionierung Deutschlands" drohe der Vorstoß des Bündnisses der im Klimaschutz besonders ehrgeizigen Länder zu scheitern, "ein einigermaßen ambitioniertes Ergebnis in Kattowitz zu erreichen".

"Wir bitten Sie deshalb dringend, als Kanzlerin klarzustellen, dass die deutsche Bundesregierung hinter diesen ambitionierten Zielen und Ankündigungen steht", hieß es in dem Appell weiter. Dies sei "notwendig, um diese Konferenz zu einem Erfolg zu führen".

Erstmeldung

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) beim Weltklimagipfel in Kattowitz

Kattowitz  - Im Endspurt der Weltklimakonferenz hat Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sich mit Vertretern vieler anderer Staaten dafür ausgesprochen, bis 2020 ehrgeizigere Klimaschutzpläne vorzulegen. Das Bündnis kam damit am Mittwochabend im polnischen Kattowitz (Katowice) einer zentralen Forderung der von der Erderwärmung bedrohten Länder und Klimaschutz-Organisationen entgegen. 

Umweltministerin Schulze fordert in Kattowitz Verbesserungen - spricht aber offenbar nicht für ganze Regierung

Konkrete Klimaschutz-Versprechen enthält die Erklärung der sogenannten High Ambition Coalition (Koalition für großen Ehrgeiz) aber nicht - es handelt sich auch nicht um eine Zusage der gesamten Bundesregierung.

Die Unterzeichner versicherten, dass sie die Absicht hätten, ihre nationalen Zusagen im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens nachzuschärfen und im Kampf gegen die Erderwärmung auch kurzfristig nachzulegen.

Ihre wichtigste Priorität sei, die Klimakonferenz zu einem Erfolg zu machen, sagte Schulze. „Wir müssen unser Handeln im Klimaschutz auf den Prüfstand stellen und verbessern.“

Weltklimagipfel in Kattowitz: Nur noch zwei Tage - Verhandlungen laufen schleppend

Die Konferenz soll am Freitag enden, die Verhandlungen laufen schleppend. Klimaschützer hatten kritisiert, dass zwar viel über die Regeln für die praktische Umsetzung des Pariser Klimaabkommens gesprochen werde, aber die Staaten sich mit konkreten Zusagen zum Einsparen von Treibhausgasen zurückhielten.

Die Erklärung wurde neben Schulze und EU-Kommissar Miguel Arias Cañete mitgetragen von Vertretern aus Argentinien, Kanada, Dänemark, Costa Rica, Äthiopien, Fidschi, Finnland, Frankreich, Grenada, Jamaika, Luxemburg, Mazedonien, Italien, Mexiko, Portugal, Spanien, Großbritannien, Schweden, Monaco, den Niederlanden, Neuseeland, Norwegen, St. Lucia und den Marshallinseln.

Lesen Sie auch: Bericht warnt vor enormen Schäden für US- und Weltwirtschaft durch Klimawandel

dpa/fn

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