Westen fiel wohl auf falschen Taliban-Führer herein

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Der afghanische Präsident Hamid Karsai und dessen westliche Verbündete sind offenbar auf einen Taliban-Hochstapler hereingefallen.

Washington - Peinliche Posse in Afghanistan: Ein vermeintlich hochrangiger Taliban-Führer bei den Friedensgesprächen mit der afghanischen Führung war nach einem Bericht der “New York Times“ ein Schwindler.

Dass der afghanische Präsident Hamid Karsai und dessen westliche Verbündete auf einen Hochstapler hereinfielen, sei erst aufgeflogen, nachdem der Mann eine beachtliche Summe an westlichem Geld eingestrichen habe. Damit sollte er der Zeitung zufolge zur weiteren Teilnahme an den Gesprächen ermutigt werden.

Es sei ein Vorfall wie aus einem Spionagethriller, schrieb die “New York Times“ am Dienstag. Demnach glaubten Karsai und die Nato, die die geheimen Treffen unterstützt, dass es sich bei dem Gesprächspartner um Mullah Achtar Muhammad Mansur handelte. Er gilt als eine führende Person in der Taliban-Bewegung, manche hielten ihn gar für die Nummer Zwei nach Mullah Mohammed Omar.

Es habe drei Treffen mit dem Mann gegeben, berichtete das Blatt unter Berufung auf afghanische und westliche Beamte. Der falsche Mullah Mansur sei über die pakistanische Grenze hinweg angereist und in einem Fall sogar in einer Nato-Maschine zu einem Treffen mit Karsai nach Kabul geflogen worden.

Das sind die Taliban

Das sind die Taliban

Der Begriff Taliban (“Koranschüler“) hat sich als Bezeichnung für die islamistischen Aufständischen in Afghanistan eingebürgert. © dpa
Die “Gotteskrieger“ kämpfen für einen Abzug der ausländischen Soldaten und den Sturz der Regierung Karsai. © AP
Sie wollen wieder ihr Islamisches Emirat Afghanistan errichten. © AP
Bis 2001 hatten sie die Macht über das Land am Hindukusch. © AP
Maßstab aller Ordnung ist für die Taliban eine besonders strenge Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts. Foto: Afghanische Frau in einem Burka-Schleier. © dpa
Gegründet wurde die Bewegung von Absolventen pakistanischer und afghanischer Koranschulen. © AP
Die Taliban sind Sunniten, wie die Mitglieder aller derzeit international operierender islamistischer Terrorgruppen. © AP
Die Taliban konnten sich unter ihrem Anführer Mullah Omar nach dem Sturz ihres Regimes wieder zu einer schlagkräftigen Guerillatruppe formieren. © AP
Trotz mehr als 100 000 ausländischer Soldaten im Land sind sie seit einigen Monaten stark wie nie zuvor. © AP
Schätzungen über die Zahl ihrer Kämpfer reichen bis zu mehreren zehntausend. © AP
Anschläge und Angriffe werden oft vom benachbarten Pakistan aus gesteuert. © AP
Dabei nehmen die Taliban keine Rücksicht auf Unbeteiligte und sind für die meisten zivilen Opfer in dem Konflikt verantwortlich. © AP

Zweifel seien nach dem dritten Treffen in der südafghanischen Stadt Kandahar aufgetaucht. Da habe ein Mann, der Mansur von früher kannte, afghanischen Vertretern gesagt, dass der Mann am Verhandlungstisch keine Ähnlichkeit mit dem Taliban-Führer habe. “Er sagte, dass er ihn nicht erkennt“, zitierte die Zeitung einen hochrangigen Afghanen.

Inzwischen, so die “New York Times“, seien amerikanische und westliche Beamte überzeugt davon, dass es um einen Schwindel handele. “Er ist es nicht“, sagte ein westlicher Diplomat nach Angaben der Zeitung. “Und wir haben ihm eine Menge Geld gegeben.“

dpa

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