Westerwelle beginnt neue Reise-Runde

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Westerwelle beim offiziellen Händeschütteln mit dem kroatischen Präsidenten Ivo Josipovic (r).

Zagreb - Guido Westerwelle reist durch den Balkan - vier Länder in zweieinhalb Tagen. Damit macht er das, was er nach Meinung von Parteifreunden häufiger tun sollte: Außenpolitik.

Es gibt für einen deutschen Außenminister unangenehmere Orte als die kroatische Adria, um nach dem Urlaub wieder mit dem Dienst im Ausland zu beginnen. Nicht nur der Temperaturen wegen, die es in der Bucht von Rijeka auch abends noch hat. Unter den vielen Problemstaaten, die von Jugoslawien übrig geblieben sind, steht Kroatien am besten da. In nicht allzu ferner Zeit wird das 4,4-Millionen-Einwohner-Land wohl auch Mitglied der Europäischen Union (EU) sein.

Insofern war Kroatien für Guido Westerwelle eine günstige Wahl - wobei man der Gerechtigkeit halber dazu sagen muss, dass es die Gastgeber waren, die großen Wert darauf legten, den Tag nicht in der Hauptstadt Zagreb zu beenden, sondern im Edel-Restaurant “Draga di Lovrana“ bei Rijeka, mit Panorama-Blick über die Küste. Der FDP-Chef musste dafür anderthalb Stunden Autofahrt auf sich nehmen.

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Gelegenheit, auch Urlaubs-Erinnerungen auszutauschen. Für Westerwelle waren dies zwei Wochen Mallorca, in denen der FDP-Chef von großen außenpolitischen Krisen zum Glück verschont blieb. Zwischendurch meldete er sich mit einigen Sommer-Interviews zu Wort. Auf diese Weise erfuhr man zum Beispiel, dass er im Urlaub Wert aufs Ausschlafen legt und sich mit Schauspielerin Veronica Ferres duzt.

Die Hoffnung allerdings, dass sich die Debatte um seine Doppelfunktion als Außenminister und FDP-Chef über die Sommerferien erledigen könnte, stellte sich als Trugschluss heraus. Angesichts von Umfragewerten um die 5 Prozent legen ihm Parteifreunde weiterhin nahe, sich künftig doch bitteschön auf die Außenpolitik zu konzentrieren. Am Mittwoch war dies der saarländische FDP-Generalsekretär Rüdiger Linsler, der bundespolitisch bislang wenig in Erscheinung getreten war.

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Für Westerwelle kommt eine Ämtertrennung jedoch genauso wenig in Frage wie vor dem Sommer - auch wenn er sich für die nächsten Wochen ein strammes Reiseprogramm verordnet hat. In den Nahen Osten will er bald, wo es durch die Vereinbarung von neuen Friedensverhandlungen wieder etwas mehr Hoffnung gibt, zur UNO nach New York, wo sich Deutschland - zeitlich befristet - um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat bewirbt, und nach Asien, wo Länder wie China oder Indien immer wichtiger werden.

Auftakt jedoch ist die erste längere Reise auf den Balkan - nach Kroatien stehen Serbien, Bosnien-Herzegowina und das Kosovo auf dem Programm. Die ehemaligen jugoslawischen Landesteile streben alle in die EU - wobei die Aussichten ziemlich unterschiedlich sind. Zagreb sieht Westerwelle schon auf der “Zielgeraden“. “Wenn Kroatien alle Kräfte zum Endspurt bündelt, können die Beitrittsverhandlungen bald abgeschlossen werden, vielleicht sogar schon im nächsten Jahr.“ Bei den anderen will sich niemand auf eine genauere EU-Perspektive festlegen.

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Der Auftakt in Kroatien war also vergleichsweise einfach. Im Rest der Woche ist der Balkan-Trip dann aber alles andere als eine Vergnügungstour, die schwierigeren Stationen kommen noch: Serbien, das im Streit um seine ehemalige Provinz Kosovo auf Konfrontationskurs bleibt, Bosnien-Herzegowina - wegen der Abneigungen zwischen Muslimen, Serben und Kroaten ein Land in Selbstblockade - und schließlich das Kosovo, wo die Korruption womöglich schlimmer ist als irgendwo anders auf dem Balkan.

dpa

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