"Schreckliche Nachrichten" aus Afghanistan

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Außenminister Guido Westerwelle macht sich Sorgen.

Berlin - Außenminister Guido Westerwelle rechnet in diesem Sommer mit weiteren “schrecklichen Nachrichten“ aus Afghanistan.

 Die Sicherheitslage habe sich in einigen Bereichen erheblich verschlechtert, sagte der FDP-Vorsitzende am Dienstag bei einem Besuch des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam. Im Verantwortungsbereich der Bundeswehr im Norden des Landes würden 8 von 134 Distrikten als besonders gefährlich gelten.

Der Juni war mit 102 Toten der verlustreichste Monat für die internationale Schutztruppe in Afghanistan seit dem Einsatzbeginn Ende 2001. Seit Jahresbeginn verloren mehr als 350 ausländische Soldaten in Afghanistan ihr Leben.

Auch der Kommandeur der US-Truppen in Kundus rechnet mit einer vorübergehenden Zunahme der Gewalt. “Die Aufständischen haben angekündigt, dass sie ihre Operationen im Norden verstärken wollen“, sagte Oberstleutnant Russell Lewis in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in der US-Basis in Kundus. “Ich glaube ihnen, wenn sie das sagen.“ Längerfristig geht Lewis aber von einer Verbesserung der Sicherheitslage aus. Auch im Irak habe sich gezeigt, dass sich das Ruder “mit viel harter Arbeit“ herumreißen lasse, sagte der Oberstleutnant.

In einer Militärbasis in Südafghanistan erschoss unterdessen ein afghanischer Soldat drei Briten und flüchtete anschließend. Das sei ein “ernster Vertrauensbruch“, sagte der stellvertretende Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF, Nick Parker, in einer Videobotschaft und kündigte eine Untersuchung durch die NATO und die afghanischen Sicherheitsbehörden an. Ein Grund für die Tat war zunächst nicht erkennbar. Bei einem Angriff Aufständischer kamen im Süden des Landes drei Soldaten der Internationalen Schutztruppe ums Leben.

Westerwelle sagte bei seinem ersten Besuch des Einsatzführungskommandos, es gebe am Hindukusch “eine Entwicklung mit Licht, aber immer noch auch mit sehr viel Schatten“. Er bekräftigte, dass bis 2014 die Verantwortung für die Sicherheit im Land an die Afghanen übergeben und damit eine Abzugsperspektive für die internationalen Truppen geschaffen werden soll. Der Außenminister warnte aber auch vor zu hohen Erwartungen. “Wir müssen uns von der Idee verabschieden, (...) dass wir in Afghanistan europäische Verhältnisse schaffen können.“

Westerwelle sprach sich dafür aus, die Reintegration ehemaliger Taliban-Kämpfer in die afghanische Gesellschaft weiter voranzutreiben. “Wenn die afghanische Regierung hier Initiativen ergreift, dann ist das richtig und auch vernünftig.“ Die angeblichen Bemühungen des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, 50 Taliban von der UN-Terrorliste zu streichen, wollte der FDP-Chef nicht kommentieren. Zu “einzelnen Namen“ könne er nichts sagen. “Man wird hier sehr genau von Fall zu Fall zu entscheiden haben.“

dpa

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