Wulff-Show bei der CSU

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Der schwarz-gelbe Bundespräsidenten-Kandidat Christian Wulff ist Stargast bei einem kleinen CSU-Parteitag in Nürnberg.

München - Fünf Tage vor der Bundespräsidentenwahl will die CSU am Wochenende ihre Unterstützung für den schwarz-gelben Kandidaten Christian Wulff demonstrieren. Wulff ist Stargast bei einem kleinen CSU-Parteitag in Nürnberg.

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Zwar ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) derzeit in der CSU ziemlich unbeliebt. Doch angesichts der katastrophalen Umfragewerte der Berliner Koalition ist CSU-Chef Horst Seehofer auf Frieden gebürstet. Und intern hat sich Seehofer in seiner knapp zweijährigen Amtszeit eine unangefochtene Machtposition erobert. Er wird zwar von vielen in der CSU nicht geliebt, aber respektiert - und gefürchtet.

Die CSU stehe fest zu Wulff, sagt inzwischen nicht nur Seehofer. Nach eigenem Bekunden muss der Parteichef seine CSU-Wahlleute auch nicht bearbeiten. “Ich übe auf keinen einzigen Delegierten Druck aus“, versichert er. Der kleine Parteitag war schon lange geplant, doch statt der sonst üblichen 200 Delegierten werden nun 400 eingeladen. Und die CSU weiß, was auf dem Spiel steht. Scheitert Wulff in der Bundesversammlung, ist aller Voraussicht nach auch die Merkel-Regierung gescheitert.

In den turbulenten Tagen nach dem Rücktritt Horst Köhlers hatte sich die CSU-Spitze auf Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) als Nachfolgerin eingestellt - kein einziger CSU-Präside sprach sich für Wulff aus. Der niedersächsische Regierungschef ist für die CSU allerhöchstens eine Liebe auf den dritten Blick. Der rot-grüne Kandidat Joachim Gauck wäre für die CSU als Bundespräsident genauso akzeptabel. Schließlich hatte die Partei vor über zehn Jahren selbst mit dem Gedanken gespielt, den evangelischen Pfarrer aus Rostock als Gegenkandidaten zu Johannes Rau zu nominieren.

Christian Wulff: Der Kandidat im Porträt

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Ungeachtet der Turbulenzen der schwarz-gelben Berliner Koalition wirkt der 60 Jahre alte Seehofer seit einigen Monaten geradezu frisch erblüht. Im ersten Jahr nach seinem Amtsantritt im Herbst 2008 seufzte er noch gelegentlich über die Last seines Doppelamtes als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef. Inzwischen machen ihm seine zwei Jobs große Freude, wie er gerne betont. Und kampfeslustig ist Seehofer auch: “Ich habe keine Angst vor Abgründen und Steilwänden.“

In vielen CSU-Kreisverbänden herrschen großer Ärger und Sorge über das schlechte Erscheinungsbild der Berliner Koalition, wie CSU- Landtagsabgeordnete berichten. Doch richtet sich der größere Teil des Unmuts gegen Merkel, nicht gegen die eigene Spitze. Die CSU ist unter Seehofers Führung wieder viel stabiler geworden, so die übereinstimmende Einschätzung von CSU-Spitzenleuten.

Öffentlicher Radau wäre auf dem CSU-Treffen ein paar Tage vor der Wahl des Bundespräsidenten geradezu selbstmörderisch. Außerdem sind auf einem kleinen CSU-Parteitag überwiegend Mandatsträger vertreten, die ohnehin disziplinierter sind als das einfache Parteivolk auf einem großen Parteitag. Große Ausbrüche sind daher nicht zu erwarten. Seehofer selbst hat nach eigenem Bekunden keine Sorgen: “Wir führen doch einen Dialog nicht unter dem Gesichtspunkt, ist er riskant oder nicht.“

Von Carsten Hoefer

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