Nach neun Jahren

Umstrittener Moderator verlässt ZDF-Sendung - das waren seine letzten Worte

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Thomas Walde.

Der TV-Journalist Thomas Walde moderierte im ZDF am Sonntagabend zum letzten Mal „Berlin direkt“. Nun zieht der umstrittene Moderator weiter.

Berlin - Am Sonntagabend war Schluss. Der ZDF-Journalist Thomas Walde moderierte im Anschluss an die „heute“-Nachrichten zum letzten Mal das Politmagazin „Berlin direkt“. Nun zieht es ihn ins Ausland, genauer gesagt nach Frankreich. Zum 1. April 2019 soll er die Leitung des ZDF-Studios in Paris übernehmen. Dort soll er Nachfolger von Theo Koll (60) werden, der als Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios nach Berlin wechselt.

„Berlin direkt“-Moderator Walde wechselt nach Paris

Walde (55), der zuvor bereits als ZDF-Auslandskorrespondent in Washington und London im Einsatz war, ist seit 2010 Korrespondent in Berlin. Er ist dort Vertreter der Leiterin des Hauptstadtstudios, Bettina Schausten, wenn diese abwesend ist und im Wechsel mit ihr Moderator von „Berlin direkt“. Die Moderationsaufgabe und die künftige Abwesenheitsvertretung von Theo Koll übernimmt Shakuntala Banerjee (45), bisher Korrespondentin und Reporterin im ZDF-Studio in Brüssel.

„Mit Thomas Walde wechselt einer unserer profiliertesten politischen Beobachter nach Paris, um dort Präsident Macrons innen- und europapolitische Entwicklung zu verfolgen und zu analysieren“, so ZDF-Chefredakteur Peter Frey bereits im Dezember 2018. „Shakuntala Banerjee wird ihre Erfahrungen aus dem Brüsseler Europa-Studio in Berlin einbringen und neben tagespolitischen Einschätzungen und der Moderation von ‚Berlin direkt‘ auch weiter als Filmautorin tätig sein.“

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„Berlin direkt“: Baerbock verabschiedet Walde im ZDF - „das schneiden wir raus“

Annalena Baerbock, Parteivorsitzende von Bündnis90/Die Grünen war in Waldes letzter Sendung zu Gast. Die Themen waren unter anderem die Beziehungen zwischen USA und Deutschland, die Sicherheitskonferenz in München und die Schülerdemonstrationen zum Klimawandel nach dem Vorbild von Greta Thunberg. Zum Abschluss bedankt sich der Moderator bei Baerbock für das Interview. Die Politikerin erwidert: „Danke und alles Gute, da das heute ja Ihre letzte Sendung ist.“ Walde regiert trocken wie gewohnt: „Frau Baerbock, vielen Dank, das schneiden wir raus.“ Kurz darauf schiebt er doch noch hinterher: „Nein, das lassen wir drin“ und hat dabei sogar ein leichtes Lächeln auf den Lippen.

Tatsächlich ist es die harte, kühle, jedoch auch faire Art des Journalisten, die ihm einige Kritik, aber auch sehr viel Zuspruch beim Zuschauer eingebracht hat. Seine Interviewführung gilt als unangenehm für die andere Seite, böse Stimmen munkeln sogar, dass viele Leute aus der Politikriege erleichtert sind über Waldes Umzug nach Paris. Thomas Waldes berühmtes Interview mit AfD-Vorstand Alexander Gauland sei nur ein Beispiel für seinen kritischen und unvoreingenommenen Journalismus.

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„Berlin direkt“ (ZDF): Thomas Walde bekommt viel Zuspruch im Netz

Auf Twitter bedankte sich der Moderator für seine Zeit in Berlin, vor allem bei seinen Kollegen, die ihn „ge- und ertragen haben.“

Unter dem Post häufen sich die Kommentare zum Abschied von Thomas Walde - meist positiv, manchmal auch sehr kritisch. „Viel Erfolg weiterhin - und bleiben Sie kritisch und hartnäckig“, schreibt ein Kommentator. Eine Userin meint, sie wolle nach Waldes Abgang „Berlin direkt“ gar nicht mehr sehen. Mike Mohring, CDU-Landesvorsitzender in Thüringen, kommentierte ebenfalls unter Waldes Post: „Danke für unsere fairen Gespräche. Viel Erfolg, Gelassenheit und spannende Begegnungen in Ihrer neuen Aufgabe.“

Doch Mohring bekommt prompt Gegenwind aus der Alternative. AfD-Politiker Johannes Normann bezeichnet Thomas Walde als „Propagandisten“ und behauptet, dieser habe „faire Gespräche leider nur mit Vertretern der WSD-Blockparteien. Sein ‚Verhör‘ von Dr. Alexander Gauland war wohl nur einer der Tiefpunkte des ÖRR“, (Anm. d. Red. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk). „WSD“ stehe dabei offenbar für „wir schaffen das“, wie Normann in einem anderen Tweet erklärt.

„Berlin direkt“- Moderator Thomas Walde (ZDF): “Und jetzt sage ich an dieser Stelle...“

Ein User lobte ebenfalls Waldes Arbeit in Berlin: „Sehr schade. Ich mochte Ihre Art, zu berichten und Fragen zu stellen. Direkt, kritisch, ruhig und sehr sympathisch. Viel Erfolg im neuen Job, der hoffentlich keine ‚Degradierung‘ ist.“

Am Ende der Sendung verabschiedet sich Thomas Walde in gewohnt kühler Art bei seinem Publikum - in minimalistischer Manier: „Und ich sage jetzt an dieser Stelle Tschüss. Tschüss.“

Video: ZDF-Intendant fordert höhere Rundfunkbeiträge

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tf/dpa

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