Kanzleramt: Bombe in Merkels Post

Berlin - Im Kanzleramt ist die Explosion eines Sprengsatzes verhindert worden. Das brisante Päckchen war an Kanzlerin Merkel adressiert. Spezialisten machten die Sendung unschädlich.

Bombenalarm in der Regierungszentrale: Im Kanzleramt ist ein an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) adressiertes Päckchen mit Sprengstoff entschärft worden. “Es war an die Bundeskanzlerin persönlich gerichtet“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag in Berlin. “Die Untersuchung zeigt, dass der Inhalt des Päckchens zumindest geeignet war, Menschen zu verletzen.“

Spezialisten des Berliner Landeskriminalamts zerschossen das Päckchen mit einer Wasserkanone. Baugleiche Briefbomben, unter anderem an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy adressiert, hatten nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bereits in Griechenland Alarm ausgelöst.

Merkel war am Dienstag zum Zeitpunkt des Alarms in Belgien. Das angeblich mit Schwarzpulver gefüllte Päckchen ging gegen 13.00 Uhr im Kanzleramt ein. Die Postsendung sei auffällig gewesen, sagte der Regierungssprecher. Als Absender war das griechische Wirtschaftsministerium angegeben. Die Poststelle im Kanzleramt wurde vom Bundeskriminalamt geschlossen. Das Bundeskriminalamt ermittelt nun weiter. Verletzt wurde niemand.

Bei dem Sprengsatz habe es sich um einen schnell explosionsfähigen Stoff gehandelt, der Feuer und Brandverletzungen auslösen könne. Sicherheitskreise wiesen darauf hin, dass seit mehreren Tagen Briefbomben in Athen verschickt worden seien.

Im Kanzleramt ist am Dienstagnachmittag eine Paketsendung mit Sprengstoff sichergestellt worden.

Die “Berliner Morgenpost“ berichtete, dass im Kanzleramt zuvor eine Warnmeldung eingegangen sei. Das Päckchen war nicht in die Poststelle gelangt, sondern in dem Postüberprüfungsraum außerhalb des Zentralgebäudes aufgefallen. Der “Tagesspiegel“ zitierte Sicherheitskreise mit dem Satz: “Das Ding sah so aus, dass jemand ein Zeichen setzen wollte.“

Das Bundeskanzleramt wurde nicht evakuiert oder abgesperrt. Auch ein Krisenstab wurde nicht gebildet. “Wir sind vor allem heilfroh sagen zu können, dass niemand - kein Polizist und auch kein Mitarbeiter des Kanzleramtes - zu Schaden gekommen ist“, sagte der Regierungssprecher.

Spur führt nach Griechenland

Merkels Dank gelte vor allem den Sicherheitskräften, die sehr umsichtig gehandelt hätten. Eine mögliche Spur führt nach Griechenland. Schwarzpulver wurde zuletzt wohl auch von griechischen Autonomen eingesetzt, die mutmaßlich seit Tagen Athen mit einer Briefbomben-Serie in Atem halten. Unter den Empfängern ist nach Medienberichten auch die deutsche Botschaft. Die Polizei hatte am Montag zwei verdächtige Männer festgenommen.

Bei ihnen wurden zwei Briefbomben mit Schwarzpulver gefunden, von denen eine an den französischen Präsidenten Sarkozy adressiert war. Die deutschen Diplomaten in Athen nehmen aus Sicherheitsgründen inzwischen keine Pakete von Kurierdiensten mehr an. Als unwahrscheinlich galt jedoch, dass die Post einen jemenitischen Terrorhintergrund hat. In dem arabischen Land waren die Paketbomben aufgegeben worden, die am Wochenende in Frachtflugzeugen Dubai und London entdeckt worden waren.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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