Zeuge belastet sich im Berlusconi-Prozess selbst

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Der "Cavaliere", Silvio Berlusconi, erhält von seinem ehemaligen Anwalt Schützenhilfe.

Mailand - Ein Korruptionsprozess um Schmiergelder steht für Silvio Berlusconi kurz vor dem Ende und könnte für ihn gefährlich werden. Der Mann, den er bestochen haben soll, will kein Geld erhalten haben

Schützenhilfe für Silvio Berlusconi in seinem Mailänder Korruptionsprozess: Sein ehemaliger Anwalt David Mills sagte am Donnerstag in einer Video-Schaltung aus London erneut aus, er habe von dem angeklagten Ex-Regierungschef (75) keine 600 000 Dollar (460 000 Euro) für Falschaussagen erhalten. Vielmehr habe er “die Geschichte erfunden“, weil er wegen der Steuerermittlungen gegen seine Person seinerzeit in Panik geraten sei, erklärte der britische Zeuge. Berlusconi war während der Aussage im Gerichtssaal anwesend.

Bunga Bunga ist überall - Sexaffären prominenter Männer

Sexaffären machen prominenten Männern seit eh und je zu schaffen. Von Bill Clinton über Silvio Berlusconi bis zu Wikileaks-Gründer Julian Assange. Klicken Sie sich durch: © dpa
In die Geschichte eingegangen ist Bill Clintons Satz: “I did not have sexual relations with that woman“ - ich habe keine sexuelle Beziehung zu dieser Frau gehabt, so beteuerte der damalige US-Präsident seine Unschuld. Dass Monica Lewinsky aber viel mehr als nur eine Praktikantin im Weißen Haus war, konnte die Öffentlichkeit dann en détail erfahren. Der Seitensprung im Oval Office mündete in einem Amtsenthebungsverfahren, das scheiterte. Clintons Ansehen hat die Lewinsky-Affäre langfristig wenig geschadet. © ap
Anders sieht das bei Italiens Regierungschef Berlusconi aus. Dessen Triebe halten zwar die Welt bei Laune, dem Image Italiens schaden die Enthüllungen über wilde “Bunga Bunga“-Sexpartys allerdings enorm. Berlusconi wird nicht nur als lüsterner Greis verspottet. Seit April steht er wegen der Affäre um die Prostituierte “Ruby“ vor Gericht. Der Ausgang von “Rubygate“ ist ungewiss. © dpa
Nur selten endet es für die mächtigen Männer im Gefängnis. Eine Ausnahme ist der Fall des israelischen Ex-Präsidenten Mosche Katzav, der wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung von Mitarbeiterinnen im März zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. © dpa
Wikileaks-Gründer Julian Assange wehrt sich seit Monaten gegen eine Auslieferung an Schweden, wo er ungeschützten Sex mit zwei Frauen gehabt haben soll. Er sieht eine Verschwörung gegen sich wegen seines Enthüllungsportals Wikileaks. © dpa
Doch nicht nur in der Politik, auch im Showgeschäft, im Sport und in der Wirtschaft scheint die Sexaffäre die unverwüstliche Begleiterin der Macht zu sein: Bei VW ließen sich Betriebsräte Prostituierte vom Konzern bezahlen - das Unternehmen hatte deshalb eine handfeste Krise durchzustehen. © dpa
Golfer Tiger Woods opferte nicht nur seine Ehe sondern auch seine Karriere für seine Sexlust. © Getty
Starregisseur Roman Polanski soll in den 70er Jahren eine Minderjährige zum Sex verführt haben. In der Schweiz stand er erst kürzlich im Zusammenhang mit dem Fall unter Hausarrest. © dpa
Und Jörg Kachelmann ist nicht mehr der witzige Wettermoderator, seit er wegen Vergewaltigungsvorwürfen auf der Anklagebank am Landgericht Mannheim sitzt. © dpa
Frauen scheinen ihre Triebe dagegen eher im Griff zu haben - oder sie sind schlicht diskreter. Doch auch hier gibt es Fälle. So etwa Iris Robinson, die Frau des nordirischen Ministerpräsidenten, die sich von einem Teenager hinreißen ließ. Ausbaden musst es allerdings vor allem ihr Mann: Peter Robinson musste vorübergehend sein Amt abgeben. © dpa

Mills sollte den Mailänder Staatsanwälten daraufhin erklären, warum er 2004 erklärt hatte, über einen Manager diese Summe von Berlusconi bekommen zu haben. Er habe damals die “Strategie des geringen Widerstands“ angenommen und das ausgesagt, was Anklagevertreter seiner Einschätzung nach von ihm hören wollten, sagte er. Die Geschichte mit Berlusconi sei aber “Fiktion“, eine gefährliche Erfindung gewesen, erklärte der Anwalt.

Mills war in der Sache 2009 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Im Jahr 2010 entschied das Kassationsgericht in Rom aber auf Freispruch wegen Verjährung. Für Berlusconi ist das Verfahren jetzt in der Schlussphase. Seine Verurteilung ist nicht ausgeschlossen, sollten die Staatsanwälte und Richter den Prozess rechtzeitig bis zur Verjährung im März 2012 zu Ende bringen. Berlusconi muss sich außer im Mills-Prozess unter anderem im Prozess wegen angeblicher sexueller Beziehungen zu dem damals minderjährigen Callgirl Ruby verantworten.

dpa

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