Brauer kämpfen gegen das „Ramsch-Bier“

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Sonniger Genuss: Der Bierabsatz in Bayern ist zwar leicht gestiegen, doch der Preiskampf wird immer härter.

München - Die bayerischen Brauer haben im vergangenen Jahr wieder mehr Bier verkauft. Doch die Freude hält sich in Grenzen, denn immer mehr Bier werde vom Einzelhandel als Sonderangebot „verramscht“.

Lothar Ebbertz freut sich inzwischen über Kleinigkeiten. Der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes muss erstmals seit Jahren keinen neuen Tiefststand beim Bierabsatz verkünden. Die bayerischen Brauereien verkauften 2011 rund 22,1 Millionen Hektoliter Gerstensaft, 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit konnte sich Bayern gegen den gesamtdeutschen Trend stemmen. Bundesweit sank der Absatz um 0,1 Prozent auf 98,2 Millionen Hektoliter.

Doch der langfristige Trend zeigt auch in Bayern weiter nach unten. Zwar können die bayerischen Brauereien immer mehr Bier ins Ausland exportieren und auch der Absatz von alkoholfreiem Bier steigt, doch der Bierkonsum in Deutschland ist schon seit Jahrzehnten rückläufig. Und es wird noch schlimmer. Denn durch den demografischen Wandel fehlen den Brauereien allein in Deutschland in den nächsten 20 Jahren 4,6 Millionen Kunden im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, die traditionell am meisten Bier trinken. Betrachtet man die 20- bis 60-Jährigen, fehlen sogar zehn Millionen Biertrinker, rechnet Ebbertz vor. Bliebe der Pro-Kopf-Konsum konstant würde sich so dennoch ein Absatz-Minus von 0,5 Prozent pro Jahr ergeben, so Ebbertz. Doch schon diese Annahme sei „unrealistisch“, denn die Deutschen trinken auch pro Kopf seit Jahren weniger Bier.

Die besten Bier-Weltrekorde

Die besten Bier-Weltrekorde
Der Deutsche Thomas Brögelmann hat die größte Kronkorken-Sammlung. 2003 besaß der 36-Jährige nach rund neun Jahren etwa 127 500 Kronkorken. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Belgien ist die Nation mit den meisten Biersorten: Es gibt dort über 500! © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
145 430 Bierdeckel aus 160 Ländern sammelte Leo Pisker aus Österreich. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Die weltweit größte Auswahl an Biersorten gibt es angeblich in Darmstadt. Im Getränkemarkt der Brüder Maruhn lagern mehr als 1250 Sorten Bier aus 60 Ländern. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
2010 baute der Student Sven Goebel in rund drei Monaten aus 300 000 Bierdeckeln ein 12x7 Meter großes Haus auf. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Einen Bierdeckelturm von 9,7 Metern Höhe bauten Freunde aus dem Münsterland am 31. Dezember 1988 auf. Für den Turm (2,6 Meter Durchmesser) benötigten sie 42 432 Bierfilze. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Bis an die Decke stapeln sich die 12 200 verschiedenen Bierdosen bei Bernd Wolf in Freiberg in Sachsen. Seit über 30 Jahren sammelt er die bunten Blechbüchsen aus aller Welt und liegt dabei mit Dosen aus 145 Ländern nach eigenen Angaben an der Spitze der rund 150 aktiven Dosensammler in Deutschland. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Weltmeister im Bierfassheben ist Friedrich Konrad aus Österreich. Er packte 158 kg. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
666 Kilometer weit rollten 21 junge Männer aus Nuttlar 1981 in vier Tagen ein 50-Liter-Bierfass vor sich her. Im Bild: Die Bierfassroll-EM. © dpa
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Zu einem 9,65 Meter hohen Turm stapelte 1991 der Brite Philip Bruxe 38 Bierkästen und kraxelte dann hinauf. Den Rekord im Bau des höchsten Bierkistenturms wurde auf der Leipziger BaumaschinenMesse '94 aufgestellt. Aus 166 Bierkisten errichteten sie einen 44,84 Meter hohen Turm, der vier Sekunden frei und ohne Halterung stand. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Der schnellste Biertrinker kommt aus den USA: Steven Petrosino kippte am 22. Juni 1977 einen Liter Bier in sagenhaften 1,3 Sekunden in sich hinein. Einen weiteren "Speed-Drinking"-Rekord hält Peter G. Dowdeswell aus England. Der schaffte 1975 zwei Liter Bier in sechs Sekunden. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Die kleinste Bierflasche mit Bügelverschluß stellte 1992 eine Zürcher Brauerei vor. Die Miniflasche ist 11,5 cm hoch, hat einen Durchmesser von 4 cm und 40 ml Fassungsvermögen. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
300 Flaschen öffneten 2004 drei Brauereiangestellte aus der slowakischen Stadt Topolcany. Sie beötigten dazu 1 Minute und 17,7 Sekunden. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Die kleinste Bierflasche der Welt ist noch kleiner als die auf dem Bild. Der Kölner Stellmaszky bastelte eine, die mit 15,96 Millimetern so groß ist wie ein Pfennigstück. Fassungsvermögen: 0,05 ml. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Das größte Kronkorken-Mosaik der Welt ist so schwer wie zehn Kleinwagen, misst 50 mal 80 Meter und besteht aus über 4,6 Millionen Flaschendeckeln: Sieben Schüler holten den Titel 2011 nach Hessisch Lichtenau. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Das stärkste Bier der Welt kommt aus Franken. Der "Schorschbock" hat einen Alkoholwert von 43 Prozent. Eine 0,33-Liter-Flasche kostet 100 Euro. Platz 2: Das schottische "Sink the Bismarck" (41 Prozent Alkohol). © dpa
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Der längste Stammtisch entstand am 5. Juli 1992 in Bad Blankenburg (Thüringen) mit 3582 Metern Länge. 20 000 Gäste wurden bewirtet und 25 000 Liter Bier ausgeschenkt. 31 Brauereien und 15 Gaststätten und Vereine der Stadt waren an dieser Aktion beteiligt. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
2009 trank jeder Tscheche (im Bild: Ex-Präsident Vaclav Havel) statistisch gesehen 159,3 Liter. Europaweit ist das unübertroffen. Deutschland kommt auf Platz 2 (109,6 Liter), dicht gefolgt von Österreich (106,2 Liter). © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Am weitesten flog eine Bierflasche aus der Hand von Helmut Maskroskrowitsch aus Weißrussland im Jahre 1995: 82,3 Meter. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Das womöglich teuerste Bier Deutschlands ist der Abts Trunk der Klosterbrauerei Irsee im Allgäu. Das Bier wurde zum 800. Jahrestag der Gründung des Klosters hergestellt. Vor 30 Jahren kostete die Halbliterflasche 23 Mark und die Literflasche 33 Mark. Inzwischen werden die Steingutgefäße auf Internet-Auktionen für über tausend Euro gehandelt. © dpa

Die sinkende Menge ist allerdings nicht das einzige Problem der Brauwirtschaft. Denn obwohl die Kosten für die Rohstoffe weiter steigen, herrscht besonders im Supermarkt ein Preiskampf. Vor allem Markenpils werde zunehmend „verramscht“, sagt Bayerns Brauerpräsident Friedrich Düll. Schon der Normalpreis für einen Träger Bier sei in den vergangenen zwei Jahren wieder gesunken. Zahlte man 2009 noch knapp 12,50 Euro, waren es im vergangenen Jahr nur noch 12,15 Euro im Durchschnitt. Das Problem sind jedoch die vielen Sonderangebote. Bis zu zwei Drittel der Markenpils-Kästen würden inzwischen nicht mehr zum Normalpreis, sondern zu Sonderkonditionen verkauft. „Da werden Woche für Woche Markenbiere für unter zehn Euro verramscht“, sagt Düll. Der Durchschnittspreis zu dem ein Kasten Bier tatsächlich verkauft werde, sei daher in den vergangenen zehn Jahren sogar von 11,20 Euro auf 10,70 Euro gesunken – trotz gestiegener Mehrwertsteuer.

Aber auch Brauereien, die bei diesen Aktionspreisen nicht mitmachen, zahlen die Zeche, glaubt Düll. Denn die Verbraucher kaufen im Supermarkt eben häufig doch das günstigste Bier und achten weniger auf die Marke. „Hier werden nämlich nicht nur einzelne Markenbiere, hier wird die Getränkegattung Bier insgesamt unter Wert verkauft.“ Laut Ebbertz bestehe zudem das Risiko, dass der Preiskampf auch auf das Ausland ausgedehnt wird. Denn wenn die bayerischen Brauer versuchten, die Hektoliter Bier, die sie im Inland nicht mehr verkaufen können, ins Ausland zu liefern, könnten auch dort die Preise fallen. Derzeit ist man im Ausland noch bereit, für deutsches und insbesondere bayerisches Bier mehr zu zahlen als für heimische Marken.

Die Bier-Hitliste: Diese Marken sind am beliebtesten

Bier ist der Deutschen liebstes alkoholisches Getränk. Aber welche Marke? Das Branchenmagazin INSIDE hat die meistgetrunkenen Biermarken Deutschlands (nach Verkäufen inkl. Mischgetränken) ermittelt. Auf Platz 1 ist dabei nicht etwa eine der bekannten Marke wie Beck's oder Bitburger gelandet. Die meistgetrunkene Marke verzichtet auf Werbeoffensiven. Sehen Sie hier die Top Ten. © dpa
Platz 10: Erdinger © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 1,65 Mio. Hektoliter Erdinger getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
 
Platz 9: Radeberger © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 1,84 Mio. Hektoliter Radeberger getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Platz 8: Paulaner © dpa
2010 wurden 2,23 Mio. Hektoliter Paulaner getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Platz 7: Hasseröder © dpa
2010 wurden 2,45 Mio. Hektoliter Hasseröder getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Platz 6: Beck's © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 2,57 Mio. Hektoliter Beck`s getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
 
Platz 5: Veltins © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 2,58 Mio Hektoliter Veltins getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Platz 4: Warsteiner © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 2,80 Mio. Hektoliter Warsteiner verkauft  © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Platz 3: Bitburger © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 3,92 Mio. Hektoliter Bitburger getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Platz 2: Krombacher © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 5,41 Mio. Hektoliter Krombacher getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Platz 1: Oettinger © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Das Billigbier ist auf Platz 1! Die bayerische Privatbrauerei Oettinger setzte 2010 nach Informationen des Branchenmagazins INSIDE 6,34 Millionen Hektoliter ihrer Stammmarke ab. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Prost! © dpa

„In der Branche hat sich seit Jahrzehnten ein Mengendenken festgesetzt“, sagt Ebbertz. Um sinkende Umsätze auszugleichen, versuchten viele Brauereien immer mehr Bier auszustoßen. „So schaukeln wir uns im Preis immer weiter nach unten“, sagt Ebbertz, „und einer nach dem anderen fällt hinten herunter.“ Besonders viele mittelständische Brauereien hätten in den vergangenen Jahren aufgegeben. Seit 1993 habe beispielsweise mehr als jede zweite Brauerei mit einem Ausstoß von bis zu 500 000 Hektolitern pro Jahr zugesperrt.

Entsprechend gering ist der Spielraum für Preiserhöhungen in diesem Jahr – und für Lohnerhöhungen. Forderungen der Gewerkschaften nach sechs Prozent mehr Gehalt für die Mitarbeiter der Brauereiwirtschaft erteilte Düll eine Absage.

Von Philipp Vetter

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