Sie brauen ein neues Bier für München

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Wollen mit ihrem „Crew Pale Ale“ die Münchner Bierszene aufmischen: Mario Hanel (l.) und Timm Schnigula

München - Was machen zwei junge Unternehmensberater, die ihren Job satt haben? Sie kündigen – und machen sich mit einer gewagten Geschäftsidee selbständig: Sie brauen ihr eigenes Bier. In München! Die Sache könnte Erfolg haben.

München braucht ein neues Bier. Immer nur Helles, Pils, Weißbier – wie fad. Höchste Zeit für etwas Aufregenderes, fanden Timm Schnigula und Mario Hanel, zwei junge Unternehmensberater, die ihren Job satt hatten. Und so hängten sie den feinen Zwirn an den Nagel, brachten sich das Brauen bei und kreierten, nach dem Reinheitsgebot, das „Crew Pale Ale“. In szenigen 0,33-Liter-Fläschchen mischt es zurzeit den Markt auf.

Es klingt absurd: Ein Bonner (Schnigula) und ein Tiroler (Hanel) wollen in München mit einem neuen Bier Geld verdienen. Wie war das mit Athen und den Eulen? Keine deutsche Bank gab ihnen dafür Kredit – der Markt ist abgedeckt, der Bierabsatz rückläufig. Erst eine österreichische Bank vertraute ihnen. Nun sitzen sie in der Wohngemeinschaft an der Fraunhoferstraße, wo alles begann, und sprühen so vor Begeisterung und ökonomischem Knowhow, dass das alles höchst vielversprechend wirkt.

Die besten Bier-Weltrekorde

Die besten Bier-Weltrekorde
Der Deutsche Thomas Brögelmann hat die größte Kronkorken-Sammlung. 2003 besaß der 36-Jährige nach rund neun Jahren etwa 127 500 Kronkorken. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Belgien ist die Nation mit den meisten Biersorten: Es gibt dort über 500! © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
145 430 Bierdeckel aus 160 Ländern sammelte Leo Pisker aus Österreich. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Die weltweit größte Auswahl an Biersorten gibt es angeblich in Darmstadt. Im Getränkemarkt der Brüder Maruhn lagern mehr als 1250 Sorten Bier aus 60 Ländern. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
2010 baute der Student Sven Goebel in rund drei Monaten aus 300 000 Bierdeckeln ein 12x7 Meter großes Haus auf. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Einen Bierdeckelturm von 9,7 Metern Höhe bauten Freunde aus dem Münsterland am 31. Dezember 1988 auf. Für den Turm (2,6 Meter Durchmesser) benötigten sie 42 432 Bierfilze. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Bis an die Decke stapeln sich die 12 200 verschiedenen Bierdosen bei Bernd Wolf in Freiberg in Sachsen. Seit über 30 Jahren sammelt er die bunten Blechbüchsen aus aller Welt und liegt dabei mit Dosen aus 145 Ländern nach eigenen Angaben an der Spitze der rund 150 aktiven Dosensammler in Deutschland. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Weltmeister im Bierfassheben ist Friedrich Konrad aus Österreich. Er packte 158 kg. © dpa
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666 Kilometer weit rollten 21 junge Männer aus Nuttlar 1981 in vier Tagen ein 50-Liter-Bierfass vor sich her. Im Bild: Die Bierfassroll-EM. © dpa
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Zu einem 9,65 Meter hohen Turm stapelte 1991 der Brite Philip Bruxe 38 Bierkästen und kraxelte dann hinauf. Den Rekord im Bau des höchsten Bierkistenturms wurde auf der Leipziger BaumaschinenMesse '94 aufgestellt. Aus 166 Bierkisten errichteten sie einen 44,84 Meter hohen Turm, der vier Sekunden frei und ohne Halterung stand. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Der schnellste Biertrinker kommt aus den USA: Steven Petrosino kippte am 22. Juni 1977 einen Liter Bier in sagenhaften 1,3 Sekunden in sich hinein. Einen weiteren "Speed-Drinking"-Rekord hält Peter G. Dowdeswell aus England. Der schaffte 1975 zwei Liter Bier in sechs Sekunden. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Die kleinste Bierflasche mit Bügelverschluß stellte 1992 eine Zürcher Brauerei vor. Die Miniflasche ist 11,5 cm hoch, hat einen Durchmesser von 4 cm und 40 ml Fassungsvermögen. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
300 Flaschen öffneten 2004 drei Brauereiangestellte aus der slowakischen Stadt Topolcany. Sie beötigten dazu 1 Minute und 17,7 Sekunden. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Die kleinste Bierflasche der Welt ist noch kleiner als die auf dem Bild. Der Kölner Stellmaszky bastelte eine, die mit 15,96 Millimetern so groß ist wie ein Pfennigstück. Fassungsvermögen: 0,05 ml. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Das größte Kronkorken-Mosaik der Welt ist so schwer wie zehn Kleinwagen, misst 50 mal 80 Meter und besteht aus über 4,6 Millionen Flaschendeckeln: Sieben Schüler holten den Titel 2011 nach Hessisch Lichtenau. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Das stärkste Bier der Welt kommt aus Franken. Der "Schorschbock" hat einen Alkoholwert von 43 Prozent. Eine 0,33-Liter-Flasche kostet 100 Euro. Platz 2: Das schottische "Sink the Bismarck" (41 Prozent Alkohol). © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Der längste Stammtisch entstand am 5. Juli 1992 in Bad Blankenburg (Thüringen) mit 3582 Metern Länge. 20 000 Gäste wurden bewirtet und 25 000 Liter Bier ausgeschenkt. 31 Brauereien und 15 Gaststätten und Vereine der Stadt waren an dieser Aktion beteiligt. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
2009 trank jeder Tscheche (im Bild: Ex-Präsident Vaclav Havel) statistisch gesehen 159,3 Liter. Europaweit ist das unübertroffen. Deutschland kommt auf Platz 2 (109,6 Liter), dicht gefolgt von Österreich (106,2 Liter). © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Am weitesten flog eine Bierflasche aus der Hand von Helmut Maskroskrowitsch aus Weißrussland im Jahre 1995: 82,3 Meter. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Das womöglich teuerste Bier Deutschlands ist der Abts Trunk der Klosterbrauerei Irsee im Allgäu. Das Bier wurde zum 800. Jahrestag der Gründung des Klosters hergestellt. Vor 30 Jahren kostete die Halbliterflasche 23 Mark und die Literflasche 33 Mark. Inzwischen werden die Steingutgefäße auf Internet-Auktionen für über tausend Euro gehandelt. © dpa

Dabei stand am Anfang die Verzweiflung. Schnigula (31) und Lanel (29) lernten sich nach dem BWL-Studium in einer Münchner Unternehmensberatung kennen. Nach drei Jahren merkten sie: Wir müssen raus. „Der Job war zu demanding“, sagt Lanel in schönstem Wirtschaftsjargon („demanding“ heißt fordernd). Jede Woche zu Terminen fliegen, monatelange Auslandsaufenthalte, täglich zwölf Stunden am Laptop, „da bleibt keine Zeit für Privatleben“. Sie kündigten.

Dann ging alles schnell. Im Februar 2011 kam ihnen die Idee, ein Ale zu brauen, wie sie es aus den USA und Australien kannten. Dort, im Schatten von Heineken und Budweiser, boomen „micro breweries“: Kleinbrauereien, in denen kreative Handwerker gescheite Biere herstellen. Und die Zutaten für diese köstlichen Ales und Stouts, merkten die Jungs, lassen sich einfach importieren.

Im Juni gründeten sie die Crew Ale Werkstatt. Sie absolvierten Braukurse, lasen sich Wissen an, setzten im 50-Liter-Kessel in der WG Sude an und tüftelten, bis sie das Rezept hatten: „Crew“ ist ihre Marke, ein „pale ale“ ein obergäriges Bier. „Es wird nach Art des Hopfenstopfens gebraut, das macht es so aromatisch“, so Schnigula – mit fünf Hopfensorten aus drei Ländern: Herkules, Nelson Sauvin, Chinook, Citra und Cascade.

Die Bier-Hitliste: Diese Marken sind am beliebtesten

Bier ist der Deutschen liebstes alkoholisches Getränk. Aber welche Marke? Das Branchenmagazin INSIDE hat die meistgetrunkenen Biermarken Deutschlands (nach Verkäufen inkl. Mischgetränken) ermittelt. Auf Platz 1 ist dabei nicht etwa eine der bekannten Marke wie Beck's oder Bitburger gelandet. Die meistgetrunkene Marke verzichtet auf Werbeoffensiven. Sehen Sie hier die Top Ten. © dpa
Platz 10: Erdinger © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 1,65 Mio. Hektoliter Erdinger getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
 
Platz 9: Radeberger © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 1,84 Mio. Hektoliter Radeberger getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Platz 8: Paulaner © dpa
2010 wurden 2,23 Mio. Hektoliter Paulaner getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Platz 7: Hasseröder © dpa
2010 wurden 2,45 Mio. Hektoliter Hasseröder getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Platz 6: Beck's © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 2,57 Mio. Hektoliter Beck`s getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
 
Platz 5: Veltins © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 2,58 Mio Hektoliter Veltins getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Platz 4: Warsteiner © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 2,80 Mio. Hektoliter Warsteiner verkauft  © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Platz 3: Bitburger © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 3,92 Mio. Hektoliter Bitburger getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Platz 2: Krombacher © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
2010 wurden 5,41 Mio. Hektoliter Krombacher getrunken. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Platz 1: Oettinger © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Das Billigbier ist auf Platz 1! Die bayerische Privatbrauerei Oettinger setzte 2010 nach Informationen des Branchenmagazins INSIDE 6,34 Millionen Hektoliter ihrer Stammmarke ab. © Quelle: inside Getränke-Markt-Magazin/Foto: dpa
Prost! © dpa

Im November war es fertig. Gebraut, abgefüllt, designt. Denn sich vernetzen können die Ex-Unternehmensberater auch: Ein eifriger Braumeister in der Hohenthanner Schlossbrauerei stellt ihnen 50-Hektoliter-Chargen her. Eine befreundete Agentur entwarf Etiketten und Bierdeckel. Nun klappern sie Läden und Lokale ab: „Wir haben da ein neues Bier, das würde in Ihr Sortiment passen...“ Zwei Dutzend Kneipen und Kioske verkaufen es nun, etwa das Baader Café und der Kiosk Reichenbachbrücke. Nach dem Glockenbachviertel erobern sie jetzt Neuhausen und das Westend (www.crewale.de).

Sie sind erfolgreich, diese Firmengründer in Jeans und Pulli. Auf dem Regal stehen Bierflaschen aus aller Welt, darunter Lehrbücher: „Makroökonomik“, „Strategisches Management“. Die Mini-Anlage, in der sie bereits ein zweites Bier kreiert haben, steht zerlegt im Flur, sie muss woandershin. Denn die Wohnung über der Fraunhofer-Gaststätte gehört der Spaten-Brauerei. Und der gefällt nicht, dass da fremdes Bier gebraut wird.

Dabei orientieren sich die beiden nicht an den Großen. „Uns geht es nicht um Marktanteile“, so Hanel. „Wir wollen handwerklich arbeiten.“ Das kostet: etwa 3,30 für die Flasche in der Kneipe, 24,90 Euro für den 20-Flaschen-Karton im Handel. Wie viel sie verkaufen müssen, um davon leben zu können? „Fünftausend Hektoliter jährlich.“ 1,5 Millionen Flaschen. Doch das schreckt sie nicht. Denn sie überlassen wenig dem Zufall.

„Aus der Unternehmensberatung sind wir gewohnt, uns gut zu informieren“, sagt Hanel. Die kleine, vergleichbare Giesinger Bräu? „Kennen wir. Aber die stellen kein Ale her.“ Eine Zielgruppe überlegt? „Klar. Aber das ist Quatsch. Es ist wie bei Bionade, die trinken plötzlich auch alle.“ Nur eins müssen sie lernen: Geduld. „Bei den Brauern ticken die Uhren ganz anders.“

Während sie auf die zweite Charge warten, basteln sie an ihrem Traum: einem „Brew Pub“, einer Braukneipe. Backsteingebäude, warmes Licht, Edelstahlkessel. Ein Tresen, wo neue Biere gezapft und verkostet werden. „Wir haben sowas erlebt“, schwärmt Schnigula. Sie suchen bereits nach einer Immobilie – und „einem verrückten Kopf, der in sowas investieren will“. Der daran glaubt, dass auch eine eingeschworene Biergemeinde wie München neugierig ist. Das Motto auf crewale.de: „Nichts bedarf so sehr der Reform wie die Gewohnheit der Menschen“, so Mark Twain.

Doch was, wenn alles scheitert? „Einen Plan B haben wir nicht“, sagt Schnigula. „Vielleicht müssen wir wieder einen Job annehmen. Aber wir werden uns nicht ärgern. Dann haben wir zumindest ein total geiles Jahr hinter uns.“ Das klingt nicht nach Unternehmensberater. Aber nach voller Leidenschaft.

Von Christine Ulrich

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