Älteste Sozialsiedlung

Nur 88 Cent Miete im Jahr: In dieser Siedlung leben Bewohner fast umsonst

Gelbe Häuser, von Efeu umwachsen, in der Fuggerei in Augsburg.
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Die Fuggerei in Augsburg ist die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt,
  • Franziska Kaindl
    VonFranziska Kaindl
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Für nur 88 Cent im Jahr auf 60 oder 120 Quadratmetern leben? Das ist in der Fuggerei in Augsburg möglich. Allerdings erhält hier nicht jeder eine Wohnung.

Heutzutage stellt die Wohnungssuche für viele eine nicht enden wollende Odyssee dar: Schuld sind vor allem steigende Mietpreise, die sich nicht mehr jeder leisten kann. Gerade, wer arm ist, ist daher auf eine Sozialwohnung angewiesen. Eine solche gibt es bereits seit 500 Jahren in Augsburg: Die Fuggerei ist die älteste Sozialsiedlung der Welt. Seit ihrer Entstehung gab es keine Mieterhöhung. Bedürftige erhalten Wohnungen für einen symbolischen (Kalt)-Mietbetrag von 88 Cent – im Jahr.

Wie ist die Fuggerei entstanden?

Die Fuggerei befindet sich im Stadtteil Jakobervorstadt, nur wenige Fußminuten vom Zentrum Augsburgs entfernt. Früher lebte hier die sozial niedrigste Schicht – häufig Handwerker und Tagelöhner, die sich aufgrund einer schlechten Auftragslage oder Krankheit keine andere Wohnung leisten konnten. Bis sich der reiche Augsburger Kaufmann Jakob Fugger dazu entschloss, erste 52 Wohnungen zu stiften. Heute gehören zur Fuggerei 67 zweigeschossige Häuser, in denen 150 Menschen leben.

Fuggerei in Augsburg: Wohnung ist an Bedingungen geknüpft

An den Aufnahmebedingungen für eine Wohnung hat sich über 500 Jahre nichts geändert: Voraussetzungen sind die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche und Bedürftigkeit. Außerdem sollen Bewohner dreimal am Tag beten: Das „Vaterunser“, das „Gegrüßet seist du, Maria“ und das Glaubensbekenntnis. Dann dürfen Augsburger sich auf eine Bleibe in der Sozialsiedlung bewerben.

Auch interessant: Forderung: Aus Kindergeld, Hartz IV und Co. soll eine Kindergrundsicherung werden.

Der Andrang ist groß, wie Wolf-Dietrich Graf von Hundt dem Deutschlandfunk berichtet. Er ist der Administrator der Fuggerschen Stiftungen, bei denen jährlich zahlreiche Anfragen eingehen. Aktuell gäbe es rund 100 Berechtigte auf eine Wohnung. Wichtig sei, dass Bewerber persönlich erscheinen. „Dann gibt es ein Gespräch mit den Sozialpädagogen bei uns, die erst einmal das grundsätzliche Setting prüfen. Dann schauen die auch: Gibt es neben der reinen finanziellen Bedürftigkeit weitere Bedürftigkeiten. Das heißt: Wird man gerade aus seiner Wohnung rausgeklagt? Droht Obdachlosigkeit?“, so Wolf-Dietrich Graf von Hundt. Die Wartezeit auf eine Wohnung läge zwischen ein bis drei Jahren, wie er vor einigen Jahren der Augsburger Allgemeinen verriet.

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So finanziert sich die älteste Wohnsiedlung der Welt

Finanziert wird die Sozialsiedlung von 3.000 Hektar Waldbesitz, welcher seit 500 Jahren die Grundlage für das Stiftungsvermögen bildet. Das Holz wird von Baubetrieben, Schreinerwerkstätten und Möbelfirmen gekauft. Doch auch auf Weihnachtsmärkten oder in der Windenergie findet das Holz genügend Abnehmer. So ist es möglich, dass die Bewohner der Fuggerei fast umsonst in ihrer Wohnung leben können. (fk) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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