Alimentäre Grauzone - Vegane Ernährung und ihre Irrtümer

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Viele Menschen wenden sich einer veganen Ernährungsweise zu, Tendenz steigend – und für einen Trend hält diese Bewegung schon zu lange an. Doch wie ernährt man sich überhaupt vegan?

Was für eine Motivation steckt dahinter? Und welche Vorteile bietet eine vegane Ernährung? Und kann man als Veganerin oder Veganer genauso gut Sport treiben wie Fleischesser oder Vegetarier?

Was ist vegan?

Veganer verzichten in der Ernährung auf alle tierischen Produkte, also nicht nur auf Fleisch oder Fisch. Stattdessen gilt es auch, auf mannigfaltige andere Erzeugnisse wie zum Beispiel Kuhmilch, Eier oder Honig zu verzichten. In einer Welt, in der Lebensmittel eine echte Industrieware geworden sind, sind Zusatzstoffe leider die Regel statt die Ausnahme. 

Deshalb achten sie darauf, dass sie keine gelatinehaltigen Produkte essen, keinen Wein trinken, auf dem nicht ausdrücklich geschrieben steht, dass er vegan ist und legen dadurch eine größere Sensibilität für Ernährung an den Tag als viele andere Menschen.

Warum vegan leben?

Die Motivationen, vegan zu leben, können sehr unterschiedlich sein. Dabei kann es sich sowohl um geschmackliche, ethische als auch andere persönliche Gründe handeln. Es geht dabei aber auch und nicht zuletzt um den Schutz von fühlenden Wesen und unserer Umwelt, die durch die Massenproduktion von Tieren leidet. 

Ein berühmtes Beispiel: Die männlichen Geschwister von Hennen kann die Industrie nicht brauchen. Deshalb werden die Küken schon im zarten Alter vom einem Tag geschreddert, vergast und anderweitig grausam getötet. Es gibt allerdings noch immer kein flächendeckendes Verbot, aber wenigstens alternative Anbieter, die man mit dem Kauf ihrer Eier unterstützen kann, um sie größer zu machen. 

Dass indes allein in den USA mehr Tiere für die Fleischerzeugung sterben müssen als es Menschen auf der Erde gibt, ist ein trauriger Fakt – es geht um rund zehn Milliarden im Jahr. Die Massentierhaltung ist so etwa für 18 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich, mehr, als alle Autos und Flugzeuge zusammen verbrauchen. 

Damit nicht genug: Felder werden durch die zahllosen Tierexkremente unbrauchbar gemacht, indem sie einfach auf Felder gekippt werden und somit viele Mikroorganismen tötet. 

Dass Tiere indes fühlende Geschöpfe sind, gilt in der Wissenschaft mittlerweile als anerkannt – insofern handelt es sich bei den sterbenden Wesen nicht einfach nur um gefühllose Kreaturen. Bei Kühen, die nachts im Stall gehalten und tagsüber endlich wieder auf die Wiese können, lassen sich zum Beispiel Freudensprünge beobachten. 

Es gibt aber auch Menschen, die selbst einen Schlachthof besucht haben und vom Anblick einer Schlachtung so geschockt waren, dass sie sich entschieden haben, dem Fleischverzehr abzuschwören. Und zuletzt gibt es auch noch die Fraktion, der Fleisch einfach nicht schmeckt. 

Problematisch ist beim Fleischkonsum auch, dass in Deutschland zwar Produkte besonders gekennzeichnet werden müssen, aber Erzeugnisse von Tieren, die mit genmanipuliertem Futter gefüttert wurden, nicht. 

Nicht unterschätzen sollte man die gesundheitlichen Vorteile eines veganen Lebens. Denn während früher der Glaube vorherrschte, dass der Verzehr von Fleisch gesundheitlich unbedingt zu empfehlen sei, kommt man mittlerweile oft zu überraschenden Erkenntnissen, die eher in die andere Richtung zielen. Denn bei vielen Menschen, die rotes Fleisch verzehren, steigt die Krebsrate nach Studien erheblich – bei Pankreas- und Lungenkrebs sogar zwischen 42 und 60 Prozent. 

Von Vorteil ist übrigens auf jeden Fall, dass man einen ganz anderen Blick auf Lebensmittel und die Lebensmittelindustrie bekommt. Man wird sich viel mehr für das interessieren, was in Lebensmitteln enthalten ist und was nicht, und man wird vor allem auch vegane Lebensmittel nicht kaufen, wenn sie stark verarbeitet sind. Insofern ist die vegane Lebensweise eine natürliche Lebensweise. 

Und das Beste an der Ernährungsform: Das eigene Wohlbefinden wird besser. Es gibt viele Veganer, die davon berichten, dass durch den Verzicht auf Kuhmilch ihre Haut erheblich besser geworden ist.

Wie wird man Veganer?

Eine vegane Lebensweise erlaubt eine ganz neue Sicht auf Ernährung.

Da man gesellschaftlich schnell stigmatisiert wird, wenn man versucht, vegan zu leben, sollte man sich Leute suchen, die es auch versuchen wollen oder schon eine Weile vegan leben. Hat man ein Team gebildet, wird es erst einmal Zeit, alle tierischen Produkte aus der Küche zu verbannen.

Tipps aus Büchern oder im Internet können beim Übergang natürlich helfen, denn aller Anfang ist schwer.

Dann muss man natürlich anfangen, vegan einzukaufen. Falls man sich nicht ganz sicher ist, kann man einen Einkaufsguide an die Hand nehmen. 

Mochte man Fleisch vorher sehr gern, können Produkte wie zum Beispiel Fertigprodukte aus Tofu oder Weizeneiweiß zum Einsatz kommen, denn diese gibt es in allen möglichen Ersatzformen. Es gibt auch Tofuburger-Bratlinge. Allerdings muss man schauen, was noch drin ist – diese Bratlinge und Ersatzwaren haben oft längere Zusatzlisten, weshalb man vorher auf die Verpackungen schauen sollte. 

Kleiner Tipp: Es gibt zum Beispiel viele Zutaten, die E 120 oder E 542 heißen – Finger weg von solchen E-Nummern! Man sollte immer erst recherchieren, was sich hinter den kryptischen Kürzeln verbirgt, denn E 120 ist beispielsweise ein aus Läusen gewonnener Farbstoff und E 542 ein Knochenphosphat. Da Bienenwachs auch tabu ist, sollte man vom Kauf von Produkten mit E 901 ebenfalls absehen. 

Und wer zum Beispiel auf Milch stand, wird mit Soja-, Mandel-, Reis- und Hafermilch sicher genauso glücklich, denn diese haben einen ganz bestimmten Eigengeschmack, also einfach mal ausprobieren. 

Man muss sich von der gesellschaftlich schon lange verankerten Vorstellung verabschieden, dass Fleisch zu einer gesunden Ernährung dazu gehöre – Wir wissen, dass dies nicht der Fall ist und haben gute Argumente, warum tierische Produkte nicht mehr auf den Speiseplan stehen. Schiefe Blicke und merkwürdige Fragen gehören aber dazu, zumindest, bis sich das Umfeld an die neue Ernährung gewöhnt hat. 

Auf jeden Fall ist es schön, mehr selbst zu kochen und frische Zutaten zu verwenden. Manchmal bekommt man von guten Adressen für den Lebensmitteleinkauf erst dann etwas mit, wenn man auf den veganen Lebensstil umsteigt.

Gute Ernährung geht auch vegan!

Natürlich kann man auch als Veganer eine gute Ernährung gewährleisten. So ist das Klischee, dass es keine proteinreichen Gemüsevarianten gäbe, nicht wahr. So sind beispielsweise Nüsse wie Mandeln, Walnüsse, Paranüsse oder Haselnüsse gute Proteinquellen. Wer Nüsse nicht mag oder eine Allergie hat, kann stattdessen auch auf Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen oder Erbsen zurückgreifen. Quinoa und Amaranth sind übrigens hervorragende Vollkornprodukte, um den Eiweißbedarf zu decken. Kürbiskern und Leinsamen sind natürlich auch gute Alternativen, ebenso die Kartoffel. Diese haben den Vorteil, dass sie komplexe Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe enthalten. 

Es gibt allerdings auch getrocknete Früchte, die viel Protein enthalten. So zum Beispiel getrocknete Feigen, Aprikosen, Bananen und Pfirsiche.

Veganer Sport

Beim Sport gibt es überhaupt keine Einschränkungen, im Gegenteil. Viele fühlen sich sogar leichter, stärker oder/und schneller. So gehört Patrick Baboumian zu den stärksten Männern Deutschlands und ernährt sich seit Jahren vegan. 

Für Kraftsportbegeisterte kann man also Entwarnung geben, denn es gibt zu den klassischen Bestandteilen unterschiedlicher Nahrungsergänzungsmittel Alternativen, die durchaus als hochwertige Proteinquellen mithalten können. 

Aber natürlich ist zum Beispiel für Ausdauersportler die vegane Ernährungsform genauso gut geeignet. Tatsächlich sind Veganer Allrounder – egal, um welche Sportart es nun gehen mag.

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