Alkohol – geduldete Droge

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Wenn die Sucht das Leben bestimmt:n Trinker schämen sich wegen ihrer Krankheit

Keine Feier ohne Sekt, kein Fußballspiel ohne Bier – keine Frage, Alkohol ist in unserer Kultur verankert. Schwierig für den, der die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum verliert. Denn Alkohol wirkt nicht nur entspannend und stimmungsaufhellend, sondern ist ein Gift, das süchtig machen kann.

Die Menge Alkohol, die ein Mensch verträgt, sei individuell unterschiedlich, erklärte Facharzt Helmut Frömmel, Leiter der Suchtbereiche der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Merxhausen. Frauen vertrügen im Durchschnitt weniger Alkohol als Männer.

Laut WHO gelte täglich eine reine Alkoholmenge bis 60 Gramm bei Männern und bis 40 Gramm bei Frauen als unkritisch. Zum Vergleich: Ein halber Liter Bier enthält etwa 20 Gramm Alkohol.

Der berühmte Onkel Heinrich

Schwierig wird es nach Darstellung Frömmels, wenn das Trinken zur Gewohnheit werde. „Die meisten erkennen es zu spät“, sagte der Arzt. Oft deckten auch Verwandte, Freunde und Kollegen den Alkoholiker, obwohl dessen Alkoholkonsum schon sichtbar problematisch sei. Jeder habe seinen ‚Onkel Heinrich’ in der Familie, der jeden Tag seinen Schnaps trinke, seine Zigarre rauche und damit uralt werde. Aber statistisch hat der ‚Onkel’ eine hohe Sterberate, erklärte der Facharzt.

Sehr weit verbreitet bei Betroffenen sei, das Problem zu verleugnen. Grund: Die Scham, als Säufer stigmatisiert zu werden. Dass Alkoholsucht eine sozialrechtlich anerkannte Erkrankung sei, werde leider oft verneint. Dabei gebe es gute, erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten. Die meisten schafften es danach abstinent zu bleiben.

Die Behandlung

Je nach Schwere der Alkoholkrankheit beginnt die Behandlung mit einer Entgiftung. Dann folgen Medikamente, die körperliche Entzugserscheinungen wie Herzklopfen, erhöhten Blutdruck, Schwitzen, Zittern, Krampfanfälle und das Delirium mindern. Dazu kommen therapeutische Gespräche und Aufklärung über die Krankheit. Es schließt sich die Rückfallprophylaxe, beispielsweise in Selbsthilfegruppen an.

Freundlich ablehnen

Bei der Therapie lerne der Patient, nein zu sagen. Denn „bei gesellschaftlichen Anlässen ist Alkohol immer dabei“, sagte der Experte. Da sei die Ablehnung von alkoholischen Getränken schon abweichend von der Norm. Aus diesem Grund änderten auch manche Patienten nach einem Entzug den Bekanntenkreis. Wichtig für den Erfolg einer Behandlung sei aber vor allem die Einsicht, unter einer Suchtkrankheit zu leiden und dagegen etwas unternehmen zu wollen.

Das zerstörerische Gift im Körper

Die giftige Wirkung des Alkohols verursacht eine Vielzahl von körperlichen Schäden: Betroffen sind besonders die Leber, der Magen-Darm-Trakt, das Herz und der Kreislauf, der Stoffwechsel und das Immunsystem. Zu den typischen Erkrankungen nach übermäßigem Alkoholkonsum über einen längeren Zeitraum zählen auch die Wernicke-Enzephalopathie, eine Hirnerkrankung nach Vitamin B1-Mangel, und das Korsakow-Syndrom, einer Funktionsstörung der Hirnstrukturen mit Gedächtnisverlust. Begleiterscheinungen sind Wesensveränderungen, Depressionen und Ängste, Schlafstörungen, Zittern und Schwitzen. (yma)

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