Zahl der Verdachtsfälle liegt höher

Über 12.000 Beschwerden wegen Behandlungsfehlern

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In einer Arztpraxis in Frankfurt (Oder) hält ein Arzt ein Stethoskop in den Händen.

Berlin - Mehr als 12.200 Patienten haben sich 2012 wegen eines Verdachts auf Behandlungsfehler an die Gutachterstellen der Ärzteschaft gewandt. Insgesamt liegen die Zahlen jedoch deutlich höher.

Mehr als 12.200 Patienten haben sich im vergangenen Jahr bei ärztlichen Gutachterstellen wegen eines Verdachts auf Behandlungsfehler beschwert - mehr als je zuvor. Im Vorjahr waren es noch 11.100, fünf Jahre vorher 10.400. Die Gutachter beurteilten nun 7578 Fälle. In fast jedem dritten ergab sich tatsächlich ein Ärzte- oder anderer Behandlungsfehler, wie die Bundesärztekammer am Montag in Berlin mitteilte.

82 Menschen starben an einem von der Ärzteschaft begutachteten Fehler. Meistens hätten Fehler aber nur vorübergehende Auswirkungen gehabt, etwa längere Krankheiten, betonte der Geschäftsführer der norddeutschen Schlichtungsstelle, Johann Neu.

Jährlich schätzungsweise rund 40.000 Verdachtsfälle

Insgesamt liegen die Zahlen weit höher. Denn Patienten wenden sich unter anderem auch an Krankenkassen oder direkt an Gerichte. Es gebe jährlich schätzungsweise 40.000 Verdachtsfälle, sagte der Vorsitzende der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzte, Andreas Crusius. Schätzungsweise 8000 Mal werde nachgewiesen, dass ein Fehler Ursache eines Schadens sei.

Dass es zuletzt mehr Verdachtsfälle gab, lag nach Ansicht der Ärzte an den Debatten rund um das Patientenrechtegesetz. Dieses Gesetz der schwarz-gelben Koalition, das vor rund vier Monaten in Kraft trat, stärkt unter anderem Fehlermeldesysteme in Kliniken. Rufe nach einem bundesweiten Behandlungsfehlerregister blieben bisher ungehört.

Gemessen an 18 Millionen Klinikbehandlungen und rund 540 Millionen Praxis-Fällen pro Jahr seien es unterm Strich nur sehr wenige Fehler, meinte Crusius.

Darum ist es falsch, von „Ärzte-Pfusch“ zu sprechen

In 72 Prozent betrafen die überprüften Fälle die Kliniken, nur in 28 Prozent die Praxen. Am häufigsten schöpften Patienten bei Knie- und Hüftbehandlungen sowie nach Knochenbrüchen Verdacht. Auch bei der Therapie von Rückenschmerzen läuft nach Ansicht der Patienten öfters etwas schief, folgt man der Statistik. Laut Ärztekammer richteten sich Patienten mit ihren Anträgen am häufigsten gegen Unfallchirurgen, Orthopäden und Hausärzte. Neu sagte jedoch, angesichts der zehntausenden Hausärzte insgesamt in Deutschland, sei die Aussagekraft der Statistik begrenzt. Falsch sei es, von „Ärzte-Pfusch“ zu sprechen, betonte Crusius. Ärzte gingen nicht bewusst nachlässig vor. „Sie stehen nach einem vermuteten oder nachgewiesenen Behandlungsfehler unter enormem Druck und können oft nur mit Mühe ihre Tätigkeit fortsetzen“, sagte er.

Der Ärztevertreter erklärte, Fehler würden durch „chronische Unterfinanzierung“ des Gesundheitswesens begünstigt. Erst drei Tage zuvor war allerdings eine Schätzung des Krankenkassenverbands bekanntgeworden, nach der die Kassen-Ausgaben allein für die rund 2000 Kliniken 2013 binnen eines Jahres von 62,5 auf 64,7 Milliarden Euro steigen dürften.

dpa

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