Gefühle steuern Essverhalten

Traurige Filme können Fressattacken auslösen

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Frust oder Freude beinflusst Essverhalten

Es scheint wie verhext: je trauriger und emotionaler die TV-Geschichte ist, um so schneller ist die Chipstüte auf der Couch leergegessen. Würzburger Psychologen haben nun einen Grund dafür gefunden.

Ob Frust oder Freude - Gefühle beeinflussen die Geschmackswahrnehmung und damit auch unser Essverhalten. Ob etwas bitter, süß oder sauer schmeckt, hängt nach Auffassung der Wissenschaftler, von der persönlichen Gefühlslage ab. Selbst den Fettgehalt von Milch beurteilen fröhliche Menschen anders als traurige. 

Für die Studie untersuchte die Psychologin Petra Platte von der Universität Würzburg und ihr Team Frauen (48) und Männer (32) im Alter zwischen 19 und 47 Jahren.

Alle Versuchsteilnehmer bekamen verschiedene Filmausschnitte mit lustigen, traurigen und neutralen Szenen zu sehen. Jeweils davor und danach wurden die Probanden zu ihrer aktuellen Gefühlslage befragt. Daneben mussten sie Flüssigkeiten trinken und deren Geschmack – süß, sauer oder bitter – nach seiner Intensität bewerten. Auch den Fettgehalt von Milch sollten sie anhand des Geschmacks einschätzen.

Das Ergebnis: Lustige und traurige Filmszenen zeigten vor allem bei Menschen, die schon eher negativ gestimmt waren eine Wirkung. Nachdem sie die emotionalen Filmszenen gesehen hatten, konnten nicht mehr zwischen fettig und fettarm unterscheiden.

Neutrale Szenen hatten jedoch keinen Effekt auf die Geschmackswahrnehmung dieser Gruppe. Sie konnten auch den unterschiedlichen Fettgehalt, wie vor dem Anschauen der Clips beurteilen. Allerdings empfanden diese Studienteilnehmer bittere und süße Geschmacksproben intensiver.

Starker Einfluss von Emotionen

„Mit unseren Experimenten haben wir gezeigt, wie stark Emotionen unser Geschmacksempfinden und damit auch unser Essverhalten beeinflussen können“, sagt Petra Platte.

Die Versuchsergebnisse könnten deswegen auch erklären, warum manche Menschen zum Beispiel vor dem Fernseher mehr Chips und andere fettige Snacks verputzen als ihnen gut tut.

„Möglicherweise richten Personen, die sich in einer negativen Stimmung befinden, beim Ansehen emotionsgeladener Szenen ihre Aufmerksamkeit viel stärker auf den Film als gut oder neutral gelaunte Menschen“, so Platte.

Für „Nebensächlichkeiten“ – wie die Bewertung des Fettgehaltes von Nahrung – sei dann keine mentale Kapazität mehr vorhanden: „Die kognitive Kontrolle über das Essverhalten versagt, und man isst wie automatisch.“

Wer mit Frust oder leichten Depressionen vor der Glotze hockt, sollte deswegen lieber eine Portion Chips in ein Schälchen füllen, statt die ganze Tüte auf den Tisch zu legen.

Ob für diesen Personenkreis psychologische Hilfestellungen sinnvoll sind, wollen die Würzburger Wissenschaftler als nächstes untersuchen.

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