Glücksspiel wird schnell zur Sucht

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Gefährdet, an einer Spielsucht zu erkranken, sind insbesondere Menschen, die dazu neigen, Problemen aus dem Weg zu gehen.

Menschen, die sich zum Glücksspiel hingezogen fühlen, sollten auf Anzeichen einer Suchtentwicklung achten, um nicht in den Teufelskreis einer Spielsucht zu geraten.

„Wenn sich jemand gedanklich sehr viel mit Glücksspiel beschäftigt, sich außerhalb der Spielhalle neue Gewinnstrategien überlegt und es ihm schwer fällt, auf das Spielen zu verzichten, dann sind dies ernstzunehmende Hinweise auf ein Suchtverhalten“, warnt Prof. Andreas Heinz von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. Gefährdet sind insbesondere Menschen, die dazu neigen, Problemen aus dem Weg zu gehen und von hohen Gewinnen träumen, um den Alltag auszublenden.

Menschen mit einer Spielsucht spielen immer häufiger, weil sie hoffen, die Verluste wieder zurück zu gewinnen. „Daraus entwickelt sich sehr schnell ein Teufelskreis. Betroffene leihen sich dann oftmals Geld von Freunden und Bekannten oder geraten sogar in die Kriminalität, um Geld für das Glücksspiel zu beschaffen. Um diese zerstörerischen Folgen für den Betroffenen und seine Familie abzuwenden, sollten sich Menschen, denen es schwer fällt oder bereits nicht mehr möglich ist, dem Glücksspiel zu widerstehen, unbedingt frühzeitig Hilfe holen, indem sie beispielsweise eine Beratungsstelle für Spielsucht aufsuchen wie sie z.B. durch die AG Spielsucht der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité angeboten wird“, rät Prof. Heinz, der die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité – Universitätsmedizin Berlin leitet.

Nicht nur in Spielhallen sondern auch im Internet finden Glücksspiele wie zum Beispiel Online-Poker immer weitere Verbreitung, trotz des Verbots von Online-Glücksspielen. Viele Nutzer sind sich über die Illegalität nicht im Klaren. „Kennzeichnend für die Online- Glückspielsucht ist der hohe Zeitaufwand. Betroffene vernachlässigen oftmals ihre Freunde, die Familie und ihren Beruf, so dass bei ihnen die Gefahr besteht, den sozialen Halt zu verlieren“, erklärt Prof. Heinz. Durch die Nutzung zahlreicher Boni von den entsprechenden Anbietern lässt sich das Suchtverhalten zunächst finanzieren, so dass die finanziellen Folgen erst verzögert spürbar werden. „Dementsprechend erkennen viele Betroffene und auch Angehörige lange nicht die Glücksspielsucht und nehmen keine entsprechenden Beratungsangebote wahr.“

Menschen mit einer Glücksspielsucht sind meist so stark in ihrem Spieldrang gefangen, dass sie die Hilfe von Außenstehenden benötigen, um diese Spirale zu verlassen. „Einen sehr wichtigen Beitrag können dabei Angehörige und Freunde leisten, indem sie den Betroffenen ermuntern, ein Beratungs- und Behandlungsangebot wahrzunehmen. Wichtig ist es dabei, Menschen mit einer Spielsucht keine Vorwürfe oder Vorhaltungen zu machen, sondern ihnen ehrlich gemeinte Unterstützung zukommen zu lassen. Hilfreich ist dabei zum Beispiel, ein offenes Ohr für Ängste des Betroffenen zu haben oder ihm anzubieten, ihn zu einem Beratungsgespräch zu begleiten“, empfiehlt Prof. Heinz.

Als erste Anlaufstelle bei Problemen mit dem Glückspiel bieten sich die Beratungsstellen von Organisationen wie zum Beispiel der Caritas, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband oder dem Diakonischen Werk sowie der Sozialpsychiatrische Dienst in der entsprechenden Kommune an. „Die Adressen dieser Einrichtungen können am leichtesten über das Telefonbuch oder das Internet ermittelt werden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet zudem ein kostenloses und anonymes Beratungstelefon zu Glücksspielsucht unter der Nummer 0800 – 1 37 27 00 an“, rät der DGPPN-Experte. „Diese Ansprechpartner ermöglichen dem Betroffenen oder auch den Angehörigen, gegebenenfalls eine für ihn passende Therapie bei einem ambulanten Psychotherapeuten oder einer psychotherapeutischen Klinik zu finden.“

Mehr Informationen:
www.psychiater-im-netz.de

 

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