Ursache, Diagnose und Therapie

Hautkrebs erkennen und behandeln

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Nicht nur im Urlaub wichtig: Der richtige Sonnenschutz hilft, Hautkrebs zu vermeiden.

Ein Leberfleck beginnt zu wachsen oder verändert seine Form: Wer so etwas bemerkt, sollte sofort einen Arzt aufsuchen. Denn schwarzer Hautkrebs ist sehr gefährlich. Wird er rechtzeitig behandelt, ist er aber in den meisten Fällen heilbar.

Prof. Dr. Rüdiger Hein ist Leitender Oberarzt der Klinik für Dermatologie am Biederstein der Technischen Universität München. Er leitet die Tumorambulanz, das Dermatohistologische Labor und die Sprechstunde für Autoimmunerkrankungen.

Die Zahl der Hautkrebserkrankungen ist in den vergangenen Jahren weltweit rasant gestiegen. Als der gefährlichste bösartige Hauttumor gilt dabei der schwarze Hautkrebs, das sogenannte maligne Melanom. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 15 000 Menschen daran. Von 100 000 Münchnern sind nach Angaben des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit jedes Jahr 22 bis 24 Menschen betroffen.
Schwarzer Hautkrebs kann lebensbedrohlich sein, lässt sich jedoch rechtzeitig erkennen: Durch eine Untersuchung beim Hautarzt kann man den Krebs meist frühzeitig und relativ einfach diagnostizieren und auch behandeln. Ist die Erkrankung noch nicht fortgeschritten, sind die Heilungschancen sehr gut.

Wie erkennt man Hautkrebs?

Kontrolliert man Pigmentflecken, umgangssprachlich auch Muttermale genannt, geht man am besten nach derABCD-Regel vor. A steht dabei für Asymmetrie, B für eine unscharfe und unregelmäßige Begrenzung. Verdächtig ist ein Pigmentfleck mit unterschiedlichem Colorit (Farbe) oder aber großem Durchmesser (als Faustregel gilt größer als fünf Millimeter). Verändert sich ein älteres Muttermal, vergrößert sich oder wird dunkler, ist dies ebenfalls verdächtig. Frauen bemerken solche Veränderungen oft früher als Männer. Sie gehen daher auch eher zum Arzt.

Der Hautarzt untersucht die Haut des Patienten zunächst mit bloßem Auge. In der Regel setzt er zusätzlich ein sogenanntes Dermatoskop ein. Es vergrößert die Pigmentflecken etwa auf das Zehnfache. So kann er die einzelnen Strukturen der Haut besser erkennen und beurteilen. Die Kosten für eine Untersuchung mit Dermatoskop werden von den Kassen bislang noch nicht erstattet. Digitale Bilder können zudem archiviert werden. So kann der Arzt frühzeitig erkennen, ob sich Pigmentflecken verändern. Der Hautarzt sollte dabei auch darauf achten, ob sich an den Finger- und Zehennägeln auffällige Verfärbungen finden. Denn Melanome können auch unterhalb des Nagels wachsen.

Nur sehr selten enthält ein malignes Melanom wenig oder gar kein Pigment. Es erscheint dann hell oder rötlich und ist für den Untersucher sehr schwer zu erkennen. Ebenfalls schwer zu diagnostizieren sind Melanome an ungewöhnlichen Körperstellen. So kann sich auch in sehr seltenen Fällen auf der Mund- oder Genitalschleimhaut oder im Augenhintergrund schwarzer Hautkrebs bilden.

Was ist das Hautkrebsscreening?

Gesetzlich versicherte Patienten können seit 2008 am Hautkrebsscreening teilnehmen. Ab dem 35. Lebensjahr übernimmt die Krankenkasse dabei alle zwei Jahre die Kosten für eine Früherkennungs-Untersuchung. Mit bloßem Auge untersucht dabei der Hautarzt oder ein geschulter Hausarzt die gesamte Haut, die einsehbaren Schleimhäute im Mund, im Genital- und Analbereich sowie die Nägel. Auf diese Weise kann nicht nur der gefährliche schwarze Hautkrebs, sondern auch der weniger bedrohliche weiße Hautkrebs früh erkannt werden. Dazu zählen zum Beispiel Basalzellkarzinome und Spinozelluläre Karzinome oder deren Vorstufen. Dennoch sollte jeder seine Haut regelmäßig selbst kontrollieren – und auch die der Familienmitglieder. Dies bleibt weiterhin ein wichtiger Teil der Früherkennung.

Wie stellt man die Diagnose?

Stuft ein Arzt eine Hautveränderung als verdächtig ein, wird das Pigmentmal in der Regel in einer Operation entfernt. Dieses Gewebe wird dann unter dem Mikroskop mit verschiedenen Färbetechniken genau untersucht. Man spricht hierbei auch von der feingeweblichen oder histopathologischen Untersuchung. Mit dieser kann man Krebszellen erkennen und genau bestimmen, um welche Art von bösartigen Zellen es sich handelt.

Welche Typen gibt es?

Melanome können an verschiedenen Stellen des Körpers entstehen. Außerdem wachsen sie auf verschiedene Weise. Manche breiten sich eher in die Tiefe aus. Andere wachsen oberflächlich in die Breite.

Dr. med. Benedetta Belloni ist Assistenzärztin der Klinik für Dermatologie. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Dermatoonkologie.

Je nachdem, wo sie entstehen und wie sie wachsen, unterscheidet man verschiedene Typen von Melanomen: So gibt es Tumore, die sich jahrelang nur an der Hautoberfläche ausbreiten, bevor sie schließlich in die Tiefe dringen. Man nennt diese auch superfiziell spreitende Melanome. Andere wachsen rascher und dringen sofort tiefer in die Haut ein. Der Arzt bezeichnet einen solchen Tumor als noduläres Melanom.

Eine andere Art von Hautkrebs entsteht auf chronisch sonnengeschädigter Haut. Dort befinden sich oft linsenförmige Sonnenflecken, sogenannte Lentigines simplices. Aus diesen kann sich in sehr seltenen Fällen das Lentigo-maligna-Melanom entwickeln. Es wächst allerdings eher langsam und breitet sich jahrelang nur auf der Hautoberfläche aus.

Gefährlicher ist das noduläre Melanom.

Als akrolentiginöses Melanom bezeichnet man einen Typ von schwarzem Hautkrebs, der im Bereich der Finger, Zehen, Ohren oder der Nasenspitze wächst. Diese Bereiche werden auch als Akren bezeichnet. Zudem unterscheidet man noch das Schleimhautmelanom und das Aderhautmelanom. Des Weiteren wird die Unterscheidung der Melanome nach zugrunde liegenden Erbgutveränderungen, sogenannten Mutationen, immer wichtiger. Man kennt inzwischen einige dieser Mutationen, die zum ungezügelten Wachstum der Krebszellen beitragen. Die häufigste beim malignen Melanom ist die sogenannte BRAF-Mutation.

Ursachen für Hautkrebs

Arten von schwarzem Hautkrebs: Ein nicht pigmentiertes Melanom ist schwer zu erkennen.

Als eine Ursache für Hautkrebs gilt ungeschütztes und häufiges Sonnenbaden. Vor allem, wer als Kind oft einen Sonnenbrand hatte, hat ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Dies erklärt jedoch nur einen verhältnismäßig geringen Anteil der Melanome. Das Risiko hängt zudem davon ab, wie viele Pigmentmale eine Person hat. Auch die genetische Veranlagung hat einen Einfluss. Sind Eltern oder Geschwister des Patienten erkrankt, ist das Risiko, dass auch er solche Tumore entwickelt, erhöht. Obwohl nur wenige Melanome allein durch das Sonnenlicht verursacht werden, ist ein vernünftiger Umgang mit der Sonne dennoch wichtig. Kinder unter einem Jahr sollten keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Durch konsequenten Schutz lässt sich zudem das Risiko für andere Hautkrebsarten wie den sogenannten weißen Hautkrebs verringern.

Wie operiert man ein Melanom?

Das superfiziell spreitende Melanom wächst lange oberflächlich.

Steht die Diagnose „schwarzer Hautkrebs“ fest, ist es für die weitere Therapie entscheidend, wie dick der Tumor war und wie tief er in das Gewebe eingedrungen ist. Je nachdem können weitere Eingriffe nötig sein. Dabei muss der nötige Sicherheitsabstand zur gesunden Haut und den darunterliegenden Strukturen eingehalten werden. Dazu entfernt man auch etwas vom gesunden Gewebe, das den Tumor umgeben hat. Je nach Tumordicke sollte man nach allen Seiten hin sowie in die Tiefe ein bis zwei Zentimeter gesundes Gewebe entfernen. Denn auch in der Umgebung des Melanoms können sich einzelne Krebszellen verstecken. Nach einiger Zeit könnten diese eine Absiedelung des Hautkrebses, eine Metastase bilden.

Doch kann nicht überall am Körper mit einem so großen Sicherheitsabstand operiert werden. So ist dies an den Fingern oder im Gesicht nicht möglich. Hier operiert man kleinflächiger und mit mikroskopischer Schnittrandkontrolle. Dafür sollte der Patient häufiger zur Kontrolluntersuchung gehen.

Dringt der Tumor einen Millimeter oder tiefer in das Gewebe ein, wird heute die Entfernung des Wächterlymphknotens empfohlen. So nennt man den ersten Lymphknoten, in den die Lymphflüssigkeit des betroffenen Hautbereichs fließt. Er wird schonend entfernt und unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht. Finden sich dabei bereits abgewanderte Tumorzellen, empfiehlt man dem Patienten in der Regel, sich weitere Lymphknoten entfernen zu lassen.

Wie sieht die Nachsorge aus?

Hautkrebs kann sogar unter dem Fingernagel auftreten.

Wie oft der Patient nach der OP zur Kontrolluntersuchung gehen sollte und welche Methoden dabei angewandt werden, hängt entscheidend von der Tumordicke ab. War das Melanom dünner als ein Millimeter, sollte der Patient in der Regel in den fünf folgenden Jahren danach jedes halbe Jahr zur Kontrolluntersuchung gehen. Bis zum zehnten Jahr nach der OP genügt es dann, sich ein Mal im Jahr untersuchen zu lassen. War die Erkrankung bereits fortgeschritten, sollte der Patient in kürzeren Abständen zur Nachsorge gehen. Kontrolliert wird dann nicht nur die Haut. Es werden zudem weitere Untersuchungen wie Ultraschall der Lymphknoten und der Bauchorgane sowie spezielle Blutuntersuchungen der sogenannten Tumormarker durchgeführt. Auch Computertomografien und sogenannte PET-CT (Positronen-Emissions-Tomografie, PET) werden vorgenommen. Mit Hilfe dieser Methoden lassen sich Metastasen früh erkennen und spezielle Behandlungen einleiten. Das Melanom streut dabei besonders in die umgebende Haut, Lymphknoten, Leber, Lunge und Gehirn. Doch können auch andere Organe betroffen sein.

Behandlung mit Medikamenten

Bei fortgeschrittenen Stadien, etwa einem Befall der Wächterlymphknoten, erhält der Patient auch Medikamente, welche die körpereigene Immunabwehr stärken. Zugelassen für eine solche Behandlung ist in Deutschland das Mittel Interferon. Wenn Metastasen bestehen, die sich durch eine OP nicht entfernen lassen, kommen eine Strahlentherapie und verschiedene Chemo- und Immuntherapien infrage.

Ein Lentigo-maligna-Melanom entsteht über Jahre.

Die Forschung ist zudem intensiv auf der Suche nach neuen Therapien: Es werden immer mehr Substanzen getestet, welche die Krebszellen an bestimmten Punkten in ihrem Stoffwechsel angreifen und vernichten. Die gesunden Zellen sollen dabei geschont werden. So wurde vergangenes Jahr das neue Medikament Zelboraf zugelassen, welches Melanomzellen mit einer BRAF-Mutation im Wachstum hemmt.

Zudem wird intensiv an Immuntherapien geforscht. Vor zwei Jahren wurde das neue Medikament Yervoy zugelassen. Es soll das Immunsystem von betroffenen Patienten aktivieren, den Krebs zu bekämpfen. Generell gilt allerdings: Die Prognose von Patienten, bei denen der Hautkrebs bereits fortgeschritten ist, ist deutlich schlechter. Daher ist eine frühe Erkennung so wichtig. Dann ist auch schwarzer Haukrebs meist heilbar. Ein Screening beim Hautarzt und die Selbstuntersuchung sind auch weiterhin der sicherste Weg zur Heilung der Krankheit.

Von Prof. Dr. Rüdiger Hein und Dr. med. Benedetta Belloni

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