Jeder zehnte Arbeitnehmer hat Depressionen

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Jeder zehnte Arbeitnehmer in Europa blieb wegen Depressionen daheim

Brüssel/Hildesheim - Es ist eine Krankheit über die man kaum spricht, doch vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Depressionen. Am Arbeitsplatz ist das oft noch ein Problem.

Jeder zehnte Arbeitnehmer in Europa ist schon einmal wegen einer Depression zu Hause geblieben. Das hat der europäische Fachverband European Depression Association (EDA) in einer repräsentativen online-Umfrage unter mehr als 7000 Europäern herausgefunden. Erste Ergebnisse daraus stellt die EDA mit Sitz in Brüssel am Montag vor. Jeder Depressionsschub verursacht demnach durchschnittlich einen Ausfall von 36 Arbeitstagen.

Der Europäische Depressionstag am Montag (1. Oktober) will auf die lange tabuisierte Krankheit aufmerksam machen und Verständnis für die Betroffenen wecken. Die Diagnose Depression hat der europäischen Umfrage zufolge jeder fünfte Befragte schon einmal zu hören bekommen - am häufigsten waren Briten betroffen (26 Prozent), am seltensten die Italiener (12 Prozent).

Erschöpfte Promis: Sie litten unter Burnout

Pop-Sängerin Mariah Carey ließ sich im Sommer 2001 in eine Klinik einweisen. Der Grund: Bodenlose Erschöpfung. © dpa
Bruce Darnell hat viele schöne Momente erlebt - hier ist er bei der Verleihung der "Goldenen Kamera" 2010 für die Casting-Show "Das Supertalent" zu sehen. Aber auch Darnell hat unter Erschöpfungszuständen gelitten. © dpa
Burnout-Syndrom
Ralf Rangnick leidet unter einem Erschöpfungssyndrom. © dpa
Die Schlagersängerin Michelle, Ex-Freundin von Matthias Reim, litt unter Burnout. © dpa
Die Professorin Miriam Meckel (rechts), hier mir ihrer Lebensgefährtin Anne Will, hat ein Buch über ihr Burnout-Leiden geschrieben. © dpa
Auch der Schweizer Pop-Star Patrick Nuo litt an der Erkrankung. "Ich fühlte mich ausgebrannt und kam an einen Punkt, an dem ich körperlich und geistig an meine Grenzen stieß", sagte er einmal über die Zeit. © dpa
TV-Coach Tim Mälzer konnte nach eigenen Angaben einen Burnout durch einen Coach noch verhindern. © dpa
Die Popband Rosenstolz sagte 2009 viele Termine ab, weil ihr Sänger und Komponist Peter Plate am Burnout-Syndrom erkrankt war. © dpa
Sebastian Deisler: Nach einem Klinikaufenthalt im Herbst 2003 hieß es über den Profi-Fußballer, er sei depressiv und ausgebrannt. 2007 beendete er seine Karriere. © dpa
Sven Hannawald hat das Ende seiner Skisprung-Karriere öffentlich mit einem Burnout-Syndrom begründet. © dpa

Schlafstörungen, Energiemangel oder innere Unruhe 

Deutsche Arbeitnehmer blieben der EDA zufolge am ehesten wegen eines Krankheitsschubs zu Hause (61 Prozent). Mit durchschnittlich 41 Tagen blieben sie der Arbeit auch am längsten fern. Zugleich klagten Umfrage-Teilnehmer aus Deutschland besonders über mangelnde Unterstützung durch den Arbeitgeber.

Doch obwohl Depressionen ein Volksleiden sind, werden sie bei vielen Patienten nicht erkannt, sagte Prof. Detlef E. Dietrich, Ärztlicher Direktor des Ameos Klinikums Hildesheim. Der Psychiater ist Koordinator des 9. Europäischen Depressionstages für Deutschland. Angehörige oder Freunde sollten aufhorchen, wenn jemand über Wochen hinweg über mehrere typische Symptome wie Schlafstörungen, Energiemangel oder innere Unruhe klagt.

Spaß an der Arbeit

Oft seien Probleme und Sorgen am Arbeitsplatz die Ursache: „Die Menschen leiden unter der Verdichtung von Aufgaben. Gleichzeitig ist die Unsicherheit, ob der Arbeitsplatz überhaupt Bestand hat, eine große psychische Belastung. Depressionen werden aber immer durch viele Faktoren bedingt, etwa auch durch familiäre Probleme oder erbliche Anlagen.“

Nach Angeben von Dietrich kann eine Arbeit, die Spaß macht und weder über- noch unterfordert, das beste Antidepressivum sein. Ihm zufolge leiden etwa vier Millionen Menschen in Deutschland unter Depressionen. Aber nur etwa zehn Prozent von ihnen würden langfristig betrachtet adäquat behandelt. „Teilweise erkennen sie selbst oder auch Hausärzte nicht, dass hinter körperlichen Beschwerden wie Rückenschmerzen eine psychische Erkrankung steckt.“

Die volkswirtschaftlichen Kosten in Europa schätzen die von der EDA zitierten Quellen auf 92 Milliarden Euro im Jahr 2010 innerhalb der Europäischen Union. Verursacht werden sie durch Fehlzeiten und die Symptome der Krankheit. Die vollständigen Ergebnisse will die EDA 2013 vorlegen.

Für die Umfrage wurden vom 30. August bis zum 19. September 7065 Menschen in Europa online befragt. Die European Depression Association ist eine Allianz aus Organisationen, Patienten, Forschern und medizinischen Fachkräften aus 17 Ländern in ganz Europa.

dpa

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