Jungen immer früher geschlechtsreif

Rostock - Jungen werden einer Studie zufolge offenbar immer früher geschlechtsreif. Ein heute 18-Jähriger ist körperlich so weit entwickelt wie früher ein Mann mit 22 Jahren.

Was schon seit einiger Zeit vermutet wird, ist in einer Studie nun indirekt nachgewiesen worden - mittels Sterblichkeitsdaten: Die Wahrscheinlichkeit zu sterben steigt nämlich sprunghaft an, wenn Jungen in der Pubertät besonders viel vom Hormon Testosteron produzieren. Sie neigen dann zu riskantem Verhalten. Demografen sprechen in diesem Fall von einem “accident jump“.

“Ein heute 18-Jähriger ist körperlich so weit entwickelt wie ein 22-Jähriger um 1800“, erklärte Joshua Goldstein, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock. Grund dafür sei vor allem, dass die Menschen immer nahrhafter äßen und widerstandsfähiger gegen Krankheiten würden.

Erstmals könnten Forscher nun nachvollziehen, wie Frauen und Männer auf dieselbe Weise auf Veränderungen in der Umwelt reagierten, hob Goldstein die Bedeutung seiner Untersuchung hervor. Bei Mädchen ist die Entwicklung zur früheren Geschlechtsreife bereits nachgewiesen - medizinische Aufzeichnungen haben belegt, dass die erste Menstruation immer eher stattfindet. Für Jungen existierten vergleichbare Daten bisher nicht.

Kluft zwischen biologischer und sozialer Lebensphase

Obwohl Jugendliche immer früher biologisch erwachsen würden, heirateten sie im Durchschnitt später und gründeten später eine Familie, erklärte Goldstein weiter. Auch der Beginn einer beruflichen Karriere und die finanzielle Unabhängigkeit von den Eltern werde zeitlich nach hinten verlagert. “Wichtige Entscheidungen im Lebenslauf werden mit immer größerem Abstand zur Sorglosigkeit der Jugend gefällt.“

Unklar sei, ob die “Hochrisikophase“ ihres Heranwachsens für junge Männer gefährlicher werde, weil sie sie früher durchlebten, sagte der Demograf. Zwar seien Jungen im früheren Alter weniger mental und sozial gefestigt und dadurch eventuell gefährdeter. Andererseits stünden sie dann noch unter stärkerer Aufsicht der Eltern.

dapd

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